Stage 15

Grantown-on-Spey - Dufftown

46,76 Kilometer; 02:38:35 Stunden

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Tagebuch während der Tour geführt von: Bernt Pölling-Vocke ( bernty@gmx.com )

Die vorletzte Etappe unserer Tour brachte uns heute in die Hauptstadt der Whiskybrauerei nach Dufftown, wo es allerdings außer der Glennfiddich Destillerie nicht viel zu sehen gibt, eine Aussage, die auch ohne Einschränkung auf die ganze Tagesetappe von Grantown-on-Spey bis nach Dufftown übertragbar ist.

Es radelte sich heute so ein bisschen wie im Teutoburger Wald und wäre man nicht andauernd links gefahren, wäre man nur selten auf die Idee gekommen, überhaupt in Schottland zu sein. Auch wenn ein Pärchen aus Düsseldorf in unserer letzten Unterkunft in

Eine Destillerie nach der anderen gab es heute zu sehen...

großen Tönen von dieser Gegend schwärmte (tolle Wälder zum Wandern) können wir dem Ganzen eher wenig abgewinnen. Ja klar, es ist schön und nett und ab heute Mittag hat auch brav die Sonne geschienen aber spektakulär ist hier wirklich nicht mehr viel. Die beiden hatten übrigens ein 21-Tage-Zugticket für ganz Schottland und auch nicht mehr geplant den Western überhaupt zu besuchen (angeblich wegen der Mückenplage). Edinburgh und Stirling hatten sie auch nicht gesehen (angeblich zu voll wegen dem Festival), vielleicht ist ihnen einfach nur nicht zu helfen? Da sie jedoch schon im berufstätigen Alter waren, muss man ihnen hoffentlich nicht mehr wie einem kleine Kind erklären, wie man das Meiste oder zumindest etwas aus einem Urlaub herausholt. Oder doch?

Nun ja, was gibt es sonst noch zu berichten?

Von der Radelei eigentlich wenig. Wenig erfreulicherweise blies uns der Wind den ganzen Tag unangenehm in die Nase, die Straße war wie schon gestern zu beiden Seiten gesäumt von totgefahrenen Hasen und Vögeln (die es hier wohl wesentlich mehr gibt als im Westen, wo der Straßenrand keinem Friedhof der Kuscheltiere glich), der Verkehr war moderat, aber keinesfalls so angenehm wie am Vortag und wir radelten an gut einem halben Dutzend Destillerien vorbei, für deren Endprodukte sich Imke nach wie vor brennend interessiert.

Insgesamt ist es auch heute nach drei Wochen Zeit ein bisschen zu resümieren, wobei man dabei zum dem Schluss kommen muss, dass wir zweifelsohne in einem faszinierenden Land abwechslungsreiche und extrem unterhaltsame Tage verlebt haben. Schottland ist definitiv eine Reise Wert, wollen wir die Isle of Skye und Ullapool noch nachholen, vielleicht auch eine zweite. Nur das Wetter muss bei dem ganzen Unterfangen einfach mitspielen, was einem in Schottland nun wirklich zu keiner Jahreszeit jemand garantieren kann.

In der Tageszeitung war heute zu lesen, dass die Fähre von Mallaig zur Isle of Skye peinlicherweise immer noch nicht wieder fährt und es seit der Inbetriebnahme des neuen Fährschiffes vor zwei Wochen schon drei Mal zu Ausfällen längerfristiger Art kam. Momentan hat der Kapitän einen Teil der Schraube beim Andocken an den steinigen Untergrund verloren und Mallaigs Lokalwirtschaft leidet deutlich unter den ausfallenden Transporttouristen. Vielleicht freut sich wenigstens der Skipper unseres kleinen Charterbootes, der im Moment sicherlich den Personenverkehr übernehmen darf. Dem Zeitungsartikel nach wird allerdings heftig gemunkelt, dass die Fährgesellschaft das Problem ganz anders angehen würde, wenn eine andere Fährverbindung betroffen wäre.

Morgen ist jetzt definitiv unser letzter Tag in Schottland, es erwartet uns ein leckeres Frühstück in unserem seniorengerecht eingerichteten B&B, das von einem ergrauten Ehepaar betrieben wird, und danach stehen uns noch einmal 16 Meilen nach Elgin bevor. Ebenfalls wollen wir 1-2 Destillerien besichtigen, von denen es hier in der Gegend Dutzende gibt. In den 50er und 60er Jahren haben unsere Gastgeber übrigens Schafherden durch die Weiten Schottlands getrieben, Fotos entlang des Flurs zeugen von längst vergangenen Tagen auf dem Lande. Unsere bisherige Tour wurde von ihnen ebenfalls ordentlich bestaunt und wenn man ganz ehrlich ist hat man schon das Gefühl, so einiges geschafft und vor allem unheimlich viel gesehen zu haben. Es gibt einfach keinen schöneren Weg ein Land zu erkunden als mit dem Rad, da man immer relativ flott voran kommt (im Gegensatz zum Wanderer), unglaublich flexibel ist und die Welt nicht immer rasend schnell hinter einer distanzierenden Scheibe vorbeirauscht. Auch Imke hat die Tour ziemlich gut gefallen, wobei sie meinte, dass sie nie mit in den Westen gekommen wäre, wenn die jetzigen Etappen am Tourbeginn gewesen wären. Weshalb auch immer, aber die eher hügelig-langweilige Landschaft des Ostens ist wesentlich hügeliger zu fahren als die Straßenführung im gebirgigen Westen. Natürlich sind wir beide mittlerweile fit genug für alle Herausforderungen Schottlands und würden auch sicherlich den vielleicht noch etwas schwereren Norden problemlos meistern, aber wie immer auf dem Rad verliert man nach einiger Zeit einfach total den Respekt vor der Bewältigung der Tour-Landschaft. Irgendwie geht es halt immer. Außerdem muss man sich auch ganz deutlich klar machen, dass Schottland zwar nicht so flach wie Holland ist, der Ben Nevis jedoch mit nur 1300 Metern auch schon der höchste Berg des Landes ist und damit keinesfalls unter den größten Bergen der Welt landet. Aber hat man ein gutes Rad mit einer ordentlichen (sehr ordentlichen) Gangschaltung, muss eigentlich niemand, absolut niemand, vor Schottland Angst haben.