| Stage 8
Glen Coe Village - Fort William 40,75 Kilometer; 02:12:41 Stunden |

Tagebuch während der Tour geführt von: Bernt Pölling-Vocke ( bernty@gmx.com )
Ein Tag, der einem auch wie eine Vielzahl an Tagen
vorkommen könnte, neigt sich dem Ende zu. Ganz nebenbei war es auch noch ein
besonderer Tag, da Imke und ich seit einem Jahr zusammen sind. Leider hat sie
mittlerweile etwas Probleme mit dem rechten Knie, was ja bislang bei jeder
Radtour für irgendwen aus dem Starterfeld im Laufe der Zeit ein Problem wurde
(ich im letzten Jahr, Frank in den Alpen).
Wurden wir heute wenigstens mit
Sonnenschein belohnt?
Nein, denn schon als wir in aller Frühe von der Jugendherberge in Richtung Glen Coe losradelten, nieselte es ein bisschen, bevor es
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| Wetterentwicklung im Glen Coe; das unterste Foto dann wieder aus sicherer Entfernung. |
dann im sicherlich bei gutem Wetter sehr beeindruckenden Glen Coe richtig zu
schütten begann und wir uns mit der Flucht begnügten.
Kurz hinter Glencoe Village und vor allem ab der Brückenüberquerung
in Richtung Fort William riss der Himmel aber gerade über uns auf und tauchte
die Welt auf wenigen Quadratkilometern für etwas mehr als eine Stunde in
Sonnenschein, während rings um uns herum der Regen tobte. Besonders
empfehlenswert ist auch ein direkt hinter der Brücke auf der linken Seite
liegender Steinstrand von dem man einen klasse Blick auf die Region hat.
Der restliche Streckenverlauf der kurzen Etappe führte
uns dann größtenteils am Loch Linnhe entlang, wobei uns unser kleines
Sonnenloch bald wieder verließ und wir Fort William nur bei leichtem
Nieselregen erreichten.
Schon zuvor hatten wir telefonisch in Corpach, 5 Meilen
hinter Fort
William, ein B&B für 22 Pfund reserviert, stellten aber überrascht
fest (angeblich ist Fort William eine der Touriballungsregionen im Norden überhaupt),
dass viele B&B entlang unserer Strecke entweder billiger oder nicht voll
oder noch besser beides waren. Um allerdings unserer morgige Etappe nach Mallaig
etwas abzukürzen, entschieden wir uns trotzdem nach Corpach zu fahren, wurden
dann aber bei einem B&B kurz davor und 3 Meilen hinter Fort William schwach,
da es ein Doppelzimmer für 17 Pfund gab. Schnell zogen wir ein, duschten und
strampelten bei starkem Nieselregen mit unangenehmen Seitenwinden zur Ben Nevis
Destillerie direkt hinter Fort William zurück, die wir besichtigen wollten.
Netterweise bekamen wir die 2-Pfund-Tour für umsonst, da wir den Start der Tour
im Videoraum verpasst hatten, uns noch eigenhändig in den dunklen Raum hineindrängten
und die zwischenzeitliche Frage, ob denn alle ihre Ticket haben, einfach nicht
verstanden. Und eben diese Tickets zum Glück auch nicht mehr vorzeigen mussten.
Ausführlich wurde uns die Herstellung des angeblich
preisgekrönten Whiskeys erklärt, bei der anschließenden Kostprobe testete
Imke gleich dreieinhalb Mal die Qualitätskontinuität des Getränks, ich
hingegen begnügte mich mit einem halben Whiskey.
Bei richtigem Schauerwetter ging es danach trotz
Regenkleidung über diverse Zwischenstopps an Tankstellen nach Fort William zurück,
da wir noch etwas Hunger zu stillen hatten. Im einzigen auf Anhieb entdeckten
Take-Away der Stadt kostete aber selbst Chicken Kebap schon 6,50 Pfund und ein
Burger 4, so dass uns trotz des miesen Wetters die Lust auf einen langen
Aufenthalt mit dampfendem Futter verging. Ich rief mit dem Handy eines anderen
Gastes bei unserem B&B an und fragte, ob wir auch Tiefkühlpizzen mitbringen
und in den Ofen schieben könnten, bedankte mich brav für das Okay und auf ging
es zu Tesco, wo wir uns mit Pizen und Proviant für den nächsten Tag
eindeckten, bevor bei der Abfahrt mein Sattel abbrach.
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| Sattel ab, Radler baff. |
Verwundert starrte ich auf meinen sauber abgebrochenen
Sattel, der Regen prasselte hernieder und Imke wollte nicht glauben, dass ein
Sattel einfach abbrechen kann. Wie zum Geier kann denn ein Sattel abbrechen?
Trotz des strömenden Regens suchte ich noch schnell ein
Radfahrgeschäft, das natürlich schon
geschlossen hatte, so dass uns nichts
anderes übrig blieb, als mit dem sattellosen Rad zum B&B zurückzufahren.
Dort wieder angekommen, trafen wir zum ersten Mal den Mann unserer Gastgeberin,
der den ganzen Tag beim Golfen in Inverness verbracht hatte und von dort nur von
Sonnenschein berichten konnte. Und über meinen abgebrochenen Sattel ebenso
verwirrt war wie ich („must have been metal fatigue, I guess“).
Überraschend war dann allerdings die Freundlichkeit
unserer Gastgeber, die erst unsere Pizzen für uns machten und auf einem Tablett
im Zimmer servierten (klopf-klopf, „Pizza delivery“) und uns am Abend noch
zum gemütlichen Plausch ins Wohnzimmer einluden.
Eigentlich bleibt nur zu hoffen, dass ich morgen auf
Anhieb einen neuen Sattel bekomme, dass das Wetter uns einen etwas
freundlicheren Tag gönnt und die Strecke verspricht, was ein Reiseführer über
sie preisgibt „eine der schönsten Passstraßen Großbritanniens blabla“.
Was aber wohl wiederum stark vom Wetter abhängt (zumindest in der subjektiven
Wahrnehmung)…
Angeblich steht bei Fort William auch der mit ca. 1300 Metern höchste Berg Großbritanniens herum, wenn das Wetter es erlaubt, gibt es morgen früh ein Foto davon, wenn die Wolken wie heute im Tiefflug über die Landschaft schießen, waren wir zwar hier, können aber nicht so richtig behaupten zu wissen, wo der Berg denn jetzt so genau steht. Auf einer Homepage über den Berg las ich auch, dass man ihn im Durchschnitt fünf Mal besteigen muss um einmal einen klaren Blick von oben zu haben. Jaja, das Wetter…
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| Imke und ich mit Blick zurück aufs Glen Coe. | Imke am Strand während der einzig sonnigen halben Stunde des Tages. |
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| Fotos vom Steinstrand... | ...von der Brandung... |
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| ...und von der Ben Nevis Destillerie. | |
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| Leicht nass kamen wir in Fort William im "Take Away"-Shop an, sahen, dass alles zu teuer war... | ...und landeten (mit einem festmontierten Sattel weniger als zuvor) etwas später mit lecker Tiefkühlpizza bei uns im Bed & Breakfast (wagenradgroße Margherita-Pizzen für 1.75 Pfund im Gegensatz zu Chicken Döner zu 6.50 Pfund im Laden links). |