| Stage 9
Fort William - Glenfinnan 23,93 Kilometer; 01:34:20 Stunden |
Tagebuch während der Tour geführt von: Bernt Pölling-Vocke ( bernty@gmx.com )
Glennfinnan anstatt des geplanten Mallaigs? Aber
trotzdem im Moment in Mallaig im Independent Youth Hostel? Wie
das?
Ja, so kam es, aber erst nachdem es ganz dicke kam. Von
oben. Aber ganz von vorne. Frühstück um neun. Sausage schmeckt mehlig-wässrig-weich,
ich schwinge mich um zehn auf mein sattelloses Rad und fahre im noch trockenen,
aber stark bewölkten Wetter los nach Fort William, um meinen Sattel reparieren
zu lassen.
Trocken?
Nicht lange, denn als ich die etwa 5 Meilen nach Fort William absolviert, goss es in Strömen. Den über der Stadt ragenden Ben Nevis konnten wir wieder nicht sehen; ein anderer Gast unseres B&B war schon vier Mal in Fort William und hat ihn angeblich immer
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| Der Hogwarts Express, ich und mein Harry Potter vor der Abfahrt im B&B. |
noch nicht gesehen.
Im Radladen hatte man dann auch freundlicherweise gleich
zwei passende Sattelstangen für mich parat; die eine ungefedert und teuer (26
Pfund), die andere wie meine vorherige mit Federung und pervers teuer (52
Pfund). Total entnervt entschied ich mich für die pervers teure Variante, da
die nur teure Variante mit dem Kauf einer gefederten Stange daheim sicherlich
noch teurer geworden wäre.
Nach einiger Zeit im einzigen, und dieses Monopol gut
ausnutzenden Radladens Fort Williams, raste ich wieder durch den pladdernden
Regen zurück zum B&B, hatte mir doch unsere Hostmama gesagt, dass sie um
halb zwölf aus dem Haus müsste. Und Imke alleine im Regen stehen lassen wollte
ich dann ja auch nicht…
Zum Glück bekam auch ich noch Gelegenheit, mich wieder
im Haus aufzuwärmen, da unsere Gastgeberin sich entschieden hatte, erst eine
Stunde später zu fahren. Vom angeblich sonnig-regnerischen Himmel
(Wetterbericht) war aber auch nach dieser Stunde nichts zu sehen, die Welt ging
geradezu unter. „By
afternoon you will have the worst behind you“, hatte unsere Gastgeberin
gesagt.
Imke schlug vor mit dem Zug zu fahren, eine Idee, der ich natürlich (wenig rational) kaum etwas abgewinnen konnte. Wir einigten uns darauf, erst einmal bis in das rund 20 Kilometer entfernte Glenfinnan zu fahren und ich hoffe einfach, dass es etwas weiter in Richtung Küste und vom Bergmassiv des Ben Nevis entfernt besser sein würde.
Wurde es aber nicht.
Langsam quälten wir uns durch den Regen und den Wind
voran, machten viele entnervte Zwischenstopps und kamen schon
beinahe fröstelnd
an der größten Touristenattraktion Glenfinnans an, einer Eisenbahnbrücke vor
einem Tunnel, die auch bei den Dreharbeiten zu Harry Potter 2 für die Szene mit
dem fliegenden Auto benutzt wurde (Harry und Ron reisen in einem fliegenden Auto
nach Hogwarts, werden vor dem Tunnel im Tiefflug fast vom Hogwarts Express
gerammt).
Genauso wie der Hogwarts Express verkehrt auch heute
noch einmal täglich ein historischer Dampfzug zwischen Fort William und Mallaig,
was aber mit 14 Pfund ein doppelt so teures Vergnügen ist wie die
Fahrt mit
einem regulären Zug. Überraschenderweise ist der Hogwarts Express allerdings
immer weit im Voraus ausgebucht und die normale Bahn nur sporadisch genutzt.
Eben diese normale Bahn nahmen wir nach etwa zweistündiger
Wartezeit in Glenfinnan um nach Mallaig zu gelangen, wo wir unser Bett
reserviert hatten. Zuvor war ich anfangs immer noch etwas irrationalerweise
wenig begeistert, musste aber eingestehen, dass es auf dem Rad heute alles
andere als ein reiner Spaß war, die Kilometer dahinkrochen und es obendrein
auch noch schweinekalt war (ca. 13 Grad). Außerdem waren Imkes Klamotten auch
unter der Regenkleidung ordentlich feucht, was sicherlich längerfristig noch zu
einer fiesen Erkältung geführt hätte. Es bleibt wirklich nur zu hoffen, dass
das mittlerweile konstante Regenwetter von einem grau in grau gehaltenem Himmel
bald aufhört und uns nicht noch die ganze Tour vermiest oder gar dazu führt,
dass wir sie ganz einfach aus Wettergründen abbrechen müssen. So schön
Schottland auch die paar Tage im Sonnenschein war, das derzeitige Wetter nagt
einfach arg am Spaßfaktor des ganzen Unterfangens.
Und wir verpassten schon heute so viel, denn die 40 Kilometer im Zug führten uns durch eine Landschaft, die Imke trotz des Regens als Bilderbuchlandschaft charakterisierte. Ich wollte kaum aus dem Fenster auf die uns „entgangenen“ Landschaften sehen und
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| Die "Bilderbuchlandschaft" zwischen Glenfinnan und Mallaig. |
hatte plötzlich die Idee, dass
wir auch eigentlich das heute per Bahn übersprungene Stück morgen noch
nachholen könnten, allein der wunderschönen Landschaft wegen.
Auch Imke war von der Idee durchaus angetan, zumindest
unter der Bedingung, dass das Wetter einigermaßen mitspielen würde. Alternativ
morgen noch zur Isle of Skye weiterzufahren erscheint definitiv eine schlechte
Idee zu sein, da man bei schlechtem Wetter einfach nichts von noch so schönen
Landschaften hat und bestenfalls murrend etwas Distanz killen kann, was nicht
ganz Intention dieser Reise sein soll. Und wofür Schottland auch eigentlich
viel zu schön ist.
Glücklicherweise konnten wir auch gleich für zwei Nächte
einchecken, werden diese zwei Nächte im besten Hostel der Tour verbringen
(kleiner Kontrast zum letzten Independent Youth Hostel in Oban) und morgen mit
etwas Glück auch noch die 40 Kilometer von Glenfinnan hierher genießen können.
Der Wetterbericht prophezeit erst einmal Regenwetter, Regenwetter und
Regenwetter, aber nachdem es heute quasi den ganzen Tag regnete, kam während
der Zugfahrt durch die Fabellandschaft auch wieder die Sonne hervor.
Es wäre einfach zu schade wegen Kälte und Regen
Highlights wie dieses Segment oder die Isle of Skye zu verpassen, aber für
Wetter wie dieses ist Schottland schließlich ebenso bekannt, wie für seine
unendlichen Weiten und seine vielen Schafe. Aber muss es denn auch im Hochsommer
so nass werden?
Unser Minihostel im niedlich-verschlafenen Mallaig hat übrigens nur zwei gemischte Sechserzimmer, eine klasse Küche, viel Holz im ausgebauten Dachgeschoss, ist supersauber und hat auch absolut schimmelfreie Duschen. Hier kann man es auch problemlos länger aushalten; Imke meinte sogar, dass sie hier ihren ganzen Urlaub verbringen könnte. Im nahen Hafen schreien die Möwen, kleine Fähren tragen Gäste auf die nahen Inseln und für die höchstens 500-1000 Einwohner gibt es einen schnuffigen Supermarkt, einen Minibahnhof und 2-3 Restaurants sowie eine Polizeistation, wobei uns die Restaurants trotz des günstigen Preisniveaus (6-8 Pfund) immer noch zu teuer sind. Gleich steht dafür wieder Pasta auf dem selbstgemachten Programm…
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Oben: Drehort von Harry
Potter, wenngleich auch in denkbar schlechten Witterungsbedingungen. |
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