Jawohl,
endlich ist sie da, die Zeit der Spannung und des Wahnsinns, die
Playoff Zeit.
1.Drittel:
Wenn erwachsene Männer plötzliche eine völlig unnatürliche
Haarfarbe haben oder Bärte tragen, aufgrund derer sie von ihren
Frauen heftig kritisiert werden, dann ist es soweit: It´s Playoff
Time. Heute beginnen die DEL Viertelfinalserien und einen
Vorgeschmack, was die Spannung angeht, bekam man schon am letzten
Wochenende. Knapp scheiterten letztlich die Iserlohn Roosters, denen
die meisten neutralen Zuschauer wegen ihres Underdogstatus die
Playoffs gegönnt hätten. Nach einer knappen, aber trotzdem
verdienten 4:3 Niederlage in Düsseldorf, brachte auch ein 8:1
Kantersieg gegen die Krefeld Pinguine nichts. In der 57.Minute
markierte Ted Drury im Spiel der Hamburg Freezers bei den Frankfurt
Lions das entscheidende 3:3 und sorgte so für den einen Punkt, den
man zu Platz 8 unbedingt brauchte. Am Ende holte man auch den Zusatzzähler
im Penaltyschießen, was aber von keiner großen Bedeutung war und
durfte feiern.
Im Sauerland dagegen war Trauern angesagt, welches aber der
Zufriedenheit und dem Stolz der Fans und Spieler nach einer überraschend
starken Saison, schnell wieder wich. Coach Greg Poss, der sonst als
harter Hund bekannt ist, kämpfte vor laufenden Fernsehkameras mit den
Tränen und zeigte damit den letzten Zweiflern, dass sein Abschied aus
Iserlohn bereits feststand.
Die Verantwortlichen der DEL sprechen nach den steigenden
Besucherzahlen und dem spannenden Finish am letzten Wochenende vor den
Playoffs von einer boomenden Liga. Das Ansehen ist allerdings noch längst
nicht da, wo es sein sollte. Zu viele Skandale und unverständliche
Vorgänge vergangener Jahre wirken nach. Zu dem wird man in
Deutschland generell kaum etwas so schwer wieder los, wie einen
schlechten Ruf. Die Liga ist allerdings auf einem guten Weg und kann
sich für viele positive Schlagzeilen bei den Hamburger Fans bedanken.
Die sorgten dafür, dass die beiden garantierten Heimspiele gegen die
Berliner Eisbären innerhalb von Stunden ausverkauft waren.
Die Playoffs an sich versprechen wirklich einiges an Spannung,
Unterhaltung und auch Überraschungen wird es geben. Natürlich sagt
man, dass alle acht Mannschaften Meister werden können, was
eigentlich meistens Unsinn ist, aber in diesem Jahr gar nicht so
falsch wie sonst, wenn man von den Huskies absieht. In den Playoffs
will ich aber auch auf jeden Fall die alten Floskeln hören, die man
in der Hauptrunde meistens noch in der Schublade gelassen hat. Sätze
wie "Hitchcock hätte es nicht besser inszenieren können"
oder "Die Spannung in diesem Stadion ist greifbar" sind so
abgegriffen und ausgelutscht, dass man sie eigentlich besser weglassen
sollte, aber sie zeigen: Hier geht es richtig um etwas. Jetzt beginnt
die entscheidende Zeit, auf die man monatelang hingearbeitet hat. Für
den einen ist Karneval die fünfte Jahreszeit, für den anderen sind
es die Playoffs. Spieler wie Mike Stevens, die man solange er nicht eh
schon im Lieblingsteam spielt, während der Saison hasst, wünscht
sich nun fast jeder fachkundige Fan in seinem Club.
2.Drittel: Das Viertelfinale hat es so an
sich, dass es vier verschiedene Serien gibt, die diesmal alle etwas
Besonders haben.
Der Topfavorit aus Berlin trifft auf die Hamburger, was also das
sogenannte Anschütz Derby ist. Natürlich gibt es einige Stimmen, die
mutmaßen, dass die Freezers gar nicht weiterkommen dürften, da die
Eisbären im Endeffekt schon alleine wegen des Heimvorteils eine
bessere Chance besitzen würden, Meister zu werden. Ich halte das für
Unsinn und denke, dass Freezers Coach Sean Simpson bei dem Versuch
einer Absprache schneller verschwunden wäre, als der reiche Onkel aus
den USA mit einem Geldscheinbündel wedeln kann. Letztlich werden sich
die Eisbären in dieser Serie allerdings durchsetzen, weil sie
insgesamt einfach die etwas stärkere Mannschaft haben, die die in den
Playoffs wichtigen Dinge besser beherrscht. Die Berliner sind
eigentlich eine offensiv ausgerichtete Mannschaft, aber Pierre Page
weiß, dass man in den Playoffs erst einmal auf Sicherheit bedacht
sein sollte. Die Eisbären haben aufgrund ihrer Besetzung für mich
die besseren Möglichkeiten, effektiv defensiv zu spielen und offensiv
wegen ihrer vielen unglaublich guten Stürmer stets für Gefahr zu
sorgen. Hinzu kommt noch, dass die Berliner über ein sehr starkes
Powerplay verfügen. Die Hamburger werden mit ihrem tollen Publikum im
Rücken aber sehr wahrscheinlich ein Heimspiel für sich entscheiden können,
wobei ich ihnen auch zutraue, ein drittes Spiel in der Color Line
Arena erzwingen zu können, in dem dann aber spätestens Endstation wäre.
Mein Tipp: Eisbären in fünf.
Die an Nummer 2 gesetzten Kölner Haie, die gleichzeitig
Titelverteidiger sind, treffen auf die Kassel Huskies, für die es
zwischenzeitlich recht lange nicht nach einer Playoff Teilnahme
aussah. Brisant ist diese Serie, weil Hans Zach an seine alte
Wirkungsstätte zurückkommt. Ich denke aber, er wird die geringsten
Probleme haben, mit seiner Mannschaft das Viertelfinale zu erreichen.
Dass er wieder in Understatement macht, ist aber selbstverständlich.
Als selbsterklärt bester Trainer der Liga ( er sagte es indirekt, als
er von Mike Komma als den zweitbesten der Liga sprach ), der den
Titelverteidiger übernommen hat, ist es aber wieder einmal ziemlich lächerlich.
Sicher haben auch die Playoffs ihre eigenen Gesetze und blablabla,
aber alles andere als eine Finalteilnahme wäre für die Haie und Zach
eine Enttäuschung. Gegen die Huskies kann man eine Defensivschlacht
erwarten, in der sich die Kölner insgesamt klar nach Spielen
durchsetzen. Auch wenn ich Kassel eine Überraschung wünschen würde,
tippe ich: Köln in fünf.
3.Drittel: Zum ersten rheinischen Derby
erwarten die DEG Metro Stars heute die Krefeld Pinguine. Hier dürfen
sich die Fans auf eine sehr spannende Serie freuen. Im Gegensatz zu Köln
- Kassel tippe ich allerdings darauf, dass es die ein oder andere
Partie mit einem deutlichen Endergebnis geben wird. Beim letzten
Auftritt der Seidenstädter in der Landeshauptstadt machen die Gäste
den körperlich stabileren Eindruck, um mal eines der Lieblingswörter
von Hans Zach zu benutzten. Letztendlich gewannen sie auch deshalb
verdient. Ich denke aber, dass die Düsseldorfer gerade zuhause
wesentlich besser spielen werden als bei diesem Vergleich. Im
Endeffekt haben sie große Chancen die Serie zu gewinnen, wenn sie die
Topreihe mit Brandner und Purdie weitestgehend ausschalten können.
Gelingt ihnen das, haben sie in den weiteren beiden entscheidenden
Angriffsformationen den Krefeldern gegenüber sehr wahrscheinlich
einen Vorteil. Extrem wichtig werden natürlich gerade in dieser Serie
die Special Teams und die Torhüter. Mein Tipp: DEG in sieben.
Zuletzt schieden die Nürnberg Ice Tigers als Favorit zweimal gegen
die Kassel Huskies aus. Diesmal gehen sie als leichter Außenseiter in
den Vergleich mit den Mannheimer Adlern. Gelingt es den Franken, in
Abwehr und Angriff mit dem Erfolgsteam der letzten Jahre mit zu
halten, haben sie eine Riesenchance. Um es diesmal kurz zu machen: Nürnberg
gewinnt die Heimspiele und holt sich auch dank Goalie Frederic Chabot
einen Sieg in Mannheim: Ice Tigers in sechs.
Nachdem in der NHL gestern Deadline Day war, könnte ich über die
Ereignisse einen halben Roman schreiben, aber aus Zeitgründen muss
ich eine genau Betrachtung auf die nächste Woche verschieben. Eines
darf aber nicht unerwähnt bleiben: Ein Lob geht diesmal an die New
York Rangers. Ihnen ist es gestern gelungen den wahrscheinlich besten
Deal des Tages abzuwickeln. Aus Edmonton kommt Anson Carter, der zu
den zehn besten Rechtsaußen der Welt gehört. Ihn begleitet Talent
Ales Pisa in die Metropole, während die Rangers nur den in dieser
Saison schwachen Radek Dvorak und Durchschnittsverteidiger Cory Cross
nach Alberta schicken. Damit sind die Oilers, die außerdem Janne
Niinimaa abgaben, ohne gleichwertigen Ersatz zu bekommen, die klaren
Loser des Tages.
Dennoch werden die Rangers es nicht mehr schaffen, die Playoffs zu
erreichen, was nicht nur mich freut. "If fans are waiting for us
to spend $80 million, they should move to New York and buy season
tickets for the Rangers. They have a lot of overpaid, egotistical
athletes and don't make the playoffs. Two things make me happy: the
Kings winning and the Rangers losing" Los Angeles Kings Präsident
Tim Liewecke. Schlusssirene.
Absolute Spitze: Iserlohn Roosters,
Hamburg Freezers, New York Rangers ( für einen Tag ).
Schlechte Witze: Edmonton Oilers für den
Carter Trade.