Stage 9
Lipova - Devan
126,88 Kilometer; 5:04:55 Stunden

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Tagebuch während der Tour geführt von: Bernt Pölling-Vocke ( bernty@gmx.com  

„Seit 13 Jahren alle bei uns Auto fahren. Radfahrer hier Kamikaze, ich habe Angst wenn ich Rad fahren muss“
ein Freund des Pensionsbesitzers in Devan

Ein Tag, eine Straße, eine bald schon beängstigend erfolgreiche Tour: Hatten wir Istanbul überhaupt lange als vielleicht überambitioniertes Endziel betrachtet, berechnet Frank gerade, ob wir aufgrund unserer nach wie vor beinahe unglaublichen Tagespensen sogar noch einen Extraruhetag am Schwarzen Meer herausfahren können. Die Chancen scheinen gut, sehr gut…

9. Tag:

1000 Kilometer!

Die Reproduzierbarkeit unserer bisherigen Leistungen muss allerdings angezweifelt werden, denn hätten wir nicht in der Puszta zwei Tage kräftigen Rückenwind gehabt, wären wir wohl kaum 300 Kilometer weit geflogen. Hätten, wären, wenn, alles egal…

Aber auch die heutigen fast-130-Kilometer waren schon fast wieder angenehm, auch wenn Frank am letzten Hügel etwas die Puste ausging und die Etappe meinetwegen auch etwas früher hätte enden dürfen.

Angegafft wurden wir heute deutlich weniger, zumindest von der nervigsten Altersgruppe (männlich, 12-25). Der Grund? Fast ausnahmslos bretterten wir abseits größerer Städte durchs Inland, das von allen Zweibeinern im arbeitsfähigen Alter längst verlassen scheint. Verarmte, alte Leute säumten einmal wieder die überwiegend von Westeuropäern auf Urlaubsreise frequentierte Hauptstraße, auf der bulgarische Fahrzeuge klar in der Unterzahl waren. Für die lokalen Bewohner, bei kaum einem Haus stand einmal ein Auto (und wenn dann nur uralte Ladas) vor der Tür, bietet die Europastraße nur einen schnellen Blick auf vorbeirasende Touristen, unermesslich reich dahinflitzende Touristen. Supermärkte, richtige Tankstellen und selbst kleine Kioske waren entlang der Strecke absolute Mangelware, so dass man sich durchaus fragen muss, wovon die Leute leben, wo sie ohne Auto einkaufen und und und… Die traurige Antwort dürfte „nirgendwo“ lauten. Man tauscht Melonen gegen Beeren, baut ein bisschen im eigenen Garten an und lebt hoffentlich einigermaßen zufrieden vor sich hin.

Devan, unser heutiges Etappenziel, offenbarte sich am Abend als ein wahres Paradies auf Erden, zumindest für uns konsumverwöhnte Westler. Ein McDonalds mit Menüpreisen um 2,50 Euro und ein riesiger Supermarkt (welche Freude doch vollgerammelte Regale auslösen können!) ließen unsere Herzen höher schlagen. Als Dreingabe gab es sogar noch einen langersehnten (in Bulgarien muss man diesbezüglich seine wenigen Chancen nutzen!) Bankomaten dazu, der mich für 83 Euro zum dreieinhalbfachen Millionär machte. Der Besitzer unser Pension hatte uns kurzerhand zum Bankautomaten gefahren, nachdem wir ihn nach dem Weg gefragt hatten und es leichte Probleme gab, da er weder deutsch noch ich bulgarisch sprach.

 

Devan, Ziel unserer heutigen Etappe.

15 Euro kostet unsere heutige Übernachtung pro Nase, ziemlich viel für rumänische Verhältnisse, aber 

zumindest wenig für ein echt gutes Zimmer, ein wahrscheinlich exzellentes Frühstück und einen Teller Mamaglia (Foto unten) beim Schach am Abend. Hätten wir nach unserer Heimkehr vom goldenen M nicht 

Kaum in Rumänien und schon Millionär: rund 40.000 gab es für´nen Euro!

gesagt, dass wir schon essen waren, hätte man uns wohl gleich zum Abendessen eingeladen. Rumänien: Land unserer Albträume? Schon längst nicht mehr! Autofahrer winken andauernd zu und überall ist man nett und superfreundlich (okay, ein bisschen angestarrt wird man schon, einmal wurden wir auch angebettelt), 

schließlich haben wir Euros. Als Reiseland, auch für Radreisen, schein Rumänien durchaus eine Empfehlung wert zu sein, auch wenn abseits unserer Europastraße (die wiederum aufgrund des Verkehrsaufkommens nicht immer radgeeignet ist) etwas der Asphalt auszusterben scheint.

Schön ist Devan übrigens auch nicht: hässliche Plattenbautensiedlungen prägen die Szenerie, die Altstadt wurde laut Reiseführer für sozialistische Standardwohnungen, die größtenteils zu vergammeln drohen, systematisch platt gemacht. Ganz schön soll noch eine hoch über der Stadt thronende Burg sein, aber einen höhenmeterverschlingenden Fußmarsch brauchen wir heute Abend auch nicht mehr wirklich.

Update aus dem Extratagrechenzentrum: schaffen wir es von hier bis nach Bukarest (350 Kilometer) in drei Tagen (ein Pass über 1.200 Meter inklusive), haben wir uns einen Extratag am Strand verdient. Andererseits munkeln wir auch gerade wieder darüber, Bukarest ganz links liegen zu lassen und so einiges an Kilometern zu sparen, wobei Dominic (der Typ an der Grenze) uns auch eingeladen hatte, ihn dort zu besuchen. Das Tagebuch wird Antworten liefern…

Mamaglia, mmmhhh... Kein Geld dabei? Gleich fuhr uns unser Pensionsbesitzer zum Bankomaten... Schumachers Hardcore Sonnenbaden 2004:  als wäre die Sonne der beste Freund des Menschen; die rotesten Stellen werden einfach abgeklebt...
Vögels...

...und Straßenszenen aus Rumänien.

Schachbilanz (Sieg, Niederlage, Unentschieden;
Bernts Perspektive)

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