Vorherige Ausgaben von 2+2+10:

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13.11.2001

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

2+2+10, die seit der Eishockeyweltmeisterschaft 2001 auf Hockeyweb.de erschienene Eishockeykolumne von Björn Brehe , ist seit November 2001 Bestandteil von Hockeyarenas.com.

Nicht jedes Wort der Kolumne sollte auf die Goldwaage gelegt werden. Zwar versucht die Sportberichterstattung in Deutschland meistens zu implizieren, dass das über den Sport geschriebene Wort stocktrocken zu sein hat, aber Ausnahmen bestätigen schließlich die Regel.

Viel Spaß mit der Ausnahme,

das (stets diskussionsfreudige) Hockeyarenas.com-Team

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20.11.2001
Björn Brehe, bjoern2711@aol.com

In Ehrfurcht beginne ich die heutige Kolumne. Ich huldige dem großartigen Bob Hartley, der seine Colorado Avalanche mit drei Siegen in Folge vorerst wieder auf die Erfolgsspur zurückgebracht hat. Oh nein, es war ja gar nicht Hartley, der den großen Teil der Verantwortung dafür trägt. Nein, der Mann der Stunde ist wieder einmal Patrick Roy.

1.Drittel: Eigentlich ist nichts Besonderes daran, daß die Avalanche drei Spiele in Folge gewonnen hat, gerade nach den letzten schwachen Wochen des amtierenden Champions war das bitter nötig, aber wie das ganze zu Stande gekommen ist, kann man nur als äußerst bemerkenswert beschreiben. Da treffen die Jungs aus Denver wieder kaum das Tor, aber plötzlich reichen vier Treffer, um dreimal zu gewinnen. Der Grund dafür war Patrick Roy, der mal eben drei Shutouts in Folge schaffte und dabei 90 Torschüsse abwehrte. Das ist in der NHL zwar schon ein paar Mal vorgekommen, aber dennoch ist das eine Leistung, die man nur mit dem Begriff "Weltklasse" beschreiben kann. Dazu gehören zwar auch Glück und eine gute Abwehrleistung, aber das gelingt keinem Goalie, der "nur" einfach gut ist. Sowieso sind und bleiben viele Torhüter der Liga mal wieder Aushängeschild ihres Teams und ihre Bedeutung scheint stetig zu steigen. Vier der sieben Awards für den NHL Spieler der Woche, gingen in dieser Spielzeit bisher an Goalies. Roman Turek hat, nach dem er die Calgary Flames zu ungeahnten Topleistungen führte, verdientermaßen einen neuen, gut dotierten Vertrag unterzeichnet. In Montreal läuft nichts ohne Jose Theodore, wenn auch noch Jeff Hackett verletzt ist und sogar die Florida Panthers hatten mit Trevor Kidd und Roberto Luongo am Wochenende zwei Goalies in ihren Reihen, die den Gegner zum Verzweifeln brachten. Diese Liste läßt ohne Probleme weiterführen.

Roy hatte in dieser Woche harte Konkurrenz von Stürmern wie Alexei Kovalev, Steve Yzerman und einigen anderen, doch die Wahl viel verdient auf ihn. Stellt sich die Frage, was ihn zu einem besonderen Torhüter macht? In erster Linie ist er da. Die Präsenz einer Person, die mit zwei verschiedenen Teams jeweils zwei Stanley Cups gewonnen hat und die meisten Siege auf dem Konto vorweisen kann, ist höher kaum einzuschätzen. Außerdem wird er mit steigenden Herausforderungen immer besser. Brodeur, Joseph, Hasek und einige andere sind bestimmt nicht weniger talentiert, aber irgendwie hat dieser Roy noch etwas, das allen anderen fehlt. Damit meine ich allerdings nicht seine negativen Seiten. Ich kann mich nur gut an den kleinen Skandal erinnern, als er nach einem Ehestreit die Türen seiner Wohnung etwas umdekoriert hat, aber was soll´s? Viele Goalies haben halt einen kleinen Schaden... .

Zu den besten seines Faches gehört auch Olaf Kölzig, aber den hat es letzte Woche wirklich hart getroffen. Zweimal bekam er fünf Stück und gegen die zur Zeit sehr starken Ottawa Senators mußte er auch noch mit ansehen, wie sein Backup Billington weitere sechs kassierte. Dieses 11:5 der Senators war beeindruckend, aber was ist mit den Capitals los?

2.Drittel: Ganz einfach: Die sind eigentlich nicht wirklich gut. Dank des Neuzugangs Jaromir Jagr wollten einige das Team aus der amerikanischen Hauptstadt zum Titelkandidaten machen, aber das sind sie bei weitem nicht. Wenn dann noch ein paar Verletzte hinzukommen, kann sogar die Playoff Teilnahme, so wie es momentan aussieht, in Gefahr geraten. Ein Problem ist beispielsweise, das es keinen angemessenen Center für Jagr gibt. Adam Oates ist kein schlechter Spieler, aber er hat seine besten Tag längst hinter sich und ist alles andere als torgefährlich. Jagr braucht einen absoluten Spitzencenter an seiner Seite, um so auftrumpfen zu können, wie in den letzten Jahren. Jagr selbst ist unbestritten einer der spektakulärsten und offensiv besten Stürmer, aber auch er ist nicht so torgefährlich wie einige ihn gerne hätten.

Was gibt´s sonst Neues in der NHL? Das ist schnell zu beantworten: Meine Freunde, die New York Islanders, haben jetzt eingesehen, daß sie ebenfalls noch kein Spitzenteam sind und gewannen bis gestern fünfmal hintereinander nicht mehr. Das ist ja schön und gut, aber warum müssen die Rangers jetzt die Liga aufmischen ? Wird es nicht langsam Zeit, daß Mike Richter zu alter Schwäche zurückkehrt, Lindros mit einer Gehirnerschütterung ausfällt, Theo Fleury den Drogen verfällt und Malakhov sich mit einer Pseudoverletzung für den Rest der Saison zurückzieht? Ich meine ja!

Bei der DEL angelangt, könnte ich jetzt wieder lange auf die Schiedsrichter eindreschen. Was zum Teufel hat Herr Rademaker da am Freitag in Düsseldorf gepfiffen? Nicht daß er jetzt unbedingt für den Ausgang des Spiels verantwortlich ist. Nein, das hat sich die DEG selbst zuzuschreiben, aber einen Haufen merkwürdiger Entscheidungen hat er trotzdem zu verantworten. In Kassel war dagegen am Sonntag eine Szene sehr wohl spielentscheidend: Stand Gary Shuchuk beim Tor zum 1:2 der Krefeld Pinguine bei den Huskies Kassel etwa nicht im Torraum ? Doch er stand und wäre der Treffer nicht gegeben worden... .
Ähnliche umstrittene Pfiffe gab es auch in Krefeld am Freitag und in Augsburg am Sonntag. In Frankfurt war die Schiedsrichterleistung sicherlich völlig unwichtig, da die Begegnung gegen Nürnberg ja nicht unbedingt knapp war. Verletzungspech hin und her, selbst gegen die Ice Tigers muß man zuhause nach zwei Dritteln nicht unbedingt 1:8 zurückliegen, oder? Diese Lions sollten sich vielleicht liebe Schmusekätzchen nennen, oder wie wär´s mit Frankfurt Light Lions? Das involviert dann, daß der Gegner leicht die Punkte einsacken kann, während es die Anhänger langsam wirklich light, ähh leid sind.

3.Drittel: Schon seit Jahren gibt es dort doch immer wieder das gleiche Bild. Namhafte Spieler werden verpflichtet, man will auf jeden Fall in die Playoffs und wo endet das Ganze? In Trainerrauswürfen und Enttäuschung bei den Fans, die mir wirklich leid tun. Da hat man´s in Essen, Iserlohn und Schwenningen schon leichter. Wenn man realistisch ist, träumt man dort gar nicht erst von den Playoffs, denn dann wird man auch nicht so sehr enttäuscht. So kann man immerhin ganz unbeschwert ein Eishockeyspiel ansehen, bejubelt Siege mehr als andere Fans, weil sie so selten vorkommen und wenn der Schiedsrichter schlecht pfeift, ist das ja eigentlich auch egal... .

Nicht über die Schiedsrichter, nein am meisten habe ich mich aber am Wochenende über etwas Anderes geärgert. Auch wenn ich gerne Bezüge zum Fußball ziehe, ging mir dieser "Ohne Holland fahren wir zur WM" Gesang doch gehörig auf die Eier (tschuldigung). Eine Sekunde habe ich überlegt, wann denn die Niederlande überhaupt das letzte Mal an einer A – WM teilgenommen habe, bis ich begriff, daß es hier um Fußball ging. Gegen Schadenfreude habe ich auch nichts einzuwenden, aber wäre ich Anhänger der deutschen Fußballnationalmannschaft, würde ich lieber meine Schnauze halten. Die Holländer mögen zwar wieder mal als Team versagt haben, aber trotzdem besitzen sie immer noch mehr Talent und bessere Spieler und werden so eine Blamage sicherlich auch in Zukunft vermeiden. Das fußballerisch zweitklassige Deutschland hat sich dagegen durchgesetzt, ja, ohne Gnade bezwangen dieser Superhelden die drittklassige Ukraine. Was gibt es da bitte zu bejubeln und was hat das beim Eishockey zu suchen ? Bei diesem "Ohne Holland fahren wir zur WM" fiel mir übrigens ganz spontan "Gegen England gibt es wieder fünf" ein. 

Den Schluß möchte ich noch einem Bekannten widmen, der mich richtig zum lachen gebracht hat. Dieser junge Mann, nennen wir ihn mal Biff, überlegte sich letzte Woche, während er durch Oldenburg radelte, daß eine Beleuchtung seinem Rad nicht schaden könne. Also ging er, schlau wie er nun mal ist, in einen Fahrradladen und kaufte sich ein Dynamo. Dieses ließ er für viel Geld montieren, da er selbst zu faul war. Am Ende zahlte er über 130 DM ( dafür kriegt man auf dem ein oder anderen Flohmarkt ein gutes Gebrauchtrad ) und hatte jetzt ein Rad mit einem Dynamo, aber immer noch kein Licht, da er nicht daran gedacht hatte, sich vielleicht auch ein paar Lampen zu kaufen... . Schlußsirene

Absolute Spitze: Patrick Roy, Steve Yzerman, Roberto Luongo, Alexei Kovalev, New York Rangers (?), Ottawa Senators.

Schlechte Witze: Washington Capitals, Frankfurt Light Lions, Fußballgesänge beim Eishockey

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Kolumne geschrieben von:

Björn Brehe, bjoern2711@aol.com