| Stage 4
Stirling - Killin 62,71 Kilometer; 03:49:22 Stunden |
Tagebuch während der Tour geführt von: Bernt Pölling-Vocke ( bernty@gmx.com )
Während Imke sich gerade noch die Haare wäscht,
vertreibe ich mir einmal wieder die Zeit bis zur allabendlichen
Jugendherbergskochstunde mit der Rekapitulation der zweiten Touretappe, die uns
bis nach Killin brachte, etwa sieben Meilen weiter als unser zuerst anvisiertes
Ziel Lochearnhead, in dem es keine preisgünstige Jugendherberge gab und beim
einzig erschwinglichen Bed&Breakfast niemand zu Hause war.
Direkt hinter dem verschlafenen Lochearnhead kam dann
auch was man als Radler im Allgemeinen mit Bergen assoziiert: ein
ordentlicher
Anstieg am Ende einer moderat hügeligen Etappe und bei teilweise enormen
Gegenwind. Knapp 200 Höhenmeter verteilten sich auf durchschnittlich 4% steilen
5 Kilometern, die anschließende kilometerlange Abfahrt machte dann aber alle
Anstrengungen wieder wett und war der krönende Abschluss einer wirklich schönen
Etappe, wobei erstmals die 50 km/h-Marke erreicht wurde, so wie es sich auf
ordentlichen Abfahrten auch gehört.
Ansonsten bekamen wir heute feinste Natur auf
verkehrsarmen Hauptstraßen geboten, nachdem sich ein Großteil der anfangs
stark die Straße frequentierenden Touris entweder in einen Safaripark nahe
Stirling oder zu den Trossachs am Loch Kathrine abseilten, wo es auch laut
Reiseführer von Touris nur so wimmelt.
Wettermäßig machten wir erstmals mit dem schottischen
Regenwetter Bekanntschaft, wobei sich die Wolken netterweise erst entluden, als
wir in der recht netten Durchgangsstadt Callander eine rettende Bushaltestelle
erreicht hatten, in deren Schutz einmal wieder Croissants auf dem Programm
standen. Etwa eine halbe Stunde später strahlte dann auch wieder die Sonne,
sowieso scheint man in Schottland stets mit bestenfalls wechselhaftem Wetter
rechnen zu müssen, auch wenn es laut Aussage einiger Einheimischer ein
unglaublich guter Sommer ist. Nieselregen wechselte sich heute fortlaufend mit
Sonnenschein und bedrohlichen stets nach nicht stattfindenden Wolkenergüssen
aussehenden Wolkenmassen ab, der Wind blies heftig und subjektiv betrachtet
stets von vorne und es ging natürlich auch mehr rauf als runter, subjektiv
sowie objektiv.
Bleibt nur zu hoffen, dass auch die Nacht erholsam
bleibt. Dies ist allerdings für jeden von uns nur zu 75% wahrscheinlich (4
Schlafsäle), da ein offensichtlich leicht behinderter Jugendlicher ebenfalls
hier übernachtet, dessen Geschlecht weder Imke noch ich bislang identifizieren
konnten. Zwar soll man über Behinderte keine Witze machen, irgendwie ist es
aber schon witzig, wie er interessiert tuend von einem Gast zum anderen
watschelt und man im Minutentakt „Hiya“ von ihm/ihr vernimmt. Nervig ist
allerdings ein mit dem „Hiya“ einhergehendes Herumgeschreie und natürlich
die Tatsache, dass es in den offiziellen Jugendherbergen wie unserer heutigen
noch wie bei den Baptisten zugeht und Imke und ich brav getrennt in
verschiedenen Zimmern schlummern dürfen. Von jetzt an werden wir tunlichst
einen Bogen um „richtige“ Jugendherbergen machen und uns in
Backpackerhostels verziehen, wo es zumindest gemischte Schlafsäle gibt. Letzte
Nacht war es nicht ganz unwitzig in einem 14er-Zimmer zu wohnen, in dem auch
noch drei andere Pärchen untergekommen waren. Es kam dabei schon einmal vor,
dass nicht alle Betten stets besetzt waren…
Witzig war heute auch noch der „Pass of Leny“ (links Imke und ich am Loch hinter eben diesem sehr beeindruckenden Pass), den ich in Anbetracht seiner Markierung als einzigen Pass der Tagesetappe (auf der Karte) als Knackpunkt des Tages gesehen hatte (weit vor dem tatsächlich beeindruckenden Anstieg am Tagesende nach Lochearnhead). Irgendwann fragte Imke verdutzt wann denn der böse Pass kommen würde, nachdem wir ein recht imposantes Loch erreicht hatten. So richtig konnte ich zwar auch nicht verstehen, wieso zwei Minianstiege mit insgesamt 50 Höhenmetern als Pass gelten dürfen, beim Pass of Leny scheint dies aber auszureichen. Andererseits gibt es auch die „Falls of Leny“, die man sich einem Reiseführer nach auch nur als bessere Stromschnellen vorstellen muss. Wer oder was auch immer Leny war; wenn es eine Person war, muss man ihr einen sanften Hang zu maßlosen Übertreibungen vorwerfen…
Typische Fotos der heutigen Etappe. Das Foto rechts ist auf der einzigen echten Auffahrt des Tages gemacht worden (rund 200-250 Höhenmeter, direkt hinter Lochearnhead in Richtung Killin). |
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