Stage 5

Killin - Dalmally

51,98 Kilometer; 02:53:57 Stunden

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Tagebuch während der Tour geführt von: Bernt Pölling-Vocke ( bernty@gmx.com )

Sonnenbrandwetter in Schottland?

Man mochte seinen Augen kaum trauen, aber bis in den frühen Abend hinein briet die Sonne vom Himmel, bevor dieser den Kampf gegen die Wolkenmassen verlor. Statt Regenjackenwetter Sonnenschein, kaum wirklich große Anstiege bei nur halb so vielen Höhenmetern wie gestern und eine wunderschöne Strecke entlang verlassener Lochs, weniger und dabei noch klinisch toterer Städtchen und einer tendenziell zunehmenden Schafpopulation, was will man mehr?

Als Belohnung für die Strapazen vorheriger Etappen wurden auf den letzten 15 Kilometern noch einmal 200 Höhenmeter angenehm zügig verbraten, so dass man frisch und relativ munter im kleinen Bed&Breakfast von Mrs. Morgan ankam, welches etwa eine Meile hinter Dalmally liegt. Dalmally hingegen ist Spiegelbild der wenigen menschlichen Siedlungen namens Crianlarich und Tyndrum, in denen es teilweise nicht einmal zur eigentlich obligatorischen Dorfkirche reichte. Supermärkte waren ebenso Mangelware, aber netterweise gab es in Tyndrum neben einer Touriinfo, die uns dieses B&B anbot („I can call and make a reservation for you for three pounds“ – „can you give us the number for free?“) auch einen etwas besseren Dorfkiosk, so dass wir noch etwas zu Beißen erstehen konnten. Mrs. Morgan bot uns zwar auch noch mindestens drei Mal an, uns in das nächste und einzige Restaurant von Dalmally zu fahren (mit deren Besitzer sie bestimmt verwandt ist), wir verzichteten jedoch auf die Ausgabe von 5-10 Pfund und begnügten uns mit trockenem Brot, Keksen und einem Apfel. Schließlich kostet die Übernachtung schon 17 Pfund, was aber für B&Bs schon relativ günstig zu sein scheint. Aber es hat ja auch niemand behauptet, dass Schottland ein Billigland sei…

Richtig klasse war am Abend noch ein kurzer Besuch des im Mittelalter erbauten Kilchurn Castles (Foto mitsamt Burgherrin links) am nahen Loch Awe, das mit 43 Kilometern das längste Loch Schottlands ist. Die alten Burgruinen inmitten der fantastischen Szenerie und mit Schafköddel soweit das Auge reichte war einfach nur genial und mindestens so schön wie eine bei Imke hängende Postkarte im Vorfeld vermuten ließ.

Nachdem wir den letzten Schrecken des Tages noch bezwingen konnten und uns telefonisch beim dritten von dreien Backpackerhostels in Oban zwei Betten für morgen Nacht reservieren konnten, (kurzfristig schien es, als würden wir nichts für die folgenden Nächte finden, während wir telefonierten, blabberte Mrs. Morgan uns die Ohren voll mit Geschichten über Pärchen die in Autos schlafen mussten) würde ich gleich gerne noch etwas Harry Potter lesen, muss mir aber leider das Buch noch einmal kaufen, da ich es im Common Room der letzten Jugendherberge ganz einfach vergaß. Als wir heute morgen unsere Sachen packen wollten, sagte Imke, dass sie ein ganz gutes Chaos in ihrem Zimmer hätte. Diese Aussage interpretierte ich so, dass ich noch genug Zeit haben würde, Harry zu lesen, was ich schon vor dem Frühstück für ein halbes Stündchen im Common Room gemacht hatte. Auf jeden Fall bezwang Imke ihr Chaos schneller als ich meine Sachen packen konnte, ich dachte nicht mehr an das Buch im Common Room und prompt fuhren wir los. Schade…

Richtig bescheuert war in der Nacht zuvor aber auch, dass ich in der hinterletzten Ecke des Zimmers in einem schwer erklimmbaren 
Hochbett eines Etagenbettes schlafen musste, obwohl ich meine Sachen zuvor auf einem unteren Bett direkt an der Tür ausgebreitet hatte. Irgendein weinerlich redender (flennender) Typ lag allerdings in jenem Bett als ich um elf am Vorabend vom Tagebuchschreiben im Common Room in den Schlafsaal zurückkehrte. Er heulte mir beinahe vor, dass man ihm an der Rezeption gesagt hatte, dass noch zwei Betten im Schlafsaal frei seien und er dieses genommen hätte, da dieses Bett schließlich noch nicht gemacht war. Dass zwei Radfahrtaschen darauf lagen, stinkende Socken, meine Radfahrhose und mein T-Shirt zum Trocknen am Bettende hingen und Helm sowie Fronttasche ebenfalls auf dem Bett lagen, schien für ihn wohl nicht Indiz genug dafür zu sein, dass das Bett schon besetzt sein könnte. Bestimmt hätte er genauso gerne oben in einem der leiterlosen Hochbetten geschlafen…

 

Fotos vom Kilchurn Castle, welches sogar kostenlos besichtigt werden durfte (eine Rarität!). Das unterste Foto zeigt die Landschaft rings um das zerfallene Bürglein.