Stage 12

Kyleakin - Invermoriston

90,77 Kilometer; 04:39:49 Stunden

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Tagebuch während der Tour geführt von: Bernt Pölling-Vocke ( bernty@gmx.com )

Es ging weit, es ging hoch und es ging schnell: Alles in allem war es heute eine tolle Etappe von der Isle of Skye bis fast ans legendäre Loch Ness heran, wo wir morgen bestimmt Nessie höchstpersönlich antreffen werden.

Weit? Tja, musste es gehen, denn zwischen der Isle of Skye und hier gab es eigentlich keine alternativen Übernachtungsmöglichkeiten, da vor allem die letzten 60 Kilometer der Etappe höchstens von einigen hundert Menschen bewohnt wurden, im Grunde genommen waren sogar die Kilometer 30 bis 75 bis auf ein einzeln dastehendes Wohnhaus gegen Ende hin vollkommen leer. Leer war auch die abwechslungsreiche Landschaft, als im mittleren Abschnitt der Etappe zu beiden Seiten imposante Berge ohne jede Art von wenigstens kniehoher Vegetation zu sehen war. Die letzten 20 Kilometer hingegen gingen durch dichte und von der Mückenplage heimgesuchte Nadelwälder, was am Ende eher das Gefühl einer Radtour im Schwarzwald aufkommen ließ, einen aber nicht direkt an Schottland erinnerte. Von der Vielfalt her ist Schottland wohl kaum zu überbieten.

Hoch? Ja, hoch ging es viel, vor allem auf den ersten 40 Kilometern auf, denen wir rund 520 der insgesamt 550 Höhenmeter des Tages fuhren. Hervorzuheben ist hierbei die Region hinter den imposanten Five Sisters (fünf nebeneinander aufragende Bergspitzen), wo man bis hinauf zum aufgestauten Loch Cluanie kilometerlange Anstiege höherer Schwierigkeitsgrade zu meistern hat. Vom in einer grün gehaltenen Mondlandschaft eingebetteten Loch Cluanie hingegen ging es nur noch vorbei am Staudamm und von da an bergab bis ins Ziel, wobei in unserer Karte eingetragene „Ortschaften“ zum Teil aus nicht mehr als zwei Häusern bestanden. Ein B&B hätten wir hier niemals gefunden…

Aber zu sehen gab es auf der ganzen Strecke viel. Angefangen hat es mit der auf Postkarten imposant aussehenden Brücke nach Skye zwischen Kyleakin und Kyle of Lochalsh. In Realität sieht die rund 35 Meter hohe Brücke jedoch eher dröge aus, kostet für PKW unverschämte 6 Pfund und ist für Räder zum Glück kostenlos. Busfahrer müssen allerdings tiefer in die Tasche greifen und die Überfahrt mit 41,20 Pfund bezahlen, so dass man sich kaum vorstellen kann mit wie viel Kaviar und Whiskey die Betreiber jeden Abend feiern, an dem die Fähre als Alternative zur Brücke von Mallaig aus kaputt ist und Touristen über die Brücke kommen.

Nach 17 Kilometern hatten wir das am Schnittpunkt dreier Seen liegende Eilean Donan Castle erreicht, das auch viele Reiseführer Schottlands schmückt. Ausnahmsweise entschieden wir uns den Eintritt von nur freundlichen 3,40 für Studenten zu berappen und besichtigten das gut besuchte Schloss, das jedoch leider extrem edel hergerichtet worden war und im Inneren wohl kaum seiner

Eilean Donan Castle, die berühmteste Burg Schottlands.

 historischen Funktion als Militärposten in strategisch guter Position gerecht wurde. Richtig lustig war jedoch ein historisches Ausstellungsstück, das einen Werbeflyer der Armee zeigte und jungen Männern anbot, sie bei einer militärischen Ausbildung zu richtigen Männern zu machen. Gute Unterkunft und gute Ernährung wurde ebenso geboten, genauso wie ein „job with little to do“. Fotos wurden geknipst, die Räder wieder gesattelt und die schon erwähnten Five Sisters angesteuert, die bei allerbesten Wetter einfach nur atemberaubend aussahen.

Wesentlich viel mehr passierte dann auch nicht, wobei das Radeln im Sonnenschein einfach nur herrlich war. Mitten im Anstieg zum Luch Cluanie plünderten wir noch einen Brombeerstrauch am Straßenrand und kühlten die dampfenden Füße in einem eiskalten Bergbach, ansonsten war es aber einfach nur angenehme „Arbeit“ auf dem Rad.

En Suite, aber ein bisschen eng, oder?

Unser schon gestern im Voraus gebuchtes B&B war dann auch ein ziemlicher Volltreffer, durften wir doch problemlos die Küche zum Kochen (Pasta Pesto) nutzen und im Wohnzimmer essen, wo wir auch noch ein Weilchen mit unseren Gastgebern über Gott und die Welt und vor allem das Wetter quatschten. Auch die weitere Streckenführung erwies sich als gutes Thema, da wir morgen 

schon am eigentlichen Ziel unserer Tour in Inverness ankommen werden, das Wetter aber sehr zuversichtlich stimmt (zumindest bis Mittwoch, heute Samstag) und wir beide noch keine Lust haben, unsere Tour schon zu beenden. Mal sehen, wofür wir uns entscheiden werden…

Imke meinte heute auch, dass es unvorstellbar scheint, dass wir gestern noch in Mallaig waren. Man erlebt einfach im Moment soviel, dass jeder Urlaubstag wie eine Vielzahl eben dieser wirkt und gerade das macht Radtouren wie diese so unverwechselbar schön und auch erholsam, zumindest so lange das Wetter mitspielt. Aber die schlechte Regenlaune in Mallaig wirkt schon jetzt wie Stoff der vorvorletzten Woche.

Ganz witzig ist auch, dass wir heute zum ersten Mal auf unserer Tour „en suite“ in unserem B&B wohnen, was eigentlich nur heißt, dass man für AA und Pipi, sowie zum Duschen nicht aus dem Zimmer muss. Und dass es meistens wesentlich teurer und eigentlich absolut überflüssig ist. Betrachtet man dann auch noch den Komfort unserer riesigen Toilette (man stößt schon als normal großer Mensch beim Sitzen mit den Knien an die Wand) und die Tatsache, dass die Fenster im ganzen Zimmer nach dem Duschen beschlagen waren, fragt man sich doch schon, weshalb so viele Leute so viel Wert auf „en suite“ legen.

Eilean Donan Castle... ...und weiter am Loch entlang.

"Müssen wir da drüber?" --- trotz aller Hügel war die Landschaft heute einfach nur atemberaubend...

 

Die Five Sisters vor uns:

Verschiedene Fotos von unserer Fahrt durch die menschenverlassene Strecke auf den letzten 50 Kilometern.

Harte Arbeit am Berg, dann aber... ...Pause am Bergbach, am rattenkalten Bergbach...
...eine einsame Straße... ...ein einsamer Berg.

Links oben: Mein Armaturenbrett mitsamt Höhenmesser und Tacho, rechts daneben geht langsam die Sonne unter, links pausieren wir noch einmal 10 Kilometer vor Invermoriston, ebenso wie einige Millionen Mücken.