Stage 13

Invermoriston - Inverness

47,73 Kilometer; 02:39:08 Stunden

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Tagebuch während der Tour geführt von: Bernt Pölling-Vocke ( bernty@gmx.com )

Mit Inverness erreichten wir heute das ursprüngliche Ziel unserer Schottlandtour, von dem aus wir dank positiver Wetterprognosen noch weiter fahren werden, wohin auch immer.

Leicht problematisch könnte sich unsere Rückreise gestalten, ist es doch zum Beispiel sehr schwer von hier aus mit dem Zug zur

Die Falls of Invermoriston, gleich am
Anfang der heutigen Etappe.

Fähre nach Newcastle zu kommen, da die Züge nur maximal zwei Fahrräder mitnehmen und die Angebots- und Nachfragekurve sich weit vom Marktoptimum entfernt treffen. Der nächste freie Zug würde in drei Tagen fahren…

Ein Problem ist das Ganze nicht unbedingt, da wir sowieso noch bleiben wollen, aber wohin wollen wir denn jetzt noch?

Stumpf gen Norden ist laut Aussage eines anderen Deutschen zu Rad, den wir heute am Loch Ness trafen, erst einmal wenig attraktiv. Ullapool an der Westküste ist nicht ohne Reiz, aber ohne Bahnhof. Eine große Schleife über Ullapool und zurück an das Bahnnetz in Lairg ist nett und lang, die Bahnfahrt von dort nach Newcastle kostet aber gleich schon 80 Pfund. 65 wären es von Inverness aus und irgendwo muss es auch einmal gut sein. Bedenkt man, dass die Strecke vielleicht drei Mal so lang ist wie die Strecke von Newcastle nach Edinburgh, über die wir nach Schottland kamen, erscheint der Preis schon recht unverschämt. Damals zahlten wir 9 Pfund. (Das war allerdings auch ein echt günstiges Angebot.) Man könnte sich aufregen, man kann es aber auch lassen, da man es eh nicht ändern kann.

Nach Süden zurück in Richtung Edinburgh? Nicht gut, da die auf Teilen der Strecke einzige Straße die meistbefahrenste Straße Schottlands ist und vierspurige Schnellstraßen („people go there with 100 miles an hour, it is not allowed, but I do it as well“ meinte der Typ am Bahnschalter) für Radler meist wenig attraktiv sind. Also kein Sinn im Süden.

Fußgängerbrücke in Inverness

Nach Osten gen Aberdeen? Gut, da man noch durch die Destillerie-Gegend Schottlands kommt und Imke gerne noch mehr Whiskey testen möchte. Schlecht allerdings, da die Strecke eventuell nicht wirklich attraktiv ist, einmal abgesehen vom gratis Whiskey. Zumindest kriegt man ab Aberdeen auch immer einen Zug, der auch Räder mitnimmt, sagte man uns.

Auch nicht ganz uninteressant ist die Frage nach der Fähre ab Newcastle, da wir leider die Telefonnummer des Betreibers DFDS nicht dabei haben und gar nicht so ganz genau wissen, wann die nächste Fähre mit bezahlbaren Restkapazitäten in See sticht. Schließlich wollen wir die Proletarierkabinen im Schiffsbauch und sonst nichts.

Osten, Westen, Süden, Norden, wer weiß es schon? Im Moment haben wir uns ein bisschen auf Ullapool eingeschossen, falls man von dort aus mit dem Bus zurück nach Inverness und Edinburgh kommt, was vielleicht sowieso billiger ist als mit dem Zug. Wir werden morgen früh herausfinden, wie es bei den Bussen so mit Fahrrädern steht, ansonsten geht es halt in Richtung Aberdeen, wo wir sicherheitshalber schon einmal ein Youth Hostel reserviert haben.

Und wenn erst eine Fähre in einer Woche fährt? Was weiß man schon?

Man weiß auch nicht, ob der VFL Osnabrück heute gegen Mainz endlich den ersten Heimsieg der Saison eingefahren hat und die Hälfte von uns interessiert es auch nicht sonderlich. Mich schon, aber seit knapp einem Monat ist der Internetcomputer in unserem Ho Ho Hostel in Inverness kaputt. Als der Angestellte es uns sagte, klang es auch nicht so, als würden übertriebene Anstrengungen unternommen werden, um diesen Zustand zu ändern. Vielleicht hat morgen ja der Waschsalon um die Ecke geöffnet, in dem es PCs gibt, vielleicht aber auch nicht, da morgen ein Feiertag ist. Man sieht also, dass man nichts weiß…

Ach ja, gefahren sind wir heute letzten Endes auch noch. Knapp 50 Kilometer von Invermoriston am Loch Ness entlang bis nach

Urquhart Castle: Von hier aus wurde das legendäre Monster am häufigsten gesichtet...

 Inverness, der Hauptstadt der Highlands mit etwa 45.000 Einwohnern, einer netten Fußgängerzone, einem großen Shoppingcenter und einiger netter Pubs, in die es uns vorhin nach einem Abendmahl bei McDonalds auch noch verschlug. Sowieso haben wir heute erstmals seit Stirling am zweiten Tag wieder McDonalds oder Burger King zu Gesicht bekommen, was auch nicht unbedingt ein Verlust war. Allerdings war es heute ganz praktisch noch das goldene M zu finden, da unsere Nahrungsvorräte erschöpft waren und wir leider die letzte Stunde der Ladenöffnungszeiten dafür verwendeten uns nach Zugverbindungen zu erkundigen.

Die Straße entlang des Loch Ness bot uns heute mehr Hügel als erwartet, mehr Verkehr als erwünscht und mehr Sonnenschein als überhaupt noch einmal erhofft. Allein die Vorstellung noch einmal Sonnencreme zu benutzten erschien vor doch nur so wenigen Tagen im verregneten Mallaig irreal. Auch Radfahrer waren zudem heute wieder vermehrt unterwegs, trafen wir doch zum ersten Mal seit Killin vor einer halben Ewigkeit wieder Rennradfahrer und auch diverse Tourenradler um uns herum.

Etwas großartig Besonderes ist die Massentourismusgegend am Loch Ness eigentlich nicht und ohne den bestens gepflegten Monstermythos wäre das Loch auch kaum einen Besuch wert, aber irgendwie hofft wohl doch jeder das sagenumwogene Monster endlich zu erspähen. Die Region gibt sich auch viel Mühe, den Mythos mit möglichst vielen Monstergeschäften auszuschlachten. Entlang der Strecke fanden sich diverse offizielle Shops und Ausstellungen (oder besser gesagt „Monster Center“). Damit möglichst viele Läden diesen offiziellen Anschein hatten, hatte man auch gleich immer einzelne Läden zum offiziellen Monstercenter 2000, 2001…2003 und so weiter ernannt. Ein kleines Nessiebaby erstand ich mir aber dann trotz des nervenden Kommerzes um uns herum doch noch, Imke verzichtete jedoch dank grausamer Designerleistungen auf den Kauf eines geplanten Monster-T-Shirts.

Explizit gelobt werden muss noch unser B&B von der letzten Nacht (Scorpion in Invermoriston). Das Frühstück hätte jedes Monster der Welt gesättigt und sowohl Imke als auch ich schafften unsere Portionen nicht. Das zusätzliche Angebot eines uns unbekannten Nahrungsmittels, wurde von uns dankend abgelehnt, da der B&B-Betreiber irgendwas von Schafsmägen erzählte. Wir bekamen dann aber noch zum Abschied etwas Proviant für die Fahrt zugesteckt. Imke liest gerade in einem Reiseführer, dass man für einige hundert Pfund auch in einem U-Boot durchs Loch Ness fahren kann und Goebbels das Monster schon 1940 als ein Marketingtool der Tourismusbranche entlarvt hatte. Der Mann vom B&B hatte allerdings einen kleinen Motorradschaden und besaß gleich 10 Maschinen, von denen heute früh auch vier vor der Garage standen (von Crossbikes über Rennmaschinen bis…). Er selbst arbeitet logischerweise für einen Motorradpannenservice, bei der Fahrweise der vielen Motorradtouristen in Schottland wäre aber sicherlich ein Bestattungsservice rentabler.

Monsterkauf am Loch... (Monster im Portrait ganz oben auf dieser Seite)

im HoHo-Hostel in Inverness...
...und Inverness selbst.