| Stage 7
Oban - Glen Coe Village 58,77 Kilometer; 02:50:21 Stunden |

Tagebuch während der Tour geführt von: Bernt Pölling-Vocke ( bernty@gmx.com )
Herzlich willkommen aus der deutschen Kolonie Glen Coe,
wo wir entgegen früherer Planungen wieder in einem offiziellen Youth Hostel mit
brav getrennten Schlafsälen sind. Und damit zufrieden sind. Glücklich. Zurück
im Urlaub, raus aus dem ekligen Rattenloch in Oban, wo auch heute in aller Frühe
wieder die sonst richtig im Schuppen wohnenden Polen um sieben Uhr durch unser
Zimmer zu einem hinter dem Schlafraum liegenden Lagerraum stiefelten, uns
weckten und Fahrräder herausschleppten. Das
hätte man natürlich auch nicht
schon am Vorabend machen können, nein, so etwas muss morgens um sieben
geschehen. Am Vortag passierte Ähnliches, als sie zu ähnlicher Zeit ein paar
Jacken oder irgendwelches Gerümpel aus dem Lagerraum holen mussten, sich dabei
aber zumindest noch entschuldigten.
Andi, unser vierter Mitbewohner, fand es sogar okay auf
seiner verdreckten Matratze zwischen Waschmaschine und Gefrierschrank auf dem
Boden zu liegen. Sowieso werden im Bedarfsfall wohl überall im Hostel
„Betten“ aufgebaut, sprach doch Katrin heute morgen in der zumindest mich
schon depressiv machenden engen Küche davon, dass noch vier Schweden auf dem
Flur untergebracht werden sollen. Was soll man dazu noch sagen?
Einerseits ist es sicherlich besser als im Freien pennen
zu müssen, da dank eines riesigen Ansturms auf Schottland überall alles fast
immer rappelvoll ist und viele Leute diesem Schicksal erliegen (Katrin: it´s
crazy this year, has never been like this, 50 people calling and no beds, I don´t
take reservations by phone anymore, only people who show up at the door“),
andererseits wird dies auch ohne Bedenken schamlos in Kapital umgemünzt.
Vielleicht entspricht dieses Verhalten ja Jeremys Version von „making the
world a better place“. Gestern Abend meinte Jeremy auch noch, dass die Tage
der Welt gezählt sind, „now that every madman can get his fingers on the
a-bomb“.
Wir waren allerdings hocherfreut als wir endlich wieder
auf dem Rad saßen und uns auf unglaublich steilen Straßen aus dem Küstenstädtchen
Oban herausquälten, welches wir schließlich auch über eine steile Abfahrt
erreicht hatten.
Vor allem anfangs war es Imke, die mir am Anstieg locker davonzog. Weshalb auch immer (nervende Polen am Ende kalter und kurzer Nächte?) fand ich die ersten 20 Kilometer überhaupt keine Kraft und
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| Castle Stalker, ungefähr auf halber Strecke und direkt an einem kurzen 13%-Anstieg. |
schleppte mich durch das Anfangsdrittel der Etappe, die auf den
letzten 40 Kilometern wieder richtig schön wurde. Anfangs war die Landschaft
allerhöchstens Standardware, schottische Standardware. Also auch gar nicht
einmal so schlecht, objektiv betrachtet.
Pausen gab es insgesamt nur wenige, da uns die Angst vor
angeblich gegen Nachmittag anfangenden Schauern vorantrieb, später uns beide
mit neuen Durchschnittsgeschwindigkeitsrekorden für die Tour, was uns aber auch
durch ein gefälliges Höhenprofil leicht gemacht wurde. Kurz vor dem Stalker
Castle hinter Appin ging es zwar noch einmal mit 13% bergauf, viel mehr im Sinne
bedrohlicher Anstiege tat sich aber trotz teilweise beeindruckender Bergmassive
abseits unserer Straße nicht auf.
Durch die Angst vor dem Regen, die zunehmende Erleichterung mit jedem Meter von Oban entfernt und den Ruhetag in den Beinen, erreichten wir auch schon am späten Mittag Glencoe Village am Eingang des auch für den Film Highlander verwendeten Tals. Im Village radelten wir an einem ausgebuchten B&B nach dem anderen vorbei und freuten uns, dass wir die Jugendherberge ausreichend früh reserviert hatten. Auch die war rappelvoll. Wer in Schottland im Sommer radelt, muss definitiv für ein paar Tage
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| Glencoe Village, kurz bevor der Regen kam... |
im Voraus
buchen. Eine ganze Tour im Voraus zu planen mag zwar unmöglich sein (Wetter,
Zwischenfälle), etwas vorausschauendes Planen ist aber dringend von Nöten.
Ganz besonders die Wochenenden scheinen schlimm zu sein, da halb Schottland übers
Wochenende in die Highlands strömt.
Ich dachte auch kurz, dass am heutigen Montag noch Sonntag wäre, als ich bemerkte, dass auf unserer Straße, immerhin der Hauptverbindung gen Norden von Glasgow aus, beinahe gar kein Verkehr war. „Liegt vielleicht am Wochenende, keine Lastwagen und so“, meinte ich bevor Imke dann korrigierte, dass gar nicht einmal Sonntag sondern Montag ist. Man mag sich gar nicht erst vorstellen, wie verlassen diese Gegend im Winter ist. Wahrscheinlich kann man Abends besoffen aus dem Pub kommend auf der Straße umfallen und einschlafen ohne davor Angst haben zu müssen, bis zum Sonnenaufgang überfahren zu werden. Dabei liegen die echten Highlands ja noch weiter im Norden und lassen diese Gegend geradezu wie ein Ballungsgebiet aussehen.