Stage 3
Humpolec - Znoymo
 120,19 Kilometer; 4:50:49 Stunden

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Tagebuch während der Tour geführt von: Bernt Pölling-Vocke ( bernty@gmx.com )

Rollentausch 2004, zweiter Teil

Nachdem ich Frank heute früh geweckt hatte (was ungefähr so oft vorkommt, wie das ich eine Etappe schneller als er absolviere), verschwand ich nach einem geradezu hereingeschlungenem Frühstück in einem kleinen Radladen, der sich zufälligerweise um die Ecke angesiedelt hatte. Zum Glück konnte man mir, den Radelgöttern sei Dank, binnen einer Dreiviertelstunde eine neue Gabel einbauen. Zwar war der bisherigen Schaden aller Wahrscheinlichkeit nicht bedrohlich, eine Abfahrt mit 52 km/h macht allerdings schon etwas mehr Spaß, wenn die vordere Gabel ganz ist.

Rad heil, Magen voll, Strecke toll: abseits starkbefahrener Landstraßen juckelten wir von morgens bis abends über einen Hügel nach dem anderen, so dass erneut die 1.000 Höhenmeter deutlich überboten wurden. Mindestens zehn Mal lauerten richtig knackige Anstiege im zweistelligen Prozentbereich auf uns, wobei die Anstiege allesamt recht kurz waren. Aber Kleinvieh macht bekannterweise auch Mist, um mal einen Griff ins Phrasenschwein zu wagen, oder in diesem Fall mehr Höhenmeter als erwünscht (die 1.000er Marke wurde gestern nach 85 Kilometern erreicht, heute dauerte es zwei Kilometer länger).

Pervers, einfach nur pervers waren unsere heutigen Durchschnittsgeschwindigkeiten. Frank produzierte mit 23.3 eine historisch als bemerkenswert zu bezeichnende Geschwindigkeit, ich allerdings strampelte mit 24.7 die schnellste Etappe all unserer Touren, sei es nun nach Paris, Barcelona oder quer durch Italien. Frank philosophierte schon darüber, was ich ohne Gepäck auf die Straße bringen würde, aber eigentlich spielt das auch keine Rolle. Wie schon gestern kann man einfach nur hocherfreut sein, dass die ausgedehnte Vorbereitung einen dazu in die Lage versetzt, auch nach 100 Kilometern noch 5% Steigung mit 16-17 km/h zu radeln. Ich bin mir aber sicher, dass Geschwindigkeiten wie heute spätestens auf den Buckelpisten Rumäniens aussterben werden. Aber bis dahin ist es noch ein langer Weg…

Landschaftlich war es heute durchweg schön, wenngleich auch nicht berauschend. Gemütlich zu fahrende Nebenstraßen, schattenspendende Wälder und unspektakuläre Städtchen säumten unseren stets hügeligen Weg. Auch waren erneut Unmengen weiterer Radfahrer auf der Piste, wobei Tschechien von der Charakterisierung „überlaufen“ (außerhalb von Prag) meilenweit entfernt ist. Keines unserer Hotels war bislang ausgebucht (außer einige in Prag), gestern schliefen außer uns nur zwei weitere Gäste im Haus und auch heute würde es mich schwer wundern, wenn es noch mehr Urlauber in unsere abgestorbene Herberge verschlagen hätte. Gesehen habe ich zumindest noch niemanden…

...unser Hotel in Znoymo...

 

…und am zweiten Tag kam der Schmerz:

Nach der Preisung unserer Leistungen miss ich leider noch anmerken, dass mir mein linkes Knie einmal wieder Probleme macht. Erinnerungen werden wach an ähnliche Tage, beginnend bei der Vorbereitung auf die Tour nach Barcelona vor immerhin 4 Jahren. Ich hoffe allerdings darauf, dass, wie auch schon in der Vergangenheit, das fiese Stechen nicht zur Dauerbegleitung wird. Flachere Etappen würden sicherlich auch helfen, aber danach sieht es 

...aus dem Werbeprospekt des Hotels: sollen hiermit gezielt Pädophile angesprochen werden? Alter Knacker an der Theke, lecker Bier, Cola für die zwei Mädels links und rechts vom Gast...

vorerst nicht aus. Weitere stechende Schmerzen fügte mir heute auch ein Wespen- oder Bienenmistvieh zu, dass sich in meinem T-Shirt-Ärmel verfing und am Brustkorb seine Munition abfeuerte. Für Frank war der Fall natürlich gleich wieder klar, da ich solcherlei Missgeschicke mit meinen Klamotten Größe XXL ja auch geradezu provozieren würde (sie Stichstatistik von Italien, ich 5x, er nie, scheint dies zu untermauern), aber wenn ich jetzt auch noch windschnittige Jerseys tragen würde, wäre sein Rückstand auf das nichtexistierende gelbe Trikot schon deutlich größer.

Für alle späteren Tschechien-Radreisenden kann ich nur hoffen, dass die baldige Zwangseinführung des 

Euros (einem Zeitungsartikel nach finden die meisten Tschechen, dass sie den Euro gar nicht erst haben wollen) nicht dieselben Folgen wie bei uns hat. Sicherlich wären dann, dem tollen Teuro sei Dank, die schönen Zeiten bald vorbei, in denen man drei Tage mit 2.500 Kronen durchs Land reisen kann, ohne dabei großartige Preisvergleiche bei Unterkunft oder Logis anstellen zu müssen. Auch Radläden in Deutschland sollten sich mal eine Scheibe von ihren tschechischen Gegenspielern abschneiden: meine neue Gabel wurde für etwa 100 Kronen montiert, eine Summe, für die man bei explizit als negativ hervorzuhebenden Radläden wie Bikes und Speiche in Oldenburg das Personal nicht einmal dazu kriegen könnte, eine einsame Schraube festzuziehen.

Schachbilanz (Sieg, Niederlage, Unentschieden;
Bernts Perspektive)

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