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Wichtig: Beginnend mit dem 04.12 erscheint 2+2+10 immer im Verlauf des Dienstags.

2+2+10, die seit der Eishockeyweltmeisterschaft 2001 auf Hockeyweb.de erschienene Eishockeykolumne von Björn Brehe , ist seit November 2001 Bestandteil von Hockeyarenas.com.

Nicht jedes Wort der Kolumne sollte auf die Goldwaage gelegt werden. Zwar versucht die Sportberichterstattung in Deutschland meistens zu implizieren, dass das über den Sport geschriebene Wort stocktrocken zu sein hat, aber Ausnahmen bestätigen schließlich die Regel.

Viel Spaß mit der jeden Dienstag neuen Ausnahme,

das (stets diskussionsfreudige) Hockeyarenas.com-Team

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16.01.2002
Björn Brehe, bjoern2711@aol.com

Wenn man sich zum ersten Mal ein Eishockeyspiel anschaut, könnte man unter Umständen meinen, Eishockeyspieler seien unterdurchschnittlich intelligent. Im Prinzip ist das Blödsinn, aber Jeff Christian hat dieses schnell getroffene Vorurteil beim Spiel der Pinguine in Mannheim leider untermauert.

1.Drittel: Ich weiß zwar nicht, ob die Begegnung Adler Mannheim – Krefeld Pinguine für irgendjemand die erste Eishockeypartie überhaupt war, aber das Topspiel am Sonntag hatte es zumindest wirklich in sich. Mit 7:2 wurden die Krefelder nicht nur nach Hause geschickt, weil sie die schwächere Mannschaft waren und keine guten Torhüter hatten, sondern auch wegen Jeff Christian. Nach seinem brutalen Foul trafen die Adler nicht nur im Powerplay, sie versuchten auch weitere Tore zu schießen, als das Spiel längst entschieden war und sie sich rein auf die Defensive hätten konzentrieren können. Das taten sie sicherlich auch um Christian und Krefeld zu bestrafen, doch was war eigentlich passiert ? Beim Stand von 1:1 waren die Pinguine im Puckbesitz, Christian lief mit der Scheibe in Richtung Mannheimer Verteidigungsdrittel, Rene Corbet kam auf ihn zu, um ihn zu checken und Christian rammte ihn den Schläger ins Gesicht. Dieser "Gary Suter gegen Paul Kariya" Gedächtniscrosscheck war genauso unnötig, wie dumm und gefährlich. Corbet, im übrigen bis zu diesem Zeitpunkt vielleicht der beste Stürmer in der DEL, fällt erst einmal wegen Jochbeinbruchs aus. Wie lange Christian gesperrt wird, ist unklar, aber 10 Spiele sollten es schon sein. In diesem Jahr war der Krefelder bisher eigentlich mehr wegen seiner Torgefährlichkeit als seiner Unfairness aufgefallen, aber da es böse Fouls von ihm auch in der letzten Saison gab, darf die Sperre eigentlich nicht weniger als 10 Partien betragen. So gerne ich harte Checks sehe und den ein oder anderen Faustkampf genieße: So etwas schadet dem Sport nur und sollte nicht vorkommen. Ich persönlich würde Christian jedenfalls gerne mal Rauch ins linke Ohr pusten und beobachten, wie schnell es aus dem rechten wieder herauskommt, aber was soll´s ? Für mich hat er damit den Sprung in die Riege der größten Arschlöcher des Eishockeys gemacht.

An Stelle Corbets würde ich mir auch ernsthaft überlegen, Christian anzuzeigen, aber das ist ja seine Sache. Wenn Edmund Stoiber erst einmal Reichs ääh Bundeskanzler ist, wird so etwas vielleicht Einzelhaft nach sich ziehen. Vielleicht trifft Christian ja mal irgendwo Tie Domi, mit dem er sich gut anfreunden könnte, aber zu Domi später mehr. Bevor ich´s vergesse: Gute Besserung an Rene Corbet !

Die Partie hat aber abgesehen von diesem Zwischenfall noch etwas Anderes gezeigt. Wenn die Krefelder um die Meisterschaft mitspielen wollen, darf Benjamin Voigt nicht im Tor stehen. Ob Eric Fichaud (links im Trikot der New York Islanders, für die er 75 Spiele bestritt) die gewünschte Verstärkung wird, muß man abwarten. Bis zwei Wochen nach der Olympiapause sollte man ihm sicherlich Zeit lassen. Das Talent ist zweifellos vorhanden, aber die Spielpraxis und das Selbstvertrauen fehlen ganz eindeutig.

2.Drittel: Ansonsten tut sich in der DEL momentan eine ganze Menge. Hans Zach wird neuer Trainer in Köln. Ab der nächsten Saison. Vielleicht, vielleicht auch nicht. Eventuell kehrt er auch nach Düsseldorf zurück oder geht woanders hin, was heißen will: Die Gerüchteküche brodelt. Ein Gerhard Brunner bringt sich selbst bei den Kassel Huskies ins Gespräch, weil Zach die auf jeden Fall verlassen wird. Daniel Kreutzer wechselt sehr, sehr, sehr wahrscheinlich zur DEG, es gibt Gerüchte um Greg Poss usw.

Die Adler Mannheim sind zur Zeit die beste Mannschaft in der DEL, was sie auch mit ihrem Sieg gegen Krefeld untermauerten. Das bringt mich dazu an den Spengler Cup zurückzudenken. Haben die Adler sich da wirklich absichtlich so sehr geschont, um in der DEL nicht den geringsten Nachteil zu haben ? Wenn ja, ist das vielleicht clever, aber der Auftritt von Davos hat dem deutschen Eishockey sicherlich nicht geholfen. Turku, Team Canada und Davos hatten klar bessere Mannschaften, aber mußten die Adler sich teilweise so vorführen lassen ?

Auf einer Erfolgswelle schwimmen auch die Hannover Scorpions, die sich nach großem Rückstand sogar wieder kleine Hoffnungen auf einen Playoff Platz machen können. Dennoch glaube ich nicht, daß sie es schaffen, weil die Konkurrenz von Platz 6 bis 9 schon einen großen Vorsprung hat. Früher oder später werden sich die Haie und Huskies wahrscheinlich wieder fangen und die Düsseldorfer EG und die Berliner Eisbären sind eigentlich auch nicht schlechter oder im Fall der DEG nur wenig schlechter besetzt, als die Scorpions. Die Düsseldorfer haben übrigens zum ersten Mal in dieser Saison einen Playoff Platz inne, was durchaus auch nach 60 Spieltagen der Fall sein könnte. Eine solide Verteidigung, auch wenn aggressives körperliches Spiel dort selten zu sehen ist, ein starker Andrei Trefilov im Tor und ein solider Sturm mit einem überragenden Trond Magnussen wären dann zusammen mit Trainer Komma die Hauptverantwortlichen dafür.

In Kassel ist man momentan gar nicht zufrieden. Gegen den direkten Konkurrenten um einen Playoff Platz, der DEG, verlor man auch das dritte der bisherigen Saisonspiele. Nach der 1:3 Niederlage meinte Hans Zach: "Wir müssen endlich wieder das Torschießen der Gegner verhindern." Aha, aber wenn man selbst vor eigenem Publikum nur einmal trifft ist das okay ?

Zumindest hat er angekündigt, daß "Anbrüllen" oder "Schreien" jetzt auch nicht weiterhilft. Was denn sonst ? Ich dachte immer, daß wäre sein einziges taktisches Mittel.

3.Drittel: In der NHL gab es einen sehr ereignisreichen Samstag. Mario Lemieux spielte wieder, blieb aber bei der Niederlage seiner Penguins ohne Punkt. Wenn Lemieux dieses Jahr noch etwas gewinnen will, sollte er zu den Olympischen Spielen in guter Form sein, denn mit Pittsburgh wird er wahrscheinlich nicht einmal die Playoffs erreichen.

In Toronto gab es das Traditionsduell zwischen den Maple Leafs und den Montreal Canadiens, wobei die Gastgeber zum ersten Mal im Air Canada Center dicht vor einer Niederlage standen. Nachdem sie sich immer wieder an Jose Theodore ( 38 Saves ) die Zähne ausgebissen hatten, kamen sie durch ein glückliches, wenn auch insgesamt verdientes Tor zum Ausgleich. Kurz vor Schluß hatten sie riesiges Glück, daß ein Treffer der "Habs" wegen angeblichen Schlittschuhtores nicht gegeben wurde. Sehr erwähnenswert ist dabei, daß die Partie das zweite NHL Spiel für Marcel Hossa (links) war und der junge Mann gleich auch seinen zweiten Treffer erzielen konnte.

Einen wirklich unsympathischen "Tough Guy" haben die Toronto Maple Leafs mit Tie Domi, aber es gibt auch andere, wie die ebenfalls sehr interessante Partie zwischen den Philadelphia Flyers und den New York Rangers zeigte. Donald Brashear hat nicht nur einen lustigen Bart Marke "italienischer Pornostar", es ist auch witzig mit anzusehen, wie er sich im Boxerstil tänzelnd auf eine Schlägerei einstimmt und er ist sogar ein guter Eishockeyspieler. Er kann mit dem Puck umgehen, schießt das ein oder andere Tor, aber vor allem zeigt er immer 100%igen Einsatz. Viele Leute, die meinten, die Flyers hätten den talentierteren Jan Hlavac nicht für ihn abgeben sollen, liegen einfach falsch. Dies ist einer der wenigen Trades, der beiden Teams hilft. Brashear bringt vor allem Charakter nach Philly, während Hlavac in Vancouver an den Toren beteiligt ist, die mit LeClair, Roenick, Recchi, Gagne,... genügend andere gute Spieler erzielen können. Das Spiel an sich, mit mehreren Schlägereien und einer kleinen Rangelei schon beim Aufwärmen, war sehr unterhaltsam und hatte mit den Flyers einen verdienten Sieger. Von Eric Lindros war bei seiner ersten Begegnung mit den New York Rangers in seiner alten sportlichen Heimat Philadelphia so gut wie nichts zu sehen.

Während im Topspiel des Western die Colorado Avalanche nach einem 2:0 Rückstand aus Edmonton noch einen Punkt mitnahm, gelang Brendan Shanahan ein Meilenstein. Der Ex-Düsseldorfer hat gegen die Dallas Stars mit seinem 25.Saisontor die 1000. Scorerpunkte erreicht. Respekt und Glückwunsch ! Sollte er von einer langwierigen Verletzung verschont bleiben, wird er sein 500.Tor auch noch in dieser Saison erzielen. Schlußsirene.

Absolute Spitze: Adler Mannheim, Hannover Scorpions, Düsseldorfer EG, Donald Brashear, Brendan Shanahan, Marcel Hossa.

Schlechte Witze: Jeff Christian, Jeff Christian, Jeff Christian, Kölner Haie, Kassel Huskies, Eric Lindros.

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Kolumne geschrieben von:

Björn Brehe, bjoern2711@aol.com