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Stage 14 |
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| Göschenen-
Oberwald |
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123,55 Kilometer;
5:31:51 Stunden |

Tagebuch während der
Tour geführt von: Frank Schumacher (schumi14@web.de)
Da
sitzt man hier in Oberwald im „Sporthotel“, hat sich gerade das fulminante
letzte Einzelzeitfahren der TDF angesehen, und nun lässt RTL die Promis los:
Ein Haufen abgemeldeter Knallchargen (angeblich alles Schauspieler, Sänger und
Moderatoren, viele davon aufgrund mangelnder TV-Präsenz in den letzten Jahren
sicherlich schon als Langzeitarbeitslose einzustufen) fahren angeblich die TDF
nach. Dass nur 230km über eine Woche verteilt absolviert werden, erfährt man
erst ein paar knallige Sätze später. Von Qualen ist das die Rede, von der härtesten
Woche ihres Lebens…blablabla! Mal eben für die Kamera fünf Kilometer Alpe
d’Huez hoch, (natürlich ohne Gepäck), wo soll da das das Problem sein? Eine
der Figuren meint tatsächlich, sie habe hierfür wochenlang trainiert…bei dem
traurigen Resultat (roter Kopf bereits nach der ersten Kehre, mehrfaches
Anhalten etc.) muss das Training wohl schwerpunktmäßig aus Chipsfressen auf
der Couch bestanden haben…die Frage, ob auch nur einer von denen den Berg per
Velo erklimmen würde, wenn keine Kameras dabei wären, stellen wir besser gar
nicht erst. Traurig nur, dass man den vielen begeisterten Hobbyradfahrern (u.a.
auch 80jährign Opas oder Typen im Vollkörper-Kaänguruhkostüm) keine
Sendezeit gönnt, sondern stattdessen das verdummte Publikum lieber mit der
ersten greifbaren D-Prominenz belästigen muss.
Tja, was schreibe ich eigentlich über so was?
Vielleicht einfach, weil sonst heute im besten Sinne nichts Aufregendes passiert
ist. Das erbärmliche Frühstück
im Hotel „Gotthard“ war schnell verputzt, danach ging
es erst in Richtung Andermatt sechs Kilometer ziemlich steil
durch die Schöllenenschlucht. Die wäre mit weniger Verkehr sicherlich optisch
noch reizvoller gewesen, leider haben aber die Käseköppe aus Holland gerade
Ferien bekommen, und so prangt auf jedem zweiten der zahlreich zu bewundernden
Nummernschilder ein NL-Symbol. Warum die nicht alle durch den Tunnel fahren ist
mir schleierhaft,
vielleicht ist gerade mal wieder Stau (oder immer noch), oder
der Tunnel ist zu, was weiß ich. Zusätzlich nerven etwa 500 Motorrad-Spacken
mit überwiegend italienischem Kennzeichen, die den Samstag nutzen um unter
Missachtung sämtlicher Geschwindigkeitsbegrenzungen durch die Berge zu brezeln.
Schöllenenschlucht am Wochenende – kein wahres Vergnügen.
Aber alles halb so wild, hinter Andermatt beginnt
ein schönes Hochtal, der Verkehr biegt bald rechts zum Gotthard-Pass ab, und
die schnurgerade Anfahrt zum Furkapass hat man weitgehend für sich. Der erst
Teil über ein gutes Dutzend Serpentinen (alle auch vom Tal her einsehbar) macht
richtig Laune, unterwegs treffe ich noch einen Italiener, mit dem lustig
geschnackt wird. Er legt mir auch noch den St. Bernhardino ans Herz, mal
schauen, der steht ja für übermorgen auf dem Plan. Das allgemeine Dopingleiden
im Radsport wird ausgiebig beklagt, er ist ein Basso-Fan, somit also genauso von
der diesjährigen Sperrenserie bei der TDF betroffen.
Auf halber Höhe wird gerastet, in der letzten
Kehre kann man schön auf das bereits geschaffte Stück zurückblicken. Die
zweite Hälfte der 900hm verläuft leider nicht so lustig, der Anstieg zieht
sich relativ gerade und dementsprechend ewig an der rechten Talseite entlang,
zudem herrscht Gegenwind. Mein Gefühl, eigentlich gar nicht vom Fleck zu
kommen, bekämpfe ich mit sturem Blick auf Straße und Tacho. Der Anstieg wird
scheinbar immer länger, doch plötzlich kommen auf dem letzten Kilometer wieder
einige Kehren ins
Spiel, und zack – bin ich oben!
Die Passhöhe ist mal wieder schweizerisch
unattraktiv, besteht fast nur aus Geröll und bietet kaum Aussichten. Erst auf
der Abfahrt schlägt das Radlerherz wieder höher, mit Blick auf Gletsch und den
gegenüberliegenden Grimselpass schießt man Kehre um Kehr hinunter, bald kommt
auch rechterhand der (schon arg geschrumpfte) Rhonegletscher ins Bild. Angeblich
soll dieser zu Goethes Zeiten noch bis zum Fuß des Tals gereicht haben, was man
bei der mittlerweile klaffenden Lücke von zwei bis drei Kilometern kaum glauben
kann. Die weiter Abfahrt ist und im Schlussteil mit 3-4% Gefälle auch nicht zu
steil.
In Gletsch angekommen, erst mal die Farce des
Tages: Die Angestellten des „Hotel du Glacier“ tragen ihre Nasen offenbar so
hoch, dass sie damit beim Durchschreiten der Türen oben am Rahmen hängen
bleiben. Wie sonst ist es zu erklären, dass ich (und noch einige andere
Zimmersuchende) ca. zehn Minuten vor der Rezeption warten, ohne dass jemand
auftaucht. Auch nachhaltiges Gebimmel ändert nichts an der totalen Abwesenheit
jeglichen Personals. Ich mache mich nun selbst auf die Suche nach Personal und
stoße auf die Küche, wo mir erstmal ein dicker, blond gefärbter Schweizer
erklären will, dass dies hier die Küche sei. Ich mache ihm ruhig und deutlich
sprechend klar, dass ich als aufrechte gehender homo sapiens in den besten
Jahren durchaus selbst in der Lage bin, anhand von Töpfen, Pfannen und Backöfen
eine Küche zu identifizieren. Das Gespräch verläuft ungefähr wie folgt (Gedächtnisprotokoll):
“Guten Tag, ich suche ein Zimmer, bitte.“
(Undeutliches Gemurmel)
„Wie bitte?“
„Das chier ist die Chüche!“
„Ich sehe, dass das die Küche
ist, aber an der Rezeption ist niemand.“
(mehr Gemurmel, mit viel Fantasie hört man so etwas wie „zehn Minuten“
heraus).
„Tja,
toll, dann auf Wiedersehen.“
Ob dann nach zehn Minuten tatsächlich jemand an
der Reze aufgetaucht ist, werden wir nie erfahren. Ich war zu diesem Zeitpunkt
bereits 150 Höhenmeter weiter in Richtung Grimselpass unterwegs. Sollten tatsächlich
noch dienstbare Geister erscheinen sein, werden sie werden sie sicherlich das
ausgelutschte Gelpack vorgefunden haben, das ich als Ausdruck meiner Wertschätzung
des angebotenen Services auf dem Schreibtisch der Rezeption hinterlassen
habe.
Den Grimselpass von Gletsch aus „mitzunehmen“
erschien mir nur logisch, da es sich „nur“ um 450hm auf etwa sechs
Kilometern handelt. Die Aussicht von unterwegs lohnte auch definitiv, leider
blies der Wind nunmehr kräftig talaufwärts, wodurch die sich mehrfach um 180
Grad wendende Straße sich jeweils im Wechsel die Prädikate „superleicht“
und „megaschwer“ verdiente. Glücklicherweise traf ich ca. 100hm unterhalb
des Passes noch auf eine Schweizer Rennradlerin, mit der ich dann abwechselnd
Windschatten fahren konnte. Ich bekam angesichts meiner schweren Zuladung ein
nettes Kompliment für die erreichte Geschwindigkeit (lag so bei 9,5 km/h), am
Pass trennten sich die Wege dann aber wieder, da ich mich praktisch
sofort nach
dem obligatorischen „Beweisfoto“ wieder in die Abfahrt stürzte.
Mittlerweile waren auch wieder meine guten alten Bekannten Blitz & Donner in
Gestalt dunkler Wolken im Anmarsch, und die ersten Tropfen fielen schon.
Also kehrt marsch und wieder runter nach Gletsch!
Das großkotzige Hotel bleibt links liegen, die Abfahrt geht weiter in Richtung
Oberwald, wo ich noch ein sehr schönes Einzelzimmer im Sporthotel ergattere.
Der Nachmittag wird ausgefüllt mit TdF und Nahrungsmittelaufnahme (super: der
Supermarkt gegenüber sichert ein üppiges und für Schweizer Verhältnisse
preiswertes Mampfen).
Was die weitere Planung angeht sieht es immer mehr
danach aus, dass ich wohl nicht mehr sieben zusätzliche Tage alleine durch die
Gegend strampeln werde. Nach fast 22.000 Höhenmetern und 2 ½ Wochen auf der
Straße ist auch bei mir der Akku langsam leer. Mit Bernt gemeinsam noch gemütlich
nach St. Moritz inklusive noch einiger Tage am Badessee wären okay gewesen,
aber momentan habe ich ehrlich gesagt einfach keine Lust, noch eine weitere
Woche ziellos durch die Gegend zu kreuzen. Nufenen und St. Bernhardino sollen
noch fallen, aber danach stehen die Zeichen auf Rückmarsch.