Stage 4
Znoymo - Wien
 109,15 Kilometer;  4:42:00 Stunden

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Tagebuch während der Tour geführt von: Bernt Pölling-Vocke ( bernty@gmx.com

86 gemütliche Kilometer sollten es heute bis Wien hinein werden; 86 Kilometer nach unserer rekordverdächtig frühen Abfahrt um kurz vor neun waren wir allerdings noch beinahe 25 Kilometer von unserem Schlafgemach entfernt, eine Extradistanz, die uns jede Chance raubte, von Wien noch großartig etwas angucken zu können.

Nun können wir zwar behaupten, schon einmal dort gewesen zu sein („Jaja, Wien war ich auch schon…“), so richtig etwas über die Stadt auszusagen dürfte allerdings relativ schwer fallen. Aber wie schrieb ich schon gestern oder vorgestern: der Weg ist das Ziel, 3 Wochen, Prag, Istanbul, keine weiteren Fragen.

Frank hat gerade enttäuscht festgestellt, dass auch heute Abend wieder keine Sexbücher im Schrank versteckt waren; offensichtlich hat ihm das japanische Büchlein doch zugesaugt, auch wenn die unverständliche Buchstabenmalerei nicht wirklich fantasieanregend war. Aber es gab ja auch noch das Cover…

Wien, genau, ich schweife einmal wieder ab. Andererseits auch nicht, denn außer „sah ganz nett aus; schöne Fußgängerzone“ kann ich einfach nichts schreiben. Vorm Dom haben wir noch kurz einen Fotostopp eingelegt, so manches schöne Gebäude fotografiert, dessen Bedeutung uns dabei natürlich gänzlich verschlossen blieb und am Ende stellte man nur das etwas leere Gefühl fest, dass die Tourplanung mit Hinblick auf Wien vielleicht nicht absolut optimal war.  

...ein bisschen Wien...

In diesem Kontext erscheint es einigermaßen paradox, dass wir noch nach einem Hard Rock Café fragten, dessen Besuch sicherlich einen überproportionalen Anteil unserer knappen Aufenthaltszeit eingenommen hätte, aber Nachos gehören irgendwie zu einer jeden Radtour dazu (wenngleich auch eigentlich am Ziel). Ein Hard Rock Café gab es dann aber leider (oder zum Glück) nicht, so dass wir in einer Touristenpizzeria im Stadtkern landeten, direkt…

…neben einer Pizzeria, in der ein wahrscheinlich amerikanischer Jugendlicher Platz genommen hatte, den Frank vor unserer Fahrt ins Zentrum (Straßenbahn) nach dem Hundertwasserhaus gefragt hatte. Zufall? In Anbetracht der Unzahl an Restaurants bestimmt, aber als wir nach einem Rundgang durchs abendliche Wien wieder in unserem Hotel ankamen, marschierte derselbe Kerl gerade auf unserem Flur herum. Entweder es sind Drillinge (oder Fünflinge, man kann ja nicht alle an einem Tag treffen), oder es ist so eine Art Wunder…

Man merkt es schon; wir sind in (im Tagebuch habe ich hier unbewusst „Prag“ geschrieben) Wien und ich

...Frank auf dem etwas weiter als gedachten Weg nach Wien...

 schreibe über Jugendliche, nicht aber über Kaffeehäuser, Opern oder, na ja, den Rest wegen dem Leute nach Wien fahren (viele Leute, meinem ersten und auch gleichzeitig letzten Eindruck nach). Was auch immer, war aber schön hier, gell?

Etappenmäßig war es heute schon fast angenehm flach, auch wenn von ostfriesischen Verhältnissen keine

 Rede sein konnte. Landschaftlich war es leider etwas mau, da die Ösis nördlich von Wien ordentlich das Hackebeil geschwungen haben und es außer endlosen Feldern in der Kornkammer Österreichs wenig zu

 sehen gibt. Eine Weile mag das zufrieden stellen, vor allem wenn man weitestgehend vom starken Rückenwind profitiert, verbirgt sich aber heute auch hinter dem x-ten Hügel nur einmal mehr ein Haufen Felder, kommt es schon zum einen oder anderen déja-vu. Obendrein wurde es heute auch phasenweise recht kühl, da das Thermometer nicht immer oberhalb von 20 Grad verweilte. Für den Sommer 2004 war es aber immer noch recht gut, würde ich sagen…

So, genug für heute. Gestern prognostizierte Frank 86 Kilometer, morgen sollen es 121 sein. Lassen wir uns überraschen (wild guess: es könnte mehr werden). Österreich haben wir dann schon hinter uns gelassen, befinden uns näher an der Slowakei als am Ösiland und haben mit ungarischem Boden unter den Füßen schon das dritte Land am fünften Tag erreicht. 

Schachbilanz (Sieg, Niederlage, Unentschieden;
Bernts Perspektive)

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