An
der Wand ein Spiegel mit einer barbusigen Dame und einem Adler. Schick.
Stilvoll. Daneben, direkt mittig über dem Bett, das Poster eines Motorrades:
das Hotel du Nord von Villeneuve hat eher den funktionalen Charme einer günstigen
Fernfahrerabsteige als eines auch nur ansatzweise ansprechenden Leider
konnten wir unsere wertvollen Geldvorräte nicht gleich säckeweise in der
wesentlich einladenderen Jugendherberge von Montreux abladen – bei
Halbpensionspreisen mit Doppelzimmerunterbringung für rund 40 Euro wäre dies
ebenso wenig ein Problem gewesen wie die flinke Geldvernichtung am
Internetrechner der Jugi, die mit günstigen zwölf Franken je Stunde
dahergekommen wäre. Dummerweise hatten wir im Vorfeld Da ich allerdings die ganze Zeit direkt vor dem Tresen der Rezeption herumlungerte, hätte man es mir auch gut zwischendurch schon einmal zuflüstern können - aber ist die Bude erst einmal gerappelt voll, kann man auch die Scheine von Zuspätgekommenen gut vergrätzen. Zumindest war während unseres etwas unfreiwilligen Daueraufenthalts im Eingangsbereich der Jugendherberge ein durchaus imposantes Schlechtwettergebiet über uns hinweggezogen, so dass wir trocken, aber genervt, weiterradeln durften. Wie weit? Zu weit, zumindest am Ende eines langen und nicht immer einfachen Tages.
Sowieso war der heutige Tag ein kleiner „Downer“ im Gegensatz zu den letzten Tagen. Die ersten vierzig Kilometer bis nach Fribourg waren dicht besiedelt und nervtötend hügelig – quasi das schweizerische Äquivalent der neuseeländischen Northlands (Link) – minus die Schafe und eine Menge „schön“.
Anschließend
erreichten wir einen zwar nett dreinschauenden See, dessen Namen ich jetzt nicht
mehr von der bereits im Mülleimer ruhenden Karte rekonstruieren werde, an den
man jedoch nicht ohne deutlich übertriebene Umwege herankam. Doof. Die
eigentlich laut Karte sehr schöne Streckenführung von Broc über Chateau d´Oex
wandelten wir auch ab in einen Abstecher an den Genfer See und nach Montreux,
was uns für morgen 450 Höhenmeter und einen Col du Irgendetwas ersparen dürfte,
die Strecke aber auch nicht unbedingt sehenswerter gestaltete und uns Hoffnung
auf eine Jugendherberge gab, aber das Thema hatte ich ja schon. Viel gehabt hätten
wir von der netteren Strecke jedoch auch heute nicht, denn nach Tagen des
Superwetters war es vom frühen Nachmittag an doch arg bedeckt, so dass die
effizienzmotivierte Abkürzungsentscheidung zweifelsohne krass korrekt war –
auch ohne Jugi. Wenn
schon der Tag insgesamt eher durchwachsen war, wundert es schmerzte.
Auch Frank berichtete heute Abend etwas von dann doch eher diffusen
Knieproblemen – die landschaftlich schöneren Höhenmeter hätte vom
Starterfeld definitiv niemand gebrauchen können und ich hoffe einfach, dass der
morgige, unglaubliche Anstieg (2000 Höhenmeter zum Col du St. Bernard)
irgendwie geht. Oder rollt. Egal. Hauptsache da. Wenngleich auch lecker aber trotzdem arg unbefriedigend war dann auch das Abendmahl im Hotelrestaurant – einer Pizzeria. Während am Nachbartisch ein wohl eher wohlhabender Pädophiler seine dann doch zumindest jung
ausschauende Freundin zum Fondue ausführte (für zwei schon ab 65 Franken, aufwärts kaum Grenzen), übte ich mich im strickten Konsumverzicht und krümelte anschließend gnadenlos das Bett mit Brotkrümeln und Marmeladenspuren voll. Frank hingegen orderte zuvor eine günstige Pizza für lediglich 16 Franken, die dann auch auf einem wirklich schicken, großen Teller herangeflogen kam. Etwas verdutzt zog Frank kurz in Erwägung, sich nach der Pizzas großen Bruder zu erkundigen, entschied sich dann aber
doch dazu, gute Miene zum bösen Spiel zu machen und seine drei Happen in sich
hineinzuschlingen. Gewiss, die Schweiz ist kein günstiges Land, aber selbst mit
meiner überwiegenden Supermarkternährung kommt man am Tag kaum mit vierzig
Euro über die Runden. Andererseits kann Mehl auch nicht so teuer sein, dass der
Preis der Pizza auch nur ansatzweise gerechtfertig gewesen wäre. Was kosteten
unsere fünf Tage Rumänien damals? All inclusive? 1-2 gnadenlose Fressorgien
mit McDoofs Semi-Westpreisen inklusive? Kontinuierlichem „Scheiß auf den
Supermarkt?“ 70 Euro? 80? Was machen wir hier? Hallo???? Was
vom Tag bleibt ist auch noch das Einfühlungsvermögen in einen Boxer, der
gerade ordentlich aufs Maul
bekommen
hat, stach mir doch heuer irgendein fliegendes Stechtier dicht unter das linke,
nun leicht zugeschwollene Auge. Volltreffer. Zum Glück mutierte das Ganze nicht
zur arg störenden Sichtbehinderung, aber versuche ich momentan nach unten zu
gucken, erglupsche ich relativ wenig. Hauptsache, ich fange nicht an so zu
schreiben, wie Schulz oder Rocchigiani sprechen… Ey
gute Nacht.
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