Stage 12
Interlaken - Interlaken (via Große Scheidegg)
 81,53 Kilometer;  04:02:36 Stunden

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Tagebuch während der Tour geführt von: Bernt Pölling-Vocke ( bernty@gmx.com

Sie sollten nicht reichen - jene eineinhalb Tage geplante Pause, auf die im letzten Eintrag hoffnungsvoll verwiesen wurde. Selbst wenn es zweieinhalb wurden. Kurz gefasst erholte sich das rechte Knie überhaupt nicht mehr von den Anstrengungen der letzten knapp zwei Wochen. Ganz im Gegenteil: eigentlich ging es steil bergab. 

Schweren Herzens musste ich resigniert das Handtuch schmeißen - den Entschluss zum "Aufgeben" verschob ich jedoch immer wieder. Bereits beim "Transfer" durch Franks Eltern von Alpe d`Huez nach Interlaken hätte ich einfach beschließen können, im gen Köln rollenden Wohnmobil sitzen zu bleiben. Ehrlich mit mir selbst wäre es gewesen, humpelte ich doch teilweise schon arg besorgniserregend. Irgendwie glaubte ich jedoch trotzdem noch daran, nach einem Tag Pause eventuell doch wieder etwas besser voran zu kommen und mit Frank einen "von-jetzt-an-locker-Pakt" schließen zu können. Das hätte man vielleicht noch auf die Reihe gekriegt - aber als dann am Ruhetag in Interlaken das Knie auch beim Schwimmen im See schmerzte, war schnell klar, dass es für mich keine Fortsetzung der Tour mehr geben würde. Schade - aber unabänderlich. 

Frank war natürlich wenig begeistert von meiner Entscheidung, nun doch mit dem Zug nach Hause zu fahren und ihn alleine zurück zu lassen - aber ganz realistisch betrachtet gab es einfach keine Alternative. Wirklich überrascht wirkte er auch nicht. Wir hatten zwar noch beschlossen, einen weiteren Ruhetag in Interlaken einzulegen - eben jenen Tag, den Frank für die wohl recht nette Interlaken-Interlaken-Tour dieser Seite nutzte - jedoch ging auch einen Tag später einfach verflucht wenig. Ich versuchte es zwar in der Früh noch einmal, mit dem Rad ein paar Kilometer zu rollen und ins Knie zu fühlen, aber was ich dabei herausfand, bestärkte mich höchstens in meiner Entscheidung, dass Rad dann doch in die Ecke zu pfeffern. Oder ins Zugabteil. 

Das große Vorhaben der Alpenüberquerung fand somit für mich ein jähes Ende kurz nach geplanter Tourhalbzeit. Würde Frank es jedoch noch über die Alpen schaffen? Würde er den Flieger in Mailand schaffen? Das Tagebuch - fortgesetzt von seiner Wenigkeit - wird von  nun an Aufschluss darüber geben. Viel Spaß!

Tagebuch während der Tour geführt von: Frank Schumacher (schumi14@web.de

Tja, der Chronist ist tot (oder zumindest schwer angeschlagen abgereist), daher muss ich das jetzt wohl oder über übernehmen mit der Tagebuchschreiberei. Ich sitze jetzt 23 Kilometer hinter Interlaken am Regionalbahnhof von Brienzweiler, es ist10:20 Uhr, somit dürfte der Eisbär mittlerweile schon auf dem Weg nach Hause sein. Im Moment stellt sich auch noch keine rechte Freude auf die noch weitgehend vor mir liegende Etappe ein, obwohl mit dem Sustenpass erneut einer der landschaftlich schönsten Übergänge in der Zentralschweiz in Angriff genommen wird. Lieder nur noch alleine, wie schon erwähnt, wobei die Hoffnung bleibt, dass es sich nur um eine Überreizung des Knies handelt, die keinen bleibenden Schaden hinterlassen wird. Hierfür kann ich Bernt nur feste die Daumen drücken, und hoffen, dass wir im nächsten Jahr beide wieder gemeinsam touren können.


Ein schwacher Trost bleibt, dass die Tour bis hierhin landschaftlich und sportlich der absolute Knaller war und wir uns zumindest freuen sollten, es in so wenig Zeit so weit geschafft zu haben.

Kurz zum gestrigen Tag: Die Fahrt von Interlaken über Grindelwad zur Großen Scheidegg gehört meiner bescheidenen Meinung nach zu einer der tollsten und erholsamsten Passagen, die man mit dem Rennrad hier bewältige kann. Bis

Für Autos verboten: die idyllische Poststraße. 

 Grindelwald  ist noch alles sehr 08/15, sowohl was den Steigungsgrad als auch die Schönheit der Strecke angeht. In Grindelwald selbst gibt es aber dann einen imposanten Ausblick auf den Eiger zu bewundern, wer Geld zuviel hat kann auch für 45 Franken von hier aus mit der ZRB zur Kleinen Scheidegg fahren, wer zufällig gerade im Lotto gewonnen oder Paris Hilton als aktuellen Freundin besitzt kann auch gleich zum Jungfraujoch durchstarten, für schlappe 145

 Franken (aus dem Tal heraus muss das ja noch teurer sein, Hilfe!)

Einfaches Volk wie ich wendet sich hingegen der Großen Scheidegg zu, der Anstieg beginnt gleich hinter dem Ort und ist gleich mehrfach bemerkenswert: Erstmal werden hier auf 10 Kilometern Strecke gleich 928hm überwunden, was von der Durchschnittsteigung Alpe d’Huez durchaus das Wasser reichen kann. Zweitens hat man zu seiner Rechten ständig eine beeindruckendes Panorama von bis zu 4.000m hohen Steilhängen vor der Nase, und drittens ist die Straße ab Grindelwald für den motorisierten Verkehr gesperrt, den Kampf mit den Steigungsprozenten dürfen nur Wanderer, Radfahrer und ab und zu ein Postbus aufnehmen.

Erhält die Auffahrt schon vier Sterne, wird das Ganze erst durch die rassige Abfahrt nach Meiringen zum Erlebnis der Luxusklasse, hier muss man durch eine klammartige Schlucht hindurch, mit einer tollen Aussicht zu beiden Seiten der Strecke. Auch hier gilt bis zum ersten Ausflugsrestaurant auf halber Strecke absolute Verkehrslosigkeit.

Die Strecke am Brienzer See entlang zurück nach Interlaken  absolviere ich locker mit 32 km/h Durchschnitt, kein Wunder, schließlich bleibt der Rucksack heute zu Hause! ( Bzw. in unserem Balmers-Dreckstall-Amis-Asiaten-Ripoff-Hostel). Dort überrascht mich Bernt dann mit der Nachricht, dass  er endgültig nicht mehr weiterkann und morgen mit der Bahn abreisen möchte. Obwohl ich traurig bin, verstehe ich seinen Entschluss vollkommen; einfach jeden Tag in irgendeinem Kaff auf Besserung warten, während der andere seine Solofahrten absolviert, macht auf Dauer für uns beide keinen Sinn, außerdem wartet zu Hause schon die Kernspin-Tomo auf das kaputte Knie.


So bin ich also wieder mal alleine unterwegs, mit gemischten Gefühlen und unklaren Plänen: Die Zentralpässe werde ich mir auf jeden Fall noch geben; ob ich danach noch Lust auf St. Moritz und die Weiterfahrt nach Mailand habe wird man sehen. Im Moment stehen die Zeichen wohl eher auf vorzeitige Heimfahrt, z. B. sich innerhalb von ein paar Tagen zum Bodensee durchzuschlagen und von dort aus mit der Bahn nach Hause zu fahren. Man wird sehen!