Stage 10

Glenfinnan - Blasaig

24,24 Kilometer; 01:30:54 Stunden

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Tagebuch während der Tour geführt von: Bernt Pölling-Vocke ( bernty@gmx.com )

Was für eine beschissene Idee es doch war, heute nach Glennfinnan zurückzufahren und das Stück von dort nach Mallaig noch einmal vom Sattel aus zu genießen, vom teuren 52-Pfund-Sattel, nicht zu vergessen.

Nach mieser Stimmung wegen miesem Wetter beim Frühstück sprach Imke dann das uns aus der Lethargie befreiende Ja-Wort zum 

Am nächsten Morgen rollte der Hogwarts Express durch Glenfinnan, nachdem wir gerade aus Richtung Mallaig angekommen waren.

Zug nach Glennfinnan um halb elf und etwa eine Dreiviertelstunde später waren wir wieder dort, wo gestern unsere geradelte Etappe endete.

Auch vom Wetter her. Leider. Genauso wie gestern nieselte es was das Zeug hielt. In Anbetracht der noch frühen Tageszeit verleitete dies uns zu dem Fehler noch gut eineinhalb Stunden im Café des Bahnhofs dem Spiel der Wolken zuzusehen und auf Besserung zu hoffen. Naiv. Zum Glück war zumindest das Café sehenswert, hatte man doch einen historischen Bahnwaggon zu eben diesem umgerüstet und liebevoll restauriert. Außerdem bekamen wir heute auch noch den Hogwarts Express selber zu sehen, als er in Glennfinnan durchfuhr. Also? Hogwarts Express gesehen, lecker Kakao mit darin schwimmenden Weichgummiteilen für nur ein Pfund, eine wunderschöne Strecke vor uns, alles in Ordnung, oder?

Nicht ganz, denn nachdem wir relativ trocken über die ersten 124 Meter kamen, wechselten sich starke Schauer mit schwachen Schauern ab. Trockene Intervalle waren wenn überhaupt nur von extrem kurzer und wenig hoffnungsvoller Dauer, die Landschaft war vor lauter tiefhängender Wolken kaum zu sehen und der Fahrspaß tendierte rapide gegen null. Anfangs konnte man sich zwar 

Warten auf das gute Wetter...zumindest die Tassen waren gut gelaunt!

noch relativ gut durch die graue Suppe durchbeißen, nach etwa zehn Kilometern begann es aber nur noch zu schütten. Ohne Möglichkeit zum Unterstellen blieb uns nichts als die nasskalte Weiterfahrt und der Wind, sowie sein Freund der Regen trieben uns an den Rand der Verzweifelung (erst mich, später Imke). Phasenweise wurde jedes unbedeckte Hautstück vom hart peitschenden Regen wie von einem Nadelkissen gestochen, die Sicht wurde immer schlechter und das unnachgiebige Wasser bahnte sich seinen Weg durch die Kleidungsschichten, in die Schuhe und sogar in Imkes Fahrradtachometer, von dem man eigentlich annehmen sollte, dass es wasserdicht ist.

Rattenkalt war es zu allem Überfluss auch noch, maximal 16, minimal 14 Grad und weit weniger gefühlte Grade komplettierten die Tortur auf der psychologisch harten, da eigentlich auch noch überflüssigen Etappe, die es eigentlich nur gab, damit wir noch einmal in Ruhe die tolle Natur genießen konnten. Haha…

Wir maulten, wir fluchten, wir verfluchten das Wetter, wir wurden frustriert. Imke meinte, dass ganz Schottland langsam frustrieren würde, mir schwand die Lust noch einmal auf das Rad zu steigen und der Wetterbericht einer Tageszeitung bestärkte uns bei alledem. 3-day-forecast: windy, rain and cold in the west. Edinburgh hat nach wie vor gutes Wetter, Glasgow ist okay, der Westen säuft nach und nach ab. Zusammen mit Sonntag, wo wir vor heftigen Schauern nach der sportlich betrachtet besten Etappe der Tour nach Glencoe fuhren, hat es jetzt an vier Tagen in Folge mindestens 10 Stunden geregnet, wenn nicht sogar noch wesentlich mehr. Der heutige Abend ist zwar genauso wie der heutige frühe Morgen trocken oder zumindest nur bedrohlich bewölkt, dass hilft aber auch nicht, wenn man vorher stundenlang bei strömendem Regen auf dem Rad saß.

Wir dachten heute beide schon darüber nach die Tour ganz zu kippen, haben uns aber mehr dazu durchgerafft als entschlossen entschieden, es bis ins ursprüngliche Ziel nach Inverness zu probieren. Die Isle of Syke, faszinierend wie sie sein mag, haben wir abgehakt, einmal abgesehen von einem kurzen Stück auf der nächsten Etappe. Aber wo liegt der Sinn in einer 80-Meilen-Skye-Tour wenn es eh nur regnet und man nichts sehen kann? Die Entscheidung stimmt zwar traurig, aber es wäre einfach nur sinnlos. Man kann einfach nur hoffen, dass wir noch 1-2 schöne Tage bekommen denn eines war Schottland zu Beginn unserer (noch trockenen) Tour auf jeden Fall: atemberaubend schön.

Frierend und durchgenässt doch wieder zum zweiten Mal per Bahn in Mallaig anzukommen ist aber eine andere Geschichte und es muss morgen ganz einfach wieder besser werden.

Leider teilt sich heute Nacht auch ein älterer Trunkenbold unser Zimmer mit uns und einigen anderen Gästen. Als er ankam, roch man seine Fahne gleich meilenweit gegen den Wind, Imke quatschte er mit „Honey“ und „Sweetheart“ an und fragte einen hier wohnenden Jugendlichen, ob er nicht Bock hätte, mit ihm in den Pub zu gehen. Ein bisschen bestätigte dass den Eindruck eines gestern Abend hier schlafenden Italieners, der zuvor in Leeds gearbeitet hatte und meinte, dass die Leute hier in der Gegend immer nur besoffen sind, immer nur besoffen.

Aufgestanden wird morgen schon um sieben, damit wir die erste Fähre zur Isle of Syke bekommen. Regnet es allerdings in Strömen, wird weitergeschlafen, eine spätere Fähre genommen oder gleich noch ein Tag in Mallaig verweilt. Aber einen Tag später ausgeruht dem schlechten Wetter zu entkommen ist vielleicht auch in Ordnung, einen dritten Versuch von Glennfinnan nach Mallaig per Rad werden wir aber wohl kaum unternehmen.