Stage 17
Chur - Lindau
 111,05 Kilometer; 04:09:48 Stunden

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Tagebuch während der Tour geführt von: Frank Schumacher (schumi14@web.de

Letzter Eintrag der Tour 2006 im IC 118 von Lindau nach Köln. Der gestrige Tag war fahrradtechnisch im besten Sinne ereignislos: Wie von den „Eingeborenen“ angekündigt ging kein Lüftchen, als ich gegen neun Uhr von Chur aus abfuhr. Recht bald stieß ich eher zufällig auf den Radweg am Rheindamm, wo man es ohne Ampeln und motorisierten Verkehr bis Bregenz richtig schön laufen lassen kann. Auch wenn es nicht mehr so spektakulär wie in den Zentralalpen aussieht, lohnt sich auch dieses Stück ohne Wenn und Aber.

Auch wenn ich immer wieder gerne verreise, freue ich mich doch, als ich in Bregenz das erste Hinweisschild in Richtung „Deutschland“ entdecke. Gut, an der Grenze hängt neben dem Bundesadler gleich auch das unvermeidliche Blau-Weiß des tollen Freistaates, was natürlich jetzt nicht gerade Hochgefühle aufkommen lässt. Aber man kann halt nicht alles haben.

Richtig lustig und als würdiger Abschluss einer teilweise chaotischen Tour verläuft die Zimmersuche in Lindau. Ich steuere gleich mal dasselbe Hotel an, in dem Michi Quirl und ich vor drei Jahren übernachtet hatten. Zeitgleich mit einer mir zu diesem Zeitpunkt völlig unbekannten Frau frage ich nach einem Einzelzimmer (sie auch) und erfahre, dass keins mehr frei sei. Nur noch ein Doppelzimmer ist zu haben. Ohne viel Federlesens entschließen wir uns spontan, das Zimmer zu teilen, zumal es auch über zwei separate Betten verfügt. So lerne ich Sabine kennen! 41 Jahre alt, von Beruf Krankenschwester und daher an den Anblick von spärlich bekleideten Männern mehr als gewöhnt. Bei mir stellt die Wahl der Zimmergenossen (und –genossinnen) spätestens seit unserem 40-Personen-Bunker in Interlaken auch kein wirkliches Problem mehr dar. Bettenwahl, Weckzeit und Zähne putzen ist alles eins, für eine Nacht bilden wir eine gut funktionierende Mini-WG. Sie hat zudem einen kleinen Ventilator dabei, der die ganze Nacht über die stickige Luft im Zimmer durchquirlt. Abends vor dem Einschlafen kommt es dann noch zu einem netten Gespräch über Urlaube, Beziehungen, Gott und des ganzen Rest der Welt.

Nach dem Einzug hält mich allerdings erst mal nichts mehr in der Bude, mit der Badehose ins Gepäck geht es erst mal zum See! Auf der bekannten Gratis-Liegewiese komme ich erneut unter (wie vor drei Jahren), mit Blick auf den Bodensee und die Schweizer Seite lasse ich es mir gut gehen. Der Abschluss der Tour wird später noch im örtlichen McD gebührend gefeiert (logisch, hier kostet der Cheeseburger schließlich endlich wieder nur einen Euro und nicht etwa 3,50 Franken!). Anschließend noch zwei lecker Hefeweizen in einem der zahlreichen Biergärten, eine kurze Stadtwanderung zur Mole und zurück, nach den Erfahrungen vom letzten Mail aber keine Hafenrundfahrt mehr!!!

Jetzt gemütlich im Zug sitzend und noch gut drei Stunden von der Heimat entfernt könnte man sich natürlich wie immer die Frage stellen: „Noch mal so eine Tour?“ Wie immer sollte die obligatorische Antwort lauten: „Nie wieder!“, aber wer weiß schon, wie das in ein paar Wochen aussieht? Erstmal muss natürlich das Eisbären-Knie wieder fit werden!

Die TdF wäre irgendwann noch einmal eine Reise wert, fraglich alleine, wie lange sich das Spektakel angesichts der Doping-Exzesse noch tragen wird? Bei den Fans vor Ort war wenig Negatives zu spüren, allerdings läuft der gesamte Sport wohl Gefahr, von der Öffentlichkeit nur noch als sportiv angehauchtes Versuchsmodell der Pharmaindustrie wahrgenommen zu werden.

Eins dürfte für die Zukunft allerdings fest stehen: Eine so herausfordernde Tour wird es wohl so schnell nicht mehr geben, die Zahl der Höhenmeter sollte wohl in aller Interesse auf ein erträglicheres Maß reduziert werden. 14.000hm in zwei Wochen sollten es wohl auch tun, oder?