2+2+10, die seit der Eishockeyweltmeisterschaft 2001 auf Hockeyweb.de erschienene Eishockeykolumne von Björn Brehe , ist seit November 2001 Bestandteil von Hockeyarenas.com.

Nicht jedes Wort der Kolumne sollte auf die Goldwaage gelegt werden. Zwar versucht die Sportberichterstattung in Deutschland meistens zu implizieren, dass das über den Sport geschriebene Wort stocktrocken zu sein hat, aber Ausnahmen bestätigen schließlich die Regel.

Viel Spaß mit der Ausnahme,

das (stets diskussionsfreudige) Hockeyarenas.com-Team

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13.11.2001

Auf dem Eis der Schiri pfeift, an der Bande der Hansi keift. Der Hock, der spielt, der Kreutzer kämpft, der dritte Platz trotzdem die Stimmung dämpft. Tätä,tätä.tätä. Helau ! Die fünfte Jahreszeit hat angefangen. Es ist wieder Karneval. Hurra!karneval.jpg (48655 Byte)

1.Drittel: Der dritte Platz für das DEB Team ist eigentlich nebensächlich, wen interessiert das schon wirklich? Ich mußte nur einen schlechten Reim finden, weil doch jetzt wieder die Zeit der schlechten Reime, des überdurchschnittlichen Alkoholkonsums, der Verkleidung und dieser datumsbedingten guten Laune angefangen hat. Ja, ich bin auch gut gelaunt, aber nur, weil ich mich Karnevalsveranstaltungen, so gut wie möglich, entziehe. Fallen eigentlich Rosenmontag und die anderen Tage des Grauens in die Olympiazeit? Ich hoffe ja, denn dann könnte ich vorher "groß einkaufen" und mich mindestens eine Woche einschließen und vor dem Fernseher sitzend Eishockey schauen. Aber zurück zum Thema: Die deutsche Eishockey Nationalmannschaft hat in Hannover eigentlich eine ganz gute Figur gemacht, wie ich finde. Sicherlich sind die Schweizer und Slowaken technisch und läuferisch besser, aber was soll´s ?

Ich traue den Jungs bei Olympia und der WM einiges zu. Wenn man vielleicht noch die Möglichkeit hat, Kölzig, Hecht und Sturm aus der NHL ein paar Tage eher loszueisen, was ich nicht glaube, wäre das natürlich optimal.

Hans Zach kann auch endlich aufhören zu erzählen, daß ihm der Verbleib in der A-Klasse bei der WM wesentlich wichtiger als Olympia ist. Das mag ja sein, aber diese Mannschaft ist mittlerweile zumindest wieder so gefestigt und auch talentiert genug, daß sie sich um den Abstieg keine Gedanken machen muß. Also, Tiefstapeln und sich nach dem Erreichen des Mindestziels feiern lassen, is nich mehr, Hansi! Das heißt auf der anderen Seite natürlich auch nicht, daß es demnächst haufenweise Medaillen regnet. Darauf muß man sich wohl noch ein paar Tausend Jahre gedulden. Im Prinzip ist das DEB Team in letzter Zeit aber kontinuierlich besser geworden. Die Torhüter bekommen in der DEL zwar nicht sehr viele Einsätze, aber alle drei haben dennoch einen guten Eindruck hinterlassen. Wenn man dann noch bedenkt, daß es unter anderem mit Pätzold und Kotschnew zwischen den Pfosten richtige Talente gibt, kann man auch ruhig die "Wir-haben-keine-super-Torhüter-weil-in-der-DEL-nur-Ausländer-verpflichtet-werden-Untergangsstimmung" abstellen. Vielleicht ist es für Zach ein Problem, daß die Dimitri(j) heißen. Ach quatsch, Wayne Hynes (oder Wein Häjhns wie der Stadionsprecher der DEG zu sagen pflegt), Len Soccio und Co. sind ja auch akzeptiert. A propos Soccio, der Mann kann passen und hat eine gute Übersicht, aber seine Schauspieleinlagen könnte er ruhig ein bißchen reduzieren. Man stelle sich mal vor, er würde in der Nationalmannschaft in einer Reihe mit Tomas Martinec und Leo Stefan spielen. Es wäre durchaus denkbar, daß alle drei gleichzeitig mit schmerzverzerrtem Gesicht auf dem Eis liegen würden, nachdem gegnerische Spieler sie leicht am Arm streicheln. Das Powerplay verdient sogar mittlerweile manchmal diese Bezeichnung. Sicher läuft die Scheibe nicht wie an der Schnur gezogen, aber man spielt das ganze recht anständig. Das Tor von Len Soccio war sogar sehr schön herausgespielt.

 

2.Drittel: Sehr gefreut habe ich mich im übrigen auch über den Assist und den verwandelten Penalty von Robert Hock. Sicherlich kann man nicht sagen, daß er so gut war, daß Hans Zach nicht an ihm vorbeikommt, aber er hat ganz bestimmt nicht enttäuscht und sollte mit nach Salt Lake City fahren. Gleiches gilt auch für Vitalij Aab, dem ich sein Tor am Freitag auch wirklich gegönnt habe. Es ist für mich als Eishockeyfan auch ein durchaus angenehmes Gefühl behaupten zu dürfen, daß die Spieler der deutschen Eishockeynationalmannschaft, auch wenn ein Vergleich schwer möglich ist, ihren Fußballkollegen einen Schritt voraus sind. Wie gern hätte Rudi Völler wohl einen richtigen Stürmer wie Daniel Kreutzer? Andersherum wäre es schon interessant zu erfahren, was Hans Zach wohl zu Oliver Bierhoff sagen würde. Wahrscheinlich nur eins: Tschüß !

Ein Riesenerlebnis war es auch am Samstag die Fußball Regionalligaberichterstattung auf N3 erleben zu dürfen. Das Highlight war der Kommentator beim Spiel des Dresdner SC gegen den VFL Osnabrück. Dieser Mann, den ich jetzt einfach mal Mr. Valium nennen möchte, weil ich seinen Namen nicht kenne, hat mein ganzes Mitgefühl. Wie kann man nur so emotionslos und langweilig von einem Spiel berichten, wie: Eeeckbaaalll füür deen VauEfEll? (Anmerkung: Der Ball war mittlerweile schon fast wieder an der Mittellinie ). Als dieser Mann aber den Torschützen zum 0:2 ankündigte, wäre ich vor Lachen fast vom Sofa gefallen. "Kemal, der Türke", sagte er tatsächlich. Er hat schon recht, daß Kemal Halat ein Türke ist, aber kündigt man jetzt so einen Torschützen an? Eines ist sicher: Wenn dieser Mann ein Kommentator werden kann, dann kann auch Angela Merkel Bundeskanzlerin werden. Beim DSF / bei Premiere World kann man sich über die Kommentatoren nicht so sehr beschweren, aber warum können die nicht einmal den Namen "Frederic Chabot" richtig aussprechen? Versucht äs doch biehtäschön mahl auf dieh französischä Art. Merci beaucoup.

In der NHL hat sich auch wieder einiges getan. Die New York Islanders haben endlich begrif-fen, daß es keine Regel gibt, die besagt, man dürfe nicht auch einmal zwei Spiele in Folge verlieren. Ein großes Dankeschön dafür von mir. Jarome Iginla spielt momentan so hervor- ragend, daß er bei für Olympia bei Team Canada dabeisein könnte. Ich wünsche es ihm und auch jedem anderen Spieler, der bis dahin eine angemessene Leistung bringt. Ich persönlich fürchte, man wird auf große Namen Rücksicht nehmen, anstatt die in dieser Saison besten Spieler zu nominieren. Man sollte auch einen Jeff O´Neill nicht aus den Augen lassen, der spätestens seit der vergangenen Spielzeit zu den besten Torjägern der Liga gehört.

 

3.Drittel: Am Freitag hat Tie Domi von den Toronto Maple Leafs ein bißchen auf die Fresse gekriegt. Nachdem, was er sich schon alles geleistet hat, finde ich das sollte in jedem Spiel so sein. Sehr witzig geht´s zur Zeit bei den Boston Bruins zu. 56-16 Torschüsse hatte man gegen die Minnesota Wild und am Ende stand eine 3:5 Niederlage zu buche. Irgendein Spieler meinte dann auch noch, daß man Minnesota großen Respekt zollen müßte, weil sie einige sehr talentierte Stürmer hätten, die eiskalt ihre Chancen nutzen. Wer sind den diese Spieler und seit wann sind sie in Minnesota und überhaupt, was soll dieser Müll? Man kann natürlich nicht sagen: Klar unser Torhüter (Grahame oder Dafoe, wer auch immer) war heute außerordentlich scheiße, aber wenn man so einen Blödsinn erzählt, kann man lieber gleich auf das Interview verzichten.

In sehr guter Form befinden sich in der NHL momentan auch einige Torhüter, deren Bedeutung für manche Teams fast unermeßlich ist. Jaja, auch Mike Richter bildet sich ein, er müsse den Leuten vortäuschen, daß er ein guter Goalie sei. Das brauchst du gar nicht, Mike, die Amis nehmen dich sowieso mit nach Salz See Stadt. Patrick Lalime hat eine tolle Woche hinter sich, ebenso wie Martin Brodeur und viele andere, aber meine drei Top-Kandidaten sind zur Zeit die drei T´s: Jocelyn Thibault, Roman Turek und Jose Théodore. Brodeur und Co. spielen sowieso schon bei Topteams, aber Thibault und Turek haben zumindest temporär Chicago und Calgary erst zu solchen gemacht. Montreal kassierte Niederlage nach Niederlage, ehe Théodore von einer Verletzung zurückkam. Dann hat er vier Spiele in sechs Tagen gemacht und die Canadiens haben zwei davon gewonnen und auch in den anderen gepunktet. Respekt !

Ein ausgesprochener Schlaukopf scheint dieser Bob Hartley von der Colorado Avalanche zu sein. Mal abgesehen davon, daß er im Vergleich zu Scotty Bowman, Larry Robinson und einigen anderen das Charisma einer ausgelutschten Zitrone hat, gerät er jetzt auch endlich unter Druck. Okay, er hat mit der Avalanche den Stanley Cup gewonnen, aber das hätte wahrscheinlich sogar Hans Zach geschafft, weil alle Spieler so unglaublich heiß darauf waren, Ray Bourque endlich loszuwerden, ähh, ihm den Titel zu bescheren. Jedenfalls sagte Hartley nach einer Auswärtsserie ohne Siege, daß mit einer besseren Ausbeute im Powerplay viel mehr dabei herausgesprungen wäre. Mmh, das mag stimmen, aber bei einem einzigen Treffer in drei Partien möchte man doch nicht wirklich damit implizieren, daß man einfach nur Pech hatte, oder ? Wenn ja, dann fällt mir dazu wieder folgendes ein: Helau !

Absolute Spitze: Der Fortschritt des DEB Teams, Jarome Iginla, Roman Turek, Jose Théodore, Jocelyn Thibault, Kemal Halat, Martin Brodeur, Patrick Lalime,

Schlechte Witze: Mr. Valium, Bob Hartley, Oliver Bierhoff, Colorado,

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Kolumne geschrieben von:

Björn Brehe, bjoern2711@aol.com