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Stage 13 |
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| Interlaken
- Göschenen |
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86,38 Kilometer; 04:24:29
Stunden |
Tagebuch während der
Tour geführt von: Frank Schumacher (schumi14@web.de)
Tja,
was soll man zu so einem Tag schreiben? Aus Rücksicht auf Bernt sollte ich wohl
berichten, dass alles mega-schlecht war, es den ganzen Tag geregnet hat, ich den
Pass nicht raufkam und zu guter Letzt auch noch die Kette gerissen ist. Da dies
alles aber kaum zu einem Tag passen würde, an dem ich insgesamt über 30
Fotos
verschossen habe (und Bernt mag momentan halblahm sein, halbblind ist er mit
Sicherheit nicht(, sage ich einfach mal lieber die Wahrheit: Der Sustenpass ist
mit das Schönste, was mir bisher untergekommen ist
Wenn
ich jetzt sage, dass ich Bernt schon ca. drei Stunden nach seiner Abfahrt extrem
vermisst habe (und das obwohl wir uns die vergangenen Tage auch ab und zu kräftig
auf den Wecker gegangen sind), klingt das im günstigsten Fall reichlich
weinerlich und im schlimmsten Fall extrem schwul. Als sage ich es mal so: Er hätte
es nach den vergangenen zwei harten Wochen einfach verdient, sich diesen „Pass
für Genießer“ zu erstrampeln. Ich hoffe für ihn, dass sich diese Möglichkeit
für ihn noch einmal zu einem späteren Zeitpunkt bieten wird.
Nach
dem Abschied am Interlakener Ostbahnhof ging es für mich erstmal knapp 40
Kilometer mehr oder weniger flach nach Innnertkirchen, von wo aus knapp 1.600hm
verteilt auf 30 Kilometern auf mich warteten. Der Pass war am Anfang schon sehr
steil, blieb aber überwiegend im Wald und riss mich nicht wirklich vom Hocker.
Bis zur Halbzeit in Gadmen (1.205m), wo ich meine Mittagspause einlegte, blieb
dies auch so.
Hier passierte auch gleich die humoristische
Einlage des Tages, als ich 500 Meter vor Gadmen am linken Straßenrand einen ca.
50jährigen Mann mit Strohhut und Trikot vorfand, der ein mindesten ebenso altes
Holland-Rad neben sich herschob. Wie sich herausstellte, ein Velo-Torist (hier
sagt kein Mensch „Fahrrad“)
mit plattem Hinterrad! Mein Angebot, ihm bei der
Reparatur in Gadmen behilflich zu sein, nahm er dankend an.
Nach
der ca. 60 Minuten andauernden Prozedur fuhr ich weiter in Richtung Pass in der
sicheren Gewissheit, einen weit entfernten und doch extrem nahen Verwandten der
Familie Pölling-Vocke aufgespürt zu haben. Nicht nur hatte der Kollege weder
Flick- noch Werkzeug dabei, nein, auch seine Pumpe
(immerhin vorhanden) passte
nicht zu seinen Ventilen. Nach
eigener Aussage „seit Jahren ohne Panne unterwegs“, habe er gerade gestern
einen Plattfuß erlitten, und da er dies nicht selbst beheben konnte, führte
der Weg ins nächste Innertkirchener Fahrradgeschäft. „Zu extrem überhöhten
Preisen“ bekam er dort nicht nur eine Reparatur, sondern auch gleich einen
neuen Schlauch inklusive Mantel verpasst (aber kein Flickzeug gekauft!). Das
traurige Ergebnis der Aktion: derselbe Reifen ist einen Tag später wieder
luftleer.
Meine selbstlose Hilfe (die ich eigentlich nur auf
das Bereitstellen von Flickzeug beschränken wollte) weitete sich dann zu einer
Komplettmontage aus, da der Besitzer des Vehikels nach eigener Aussage „keine
Ahnung von so was“ hatte, er lasse „so was immer machen“. Weitere beängstigende
Parallelen zu einem nicht ganz unbekannten blonden Wesen aus der Gegend Osnabrück/Oldenburg
taten sich auf (falls hier Nachforschungen im Familienstammbaum angestellt
werden sollte: Der Pappkamerad hörte auf den in Helvetien wahrscheinlich gängigen
Nachnamen „Schweizer“!).
Nach getaner Arbeit ließ der Kollege für mich
immerhin noch ein Getränk im Wert von drei Franken springen, was wohl in der
Schweiz auf Ewigkeit ein Negativrekord für eine professionell ausgeführte
Radreparatur bleiben wird. Den Rest der Pause verbrachten wir dann gemütlich
schwafelnd mit der Kioskfrau, die aus dem ehemaligen Jugoslawien in die Schweiz
gekommen war.
Mit
der guten Tat im Rücken hoffte ich auf ein entsprechend würdiges Finish für
die letzten 15 Kilometer, und die noch knapp tausend verbleibenden Höhenmeter
des Tages. Und es wurde schön! Gleich zwei Kilometer hinter Gadmen hob die Straße
in Serpentinen an, direkt in eine Steilwand hinein, die Strecke erlaubte tolle
Rückblicke
ins Tal. Auf der rechten Straßenseite gibt es im weiteren Verlauf einen
rauschenden Wildbach zu sehen, der sich durch das Felsgestein windet, als Krönung
kommt dann noch eine wahre Wasserfallwand (ich zählte sechs oder sieben Stück)
auf der gegenüberliegenden Talseite hinzu. Nach dem Ausflug nach Neuseeland fühlte
ich mich erneut, als würde ich durch eine Filmkulisse für „Herr der Ringe“
radeln. Nicht genug, verlaufen die restlichen fünf Kilometer der Strecke in großzügigen
Schleifen unmittelbar an der Felswand entlang, unterbrochen von einigen Tunneln,
aber oft mit einem grandiosen Ausblick auf den Steingletscher und diverse
3.000er auf der anderen Seite. Jeder Pass hat natürlich seine guten und wenigen
schönen Seiten, aber dieser hier steh ganz klar in einer Reihen mit dem Albula
und dem Iseran!
Die Passhöhe selbst ist relative unspektakulär,
nach hinten versperren einige niedrige Felskämme den Blick,
vorne gähnt nur
der Eingang des Scheiteltunnelns. Ich verabschiede mich schnell, zumal auch
wieder einige dunkle Wolken am Himmel auftauchen – in warmer Wolle geht es auf
die andere Seite (durch den Tunnel, der eigentlich Pass liegt weiter oben auf
dem Kamm und ist nur zu Fuß zu erreichen). Auf der anderen Seite wartet eine
schöne Abfahrt mit wenigen Kurven und schönen langen Geradeausläufen. Was als
Auffahrt vielleicht nicht so spannend wie die Westrampe wäre, gewinnt als
Abfahrt natürlich und bringt Spaß und Höchstgeschwindigkeiten. Unten
angekommen kann man dann noch einen Blick auf die heillos vollgestopfte
Gotthard-Autobahn werfen und den genervten Gesichtern in den Blechkisten ein
freundliches Grinsen zuwerfen, während man sie auf der Landstraße überholt.
Nun sitze ich hier in einem der drei einfachen,
dennoch nicht so billigen Hotels in Göschenen, draußen pladdert (Bild
rechts) mal wieder ein
kapitales Gewitter vom Himmel. Ich nutze die Zeit nach einem umfangreichen
Abendessen (Riesensalat, Joghurt und Eisbombe aus dem Supermarkt) für zwei
Telefonate mit meinen Eltern und Natascha. Das motiviert mich auch wieder
dergestalt, dass ich zumindest fest entschlossen bin, mich nach Bellinzona
durchzuschlagen – ob von da aus noch Mailand erreicht wird oder nicht weiß
der Geier, man wird sehen…