Stage 11

Mallaig - Kyleakin

35.15 Kilometer; 01:51:31 Stunden

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Tagebuch während der Tour geführt von: Bernt Pölling-Vocke ( bernty@gmx.com )

Nachdem ich gerade noch mit der Inhaberin unseres wirklich kleinen Independent Youth Hostels (10 Betten) über die Harry Potter-Bücher gefachsimpelt habe, werde ich noch eben die Erlebnisse der letzten beiden Tage zusammenfassen.

Eigentlich wollten wir ja gestern schon (solange das Wetter zumindest okay war) zur Isle of Syke übersetzten, wurden dann aber etwas unerwartet aufgehalten, als ein bei uns im Hostel schlafender Ösi um kurz nach acht ins Zimmer kam und verkündete, dass die Fähre „broken down“ ist.

Ungläubig machten sich Imke und ich auf den Weg zur Fähre, fanden dort aber nur die Bestätigung, dass in der Tat heute keine Fähre zur Isle of Skye fahren würde, da die Fähre nun einmal kaputt ist. Weitere Details gab es dann beim Frühstückseinkauf im hafennahen Dorfsupermarkt (wobei in Mallaig alles nah am anderen ist). Der Motor wäre defekt, am Abend würden „so called experts“ erwartet und ab morgen vielleicht wieder „gesailed“ (wohl nicht, oder gibt’s Segel?), vielleicht aber auch nicht.

Schnell verlängerten wir unseren Aufenthalt um eine weitere, dann die dritte Nacht und schliefen erst einmal richtig aus. Den zwangsverordneten Erholungstag verbrachten wir schließlich mit Büchern, dem frustrierenden Studium des immer noch dauerhaft verregneten Himmels und eines kurzen (windig-verregnet-kalten) Besuchs in der Bibliothek Mallaigs, wo man zumindest eine halbe Stunde umsonst ins Internet konnte. Und dank einer Albtraumübertragungsrate nicht einmal dazu kam mehr als nur seine Mails nachzugucken.

Was sollten wir machen? Warten, bis die Fähre (irgendwann) wieder läuft? Ihr noch einen Tag geben und dann zurück nach Fort William fahren? Die Isle of Syke, die Five Sisters und alles weitere einfach verpassen?

Gegen Abend kam mir dann die Idee einen Fischer zu fragen, ob er uns nicht einfach nach Skye mitnehmen könnte. Aber bevor wir unsere Suche nach einem netten Fischer starteten, entdeckte ich einen Werbeflyer eines Charterbootes an der Pinwand des Hostels und überlegte mir, dass man zusammen mit zwei ebenfalls bei uns im Hostel gestrandeten Holländerinnen doch eigentlich per Charterboot nach Skye fahren könnte.

Zum Glück war der am Telefon mindestens 95-jährig klingende Inhaber des Kahns gerne bereit, uns für 40 Pfund überzusetzen („50 if you´re generous“). Wir einigten uns nach kurzer Rücksprache mit den Holländern auf 10 Uhr am nächsten Morgen, unabhängig vom Schicksal der Fähre. Unser Weiterkommen schien gesichert.

Gegen Abend riss dann auch erstmals der seit Tagen nur graue Himmel wieder auf und ich starrte minutenlang in das schon beinahe irreal anmutende blaue Loch im grauen Teppich. Erstmals seit Tagen keimte wieder Hoffnung auf…, zu Recht?

Definitiv ja. Pünktlich um zehn erreichten wir am nächsten Tag das Pier und unser Boot, zu dem sich auch noch sechs andere Touristen eingefunden hatten (der Skipper hatte nach meinem Anruf der Touristeninformation geflüstert, dass er nach Skye gechartert worden wäre und noch mehr Leute mitnehmen könnte). Zu allem Überfluss regnete es sogar nicht einmal, auch wenn es immer noch nicht direkt sommerlich warm sondern lediglich stark bewölkt war. Geschwind wurde der wackelige Kahn beladen („I have sailed for 50 years, I know if it is too dangerous or not”) und die Schaukeltour begann.

Naja, fast zumindest, denn nachdem wir schon gut zwei Minuten unterwegs waren, fiel mir plötzlich ein, dass meine Lenkertasche nicht mit von der Partie war. Peinlich berührt musste ich den Skipper bitten noch einmal umzukehren, was ihn und den Rest der Gäste an Bord zwar wenig begeisterte, er aber tat und der Rest an Bord sich über meine Schusseligkeit lustig machte. Als Belohnung für alle schwamm noch ein Seeotter an uns vorbei als wir in den Hafen zurückfuhren.

Nachdem ich die ganze Mannschaft zehn Minuten aufgehalten hatte und vom Hotel zurück war (zum Glück ist, wie schon oben erwähnt, alles in Mallaig recht nah am anderen) schipperten wir erneut los. „If someone pukes, it costs extra“, sagte mir der Kapitän

Etwas problematisch war bei unserer Ankunft auf Skye lediglich die Kombination Treppe & Fahrrad.

 als sein rostiger Kahn über die Wellen zu wippen begann und auch gelegentlich etwas Wasser über die Reling spritze. Richtig nass wurden wir aber zum Glück weder von unten noch von oben. Der Kahn hielt; der Himmel hielt seine Schleusen geschlossen. Gut gelaunt fütterte der Kapitän einige dem Boot folgende Möwen, pulte sich ein paar Orangen, zeigte uns die Schwimmweste seiner Katze (die auch manchmal mitkommt und bei ihm zu Hause mit in die Badewanne geht) und erfreute sich an der fetten Tagesausbeute, hatte er sich doch bis zu unserer Ankunft nach mehr als einer Stunde überlegt, jedem von uns zehn Pfund abzunehmen und somit 110 Pfund einzusacken.

Etwas spektakulärer als die problemlose Abfahrt sollte sich unsere Ankunft am Südgipfel der Isle of Syke darstellen, da wir an einem meterhohen Pier anlegten, das nur über eine schmale Leiter zu erreichen war. Für uns und unser Gepäck war die Kletterei okay, als wir aber die Fahrräder an einem Seil vom schwankenden Boot aus auf das Pier hochzogen, wurde mir Angst und Bange um mein geliebtes Rad. Und meine 52-Pfund-Sattelstange.

Endlich wieder festen und sogar sonnigen Boden unter den Füßen habend, pausierten wir noch ein wenig bis Imkes Welt zu schaukeln aufhörte und fuhren durch eine unheimlich faszinierende Landschaft mit kaum Schafverkehr und fast gar keinen Autos in Richtung Broadford, wo wir nicht wie geplant richtig auf die Isle of Skye in Richtung Portree abbogen, sondern prompt wieder in Richtung Festland und Kyleakin, der letzten Stadt der Insel, radelten. Zwar zögerten wir kurz und spielten mit dem Gedanken, doch noch unsere eigentlich geplante Schleife über die Insel zu machen, ließen dies aber dann sein. Auch wenn ich nur wenige Kilometer Skye gesehen habe, waren diese allerdings die Warterei der letzten Tage wert. Wäre die Fähre gestern nicht kaputt gewesen und hätten wir dieselbe Strecke bei dem grauen Regen des Vortages geradelt, wäre mir viel entgangen und ich hoffe nur, dass das Wetter immer nur noch besser wird. Endlich besser. Vielleicht muss man sogar noch einmal zur Sonnencreme greifen, aber ich sollte es wohl mit der Zuversicht nach den letzten 5 Tagen nicht mehr übertreiben.

Es hat aber einfach wieder unheimlich viel Spaß gemacht, endlich wieder auf dem Rad zu sitzen und die fremde Welt zu erkunden. Anfangs hatten wir zwar beide noch die lange Pause etwas schwer in den Beinen, später wurde es jedoch noch die zweitschnellste Etappe der Tour und wären wir noch 20 Kilometer weitergefahren, hätten wir sicherlich einen Schnitt von 20 km/h realisieren können.

Nach 35 Kilometern war dann aber auch für heute schon wieder Schluss, der Himmel hatte sich auch fast wieder komplett verschlossen und wir vergnügten uns noch mit Pasta, Pesto und Salat im Hostel, wo ich jetzt den Stift beiseite legen werde, um mir noch ein bisschen Harry reinzuziehen.

Ein bisschen komisch ist der Laden hier allerdings schon. 10 Betten in zwei Zimmern und so eng mit Etagenbetten bestellt, dass man sich wie in einer Legebatterie vorkommt; Küche und Wohnzimmer noch mit den Eigentümern im Rentenalter geteilt, auf dem Tisch

Einsame Wohngegend: Leben auf der Isle of Skye

 eine mit Hasen und Fasanen bedruckte Plastiktischdecke, an den Wänden hängen Bilder von Hirschen vor Bergpanoramen und unsere Gastgeberin quatscht ohne Unterlass. Ihr Mann hingegen schlurft und schnuppert schweigend durch das Haus und überprüft ständig, ob niemand gegen irgendeine der überall aushängenden Regeln verstoßen hat. Imke wurde ermahnt, als sie das Licht im Bad anließ; nachdem wir gekocht hatten wurde gleich überprüft ob wir den Herd auch ausgeschaltet hatten und außer Ermahnungen hört man aus dem Mund des Mannes kein Wort. Wir unterhielten uns auch noch kurz mit der Eigentümerin über die Independent Youth Hostel Association in Schottland und sie meinte, dass sie Jeremy (aus Oban) auch von Versammlungen her kennen würde. Auf jenen würden sich dann alle Mitglieder immer fragen, wieso sein Laden mit 6,50 Pfund pro Nacht denn so billig sei, ein einfacher Besuch würde aber alle Fragen sicherlich beantworten. Überraschenderweise bekamen wir auch noch etwas von angeblich regelmäßig kontrollierten Qualitätsstandards zu hören und man muss sich doch fragen, wie Jeremy diese besteht, aber dafür ist vielleicht Katrin zuständig. Gute Nacht.

 

Imke beim Abendmampfen in unserer Jugendherberge; lecker Pasta-Pesto und Salat aus der Tüte.