Stage 14

Inverness - Grantown-on-Spey

62,61 Kilometer; 03:54:05 Stunden

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Tagebuch während der Tour geführt von: Bernt Pölling-Vocke ( bernty@gmx.com )

Guten Abend allerseits aus Grantown-on-Spey, wo uns unser gestern noch offenes Schicksal der weiteren Routenplanung uns hinspülte.

Am liebsten wollten wir beide, wie gestern schon angemerkt, noch nach Ullapool radeln, allerdings wurden diese „Träume“ schon in aller Frühe zunichte gemacht, als wir um kurz nach neun am Busbahnhof erfuhren, dass die zwischen Ullapool und Inverness verkehrenden Busse keine Räder mitnehmen und klar war, dass auch über Nacht in Ullapool kein neuer Bahnhof errichtet würde.

Etwas problematisch gestaltete sich auch die kurzfristige Buchung einer Fähre zurück nach Amsterdam, gab es doch eigentlich nur noch günstige Tickets für den kommenden Donnerstag (heute Montag) oder eben in einer Woche, wobei letzteres ein bisschen zu weit entfernt lag. Wir entschieden uns also spontan für den Donnerstag als Abreisetag von der Insel und ich freute mich darüber, dadurch zumindest noch rechtzeitig wieder zu Hause zu sein, um am Wochenende zum DFB-Pokalspiel des VFL Osnabrücks gehen zu können.

Einen passenden Zug konnten wir zum Glück auch eher problemlos bekommen, dafür werden wir aber am Donnerstagmorgen um kurz vor sieben ab Elgin, östlich von Inverness liegend, zurückfahren. Die Tage bis dahin werden wir radelnd verbringen, wobei wir es insgesamt nicht sonderlich weit in Richtung Aberdeen schaffen werden. Allerdings wird es reichen, um den Zugpreis von 65 Pfund ab Inverness auf 52 Pfund ab Elgin zu drücken; zumindest etwas.

Sowieso ist Flexibilität ein teures Gut, zahlten wir doch für die weit im Voraus geplante Anreise nach Edinburgh 40 Euro für den Zug nach Amsterdam, 32,50 Euro für die Fähre und 9 Pfund für den Zug nach Edinburgh. Unsere spontane Rückreise hingegen wird uns rund 52 Pfund für den Zug nach Newcastle kosten, 50 Pfund für die Fähre und wohl noch einmal 40 Euro für den Zug zurück nach Oldenburg kosten. Rund 85 Euro auf der Hinreise und 190 Euro zurück… Ob unsere Flexibilität jetzt so viel wert ist, mag sicherlich nicht eindeutig mit „ja“ zu beantworten sein, erinnert man sich jedoch an das Wetter und die Zwangspause in Mallaig sowie die zumindest heute schon einmal wirklich schöne Bonusetappe kann man guten Gewissens sagen, dass alles so wesentlich besser funktioniert hat und es wohl auch weiterhin tun wird (als mit einem fix geplanten Rückreisedatum).

Nachdem wir heute fast den ganzen bewölkten und ziemlich kalten Vormittag mit der Organisation der Rückreise verbrachten, ging es noch zum Frühstück/Mittagessen zum Deep Pan Pizza Buffet in Inverness (siehe links), welches doch schon besser als das Konkurrenzprodukt von Pizza Hut (bessere Pizzen, weniger Krach, dafür keine Free Refills) war.

Mit 8 (ich) und 5 (Imke) Stücken im Magen sowie plötzlichem Sonnenschein am Himmel ging es dann erst gegen halb eins auf die Piste, später als je zuvor auf dieser Tour. Gleich am Anfang schon ging es kräftig bergauf in Richtung Culloden, einem historischen Schachtfeld, wo die Schotten von den Engländern gut auf die Mütze bekamen. Vor allem Imke lag die Pizza schwer im Magen und sie meinte, dass ihr Rad fast am Boden kleben würde.

Nach und nach ging es aber bei uns beiden immer besser und die dichtbesiedelte Umgebung von Inverness lag bald hinter uns, so dass auch der Verkehr erstmals seit Loch Ness wieder auf ein angenehmes Maß zurückging.

Etwas schwierig gestaltete sich die Streckenführung, da wir uns über diverse Nebenstraßen auf dem kürzesten Weg nach Grantown-on-Spey bewegen wollten und diese meist nur schlecht oder am besten gar nicht beschildert waren. Und zum Teil auch nicht mehr als zwei Meter in der Breite hatten.

Als Ausgleich dafür gab es aber eine zweifelsohne tolle Strecke voller Dörfer, die aus kaum mehr als zwei Häusern bestanden, Straßen, auf denen nicht einmal pro Stunde ein Auto fuhr und einer Landschaft, die vor Abwechslung nur so strotzte. Laubwälder, die schon langsam herbstlich ihre Blätter abwarfen, boten am Anfang einen ersten Vorgeschmack auf den Herbst. Später fuhren wir dann durch Nadelwälder und am Ende durch eine verlassene Mondlandschaft mit nichts mehr als einigen wenigen Schafen, unzähligen Hasen, Fasanen, Katzen und Rehen.

Blick gen Norden, kurz hinter Inverness. Vielleicht geht es eines Tages ja auch
für uns noch über die Brücke und ab nach Norden, wer weiß?

Zwischendurch fragte man sich schon einmal, wie viele Häuser es geben muss, damit etwas auf der Karte eingetragen wird; war es doch teilweise arg schwer mehr als 1-2 Häuser zu erkennen, wo laut Karte eine menschliche Ansiedlung existieren sollte. Unterwegs stoppten wir auch kurz an einem heruntergekommenen Bauernhaus um unsere Trinkwasservorräte aufzufüllen und ein Lebenszeichen in Richtung der Jugendherberge abzusetzen, da uns das anstrengende Steckenprofil viel Kraft und noch mehr Zeit kostete.

Anfangs hatte ich heute noch beinahe wehmütig gedacht, dass wir ohne die Weiterfahrt nach Ullapool im Westen nicht noch einmal in den Genuss einer total menschenleeren Szenerie kommen würden wie es auf der Isle of Skye oder nach den Five Sisters der Fall war; die Umgebung der „Dörfer“ Dulsie und Aitnod östlich von Inverness steht dem Ganzen aber in Nichts nach. Getoppt wurde heute die Etappe noch durch einen strahlend blauen Himmel, auch wenn es im Schatten schon ein bisschen kalt war und mein Thermometer am Rad wenige Kilometer vor dem Ziel um halb neun am Abend nur noch 9 Grad anzeigte. Ist es nicht etwas früh für den Herbst?

Auch nicht ohne war das Profil der heutigen Strecke, haben wir doch am Ende 111 Höhenmeter Vorsprung auf die zweithärteste Etappe der Tour gehabt, dabei aber noch 30 Kilometer weniger Distanz gefahren. Gegend Abend merkte man es dann auch ordentlich in den Beinen und zumindest ich hätte bei einem Schlussspurt ins Ziel schlechte Karten gehabt; Imke hingegen war zwar den ganzen Tag hinüber wesentlich langsamer die Berge hochgefahren, am Abend dafür aber noch wesentlich frischer und energiegeladener.

Trotz all der Höhenmeter sah die Umgebung heute insgesamt flacher aus denn je, da es östlich von Inverness nicht mehr die hohen Gipfel des Westens gibt (schon seit dem Loch Ness ist es spürbar flacher geworden), die Landschaft aber insgesamt wesentlich hügeliger ist. Vielleicht liegt dies auch an der geänderten Streckenführung. Gab man sich bei den Bergen noch Mühe die Straßen möglichst geschickt durch das Tal zu bauen, hat man solchen Aufwand hier gar nicht erst betrieben und einfach munter drauf los gebaut, Anstieg hin oder her. Ohne Frage war die heutige Etappe die sportlichste Herausforderung der Tour.

Erst gegen 21 Uhr waren wir schließlich am Ziel unserer Gipfelstürmerei, schlüpften nach der beinahe obligatorischen Belehrung über das korrekte Verhalten im Brandfall und die dazugehörigen Fluchtwege unter die wohlverdiente Dusche und freuten uns das enge Viererzimmer für uns zu haben. Und da Imke schon schläft, werde ich es ihr jetzt gleichtun; gute Nacht!

Links oben: "Post Office" Schottland-Style. Woanders würde man bei einem "office" auch eben dieses erwarten...

rechts daneben: Monster an Bord

und links: Beispiel für die heute phasenweise nicht ganz einfache Streckenführung.

...mein Rad am Ende der Welt...

...wo auch der Asphalt nicht mehr der Beste ist.

...mitten im Nichts gab es dann doch wieder die obligatorische Schaffarm. Da "määäht" es sich sehr einsam...
...da wir erst mittags losfuhren, verabschiedete sich nach und nach auch die Sonne von uns, so dass wir erst bei unangenehm wenig Tageslicht unser Ziel erreichten. Die Pizza, so schwer sie auch im Magen lag, war aber am Mittag trotzdem lecker...