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Wichtig: Beginnend mit dem 04.12 erscheint 2+2+10 immer im Verlauf des Dienstags.

2+2+10, die seit der Eishockeyweltmeisterschaft 2001 auf Hockeyweb.de erschienene Eishockeykolumne von Björn Brehe , ist seit November 2001 Bestandteil von Hockeyarenas.com.

Nicht jedes Wort der Kolumne sollte auf die Goldwaage gelegt werden. Zwar versucht die Sportberichterstattung in Deutschland meistens zu implizieren, dass das über den Sport geschriebene Wort stocktrocken zu sein hat, aber Ausnahmen bestätigen schließlich die Regel.

Viel Spaß mit der jeden Dienstag neuen Ausnahme,

das (stets diskussionsfreudige) Hockeyarenas.com-Team

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04.12.2001
Björn Brehe, bjoern2711@aol.com

Sie siegen und siegen und es scheint kein Ende in Sicht. Die Krefeld Pinguine führen die Tabelle der DEL an, haben sogar schon die eigentlich etwas besseren Nürnberg Ice Tigers um einige Punkte distanziert und zeigen keine Schwäche. Wo soll das noch hinführen ?

1.Drittel: Zum deutschen Meistertitel vielleicht ? Ich glaube nicht, aber sehr ernst zu nehmen sind sie jetzt mit Sicherheit und die Fans dürften nach einer Ewigkeit, ohne belächelt zu werden: "Die Nr.1 am Rhein sind wir" singen. Doch woher kommt diese Stärke, die sie vor allem in den letzten Wochen zu so beeindruckenden Ergebnissen geführt hat ? Die Neuzugänge sind fast alle hervorragend eingeschlagen und mit Shannon wurde noch einmal kräftig nachgelegt. So weit, so gut, aber ein nicht zu unterschätzender Faktor ist mit Sicherheit auch Chris Valentine, der bei seinen bisherigen Trainerstationen zwar nicht unbedingt mit großen Erfolgen geglänzt hat, aber auch nicht vom Glück verfolgt war. In Mannheim lief es für ihn sicherlich insgesamt alles andere als gut, in Berlin hat er aber eigentlich gar nicht so schlechte Ergebnisse abgeliefert und in Düsseldorf arbeitete er unter schwierigen Bedingungen. In Krefeld hat er Führungsspieler wie Shuchuk, weitere Topstürmer wie Dionne und Purdie, die Abwehr ist hervorragend besetzt und Roger Nordström gehört auch zu den besseren Goalies der DEL. Der einzige Fehler, den man gemacht hat, war, Neil Eisenhut gehen zu lassen. Der blüht bei der DEG teilweise richtig auf und zaubert von Zeit zu Zeit sogar mit seinen Kollegen Teeple und Leahy. Am Freitag gibt es ein Wiedersehen, denn man darf sich beim Spiel bei der DEG, die seit dem Trainerwechsel zumindest nach der Punktausbeute auch zu den guten Teams gehört, beweisen. Während der KEV die Führung ausbauen möchte, muß die DEG im Kampf um einen Playoff Platz zuhause unbedingt punkten.

Ich würde mir in der DEL mehr Schlägereien wünschen, die von den Schiedsrichtern nicht sofort unterbunden werden und nur mit fünf Minuten bestraft werden. Eine ehrliche Keilerei mit zwei Akteuren, die beide die Handschuhe fallen lassen und die Fäuste erheben, ist wesentlich angenehmer und ungefährlicher als versteckte, harte Fouls und so kann man sich es als Fan auch schenken, einen Sven Ottke Kampf anzuschauen. Der hatte am Samstag zwar mal einen "richtigen" Gegner, aber ein großer Champion ist er für mich bestimmt nicht. Er sollte vielleicht etwas mehr Gewichte stemmen und mit Lenz Funk Essen gehen, damit er in einer vernünftigen Gewichtsklasse gegen wirklich starke Gegner kämpfen kann. Aber wozu der Aufwand, wenn man es woanders viel leichter hat ? Gut, daß RTL die Kämpfe nicht überträgt, denn dort hätte man ihn wahrscheinlich schon zum neuen Ali gemacht.

 

2. Drittel: Der Gipel der Lächerlichkeit war in der letzten Woche aus sportlicher Sicht aber die Auslosung zur Fußball WM. Da wird Deutschland gesetzt, kriegt denkbar schwache Gegner zugelost, die man allerdings noch stark reden muß und der Gruppensieger der Qualifikation England, wird in eine Gruppe mit drei Gegnern gesteckt, die vom Potenzial alle in die nächste Runde gehören. Glückwunsch, nicht nur im Eishockey versteht man es, sich lächerlich zu machen.

Das Spitzenspiel am Sonntag hat endlich mal wieder gezeigt, was die Mannheimer Adler so "drauf haben". In Köln waren sie die eindeutig clevere Mannschaft und siegten, wenn auch knapp, verdient mit 4:2. Ich bin überzeugt davon, daß sie spätestens zu den Playoffs wieder konstant genug spielen, um eine große Chance zu haben, den Titel zu verteidigen. Zur Verpflichtung von Rene Corbet kann man sie im übrigen auch nur beglückwünschen. Es ist schon unverständlich, warum er in der NHL nicht noch wenigstens bei einem schwächeren Team wie Atlanta oder Florida untergekommen ist. Sollten die Adler den Titel tatsächlich verteidigen, wird er einen großen Beitrag dazu leisten.

Was ist denn nur mit den Lions los ? Am Freitag gibt es sechs Stück in Schwenningen und zwei Tage später ringt man mit 2:1 n.P. immerhin die Kassel Huskies nieder. Liegt das an Pokey Rotschwanz, ääh Reddick, ist die Mannschaft wirklich schlecht und wächst sie nur manchmal über sich hinaus oder ist sie gut und zeigt es nur kaum ?

Am Sonntag gab es in der Fußballbundesliga endlich mal wieder das Derby HSV – St.Pauli. Auch wenn die Millerntorelf am Ende leider nicht mehr den 4:4 Ausgleich erzielen konnte, muß man das erwähnen. Vor allem die Fans des Aufsteigers waren imponierend. Auch nach dem frühen 2:0 des HSV waren sie noch lange Zeit öfter und lauter zu hören und da könnte sich selbst mancher Eishockeyfan ein Beispiel dran nehmen.

Eben war ich schon einmal kurz bei den Florida Panthers, aber über die muß noch Einiges gesagt werden. Denn dort hat der eiserne Mike jetzt das Ruder in den Händen. Nein, nicht der geistig minderbemittelte Gourmetohrabbeißer Mike Tyson. Mike Keenan ist neuer Trainer beim Flopteam aus Florida. Die Aufgabe ist sicher reizvoll, weil es schlechter kaum laufen kann, aber trotzdem haben sie in dieser Saison keine Chance in die Playoffs zu kommen. Für die Bures tut es mir aber wirklich leid. Wenn beide wieder richtig fit sind, ist das süße Leben in der Eishockeydiaspora vorbei. Mike wird ihnen mit Sicherheit kräftig in den Arsch treten.

 

3. Drittel: Vor allem Pavel wird oft nachgesagt, daß Defensivleistung für ihn ein Fremdwort sei, das er mehr für seine eigenen Statistiken, als für den Teamerfolg spielt und das er launisch ist. Gerade letzteres gilt auch für Keenan und deshalb kann man sich auf Neuigkeiten aus Florida freuen. Grundsätzlich wäre es sowieso besser, die beiden zu traden und dafür drei oder vier gute Spieler zu bekommen, die der Mannschaft auch charakterlich weiterhelfen. Eine Spitzenmannschaft, in der die Stimmung okay ist, kann sich einen Bure noch leisten, nicht aber einer der derzeit schlechtesten Clubs der NHL.

Die Personalpolitik der Toronto Maple Leafs ist auch nicht besonders intelligent. Lange hat man gewartet, bis Kaberle endlich einen neuen Vertrag bekam, während Mogilny, Reichel, Renberg und Green vorher verpflichtet wurden. Ich verstehe aber überhaupt nicht, warum man meint, einen Reichel holen zu müssen, wenn man einen Yanic Perreault einfach hätte behalten können. Perreault, der in Montreal in dieser Saison übrigens, soweit ich weiß, schon genauso viel Tore wie Sundin ( 13 ) in Toronto geschossen hat, ist bei den Bullies und beim Torabschluß besser als Reichel, der höchstens technisch leichte Vorteile hat. Ich bezweifele auch, daß Torontos Pat Quinn der richtige Coach für Team Canada ist. Ich kann mir nicht vorstellen, daß nach der Absage Patrick Roys für die Olympischen Spiele ein anderer Torwart als Curtis Joseph von den Leafs unter Quinn die wichtigen Partien bestreiten wird. Bei aller Wertschätzung, aber was hat Joseph bisher in seiner schon recht langen Karriere erreicht, wenn es darauf ankam ? Ich glaube zwar nicht, daß Quinn, Tie Domi (im Foto bei einer Konversation mit einem Flyers-Fan zu sehen), das schlittschuhlaufende Brechmittel der Toronto Maple Leafs, ins Team rufen wird, um den Gegnern Angst einzujagen, aber irgendwie traue ich ihm den Job nicht richtig zu.

Würde ein Larry Robinson an der Bande stehen, wäre mir wesentlich wohler. Bei den Devils läuft es auch wieder etwas besser, während die Dallas Stars sich richtig gefangen zu haben scheinen. Gute Leistungen zeigen auch die beiden neuen Linksaußen Rucinsky und Brunet, die aus Montreal kamen. Dort ist man übrigens zur Zeit Verlierer des Trades, der Audette und Van Allen in die kanadische Metropole brachte. Das liegt aber nicht an der Leistung der beiden, sondern am schwarzen Samstag der Canadiens. Während Rangers Goalie Dan Blackburn die "Habs" mit 45 Saves zur Verzweiflung brachte und ihnen zwei Punkte klaute, verletzte sich Audette, der mindestens drei bis vier Monate ausfallen wird. Für die Canadiens, die in den letzten Jahren wie kein anderes Team unter Verletzungssorgen litten, ist das ein großer Rückschlag im Kampf um einen Playoff Platz. Schlußsirene.

Absolute Spitze: Krefeld Pinguine incl. Trainer Chris Valentine, Rene Corbet, Neil Eisenhut, Craig Teeple, Dallas Stars, Yanic Perreault, Evgeni Nabokov, Dan Blackburn, Pavol Demitra.

Schlechte Witze: Frankfurt Lions, Mike Keenan, Pat Quinn, Florida Panthers, Pittsburgh Penguins, Robert Reichel.

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Kolumne geschrieben von:

Björn Brehe, bjoern2711@aol.com