Stage 2
Prag - Humpolec
 120,59 Kilometer;  5:19:55 Stunden

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„ich glaube, es liegt auch am Rad, dass ich so langsam bin“, Frank zu seinen Form"problemen" zu Tourbeginn

Tagebuch während der Tour geführt von: Bernt Pölling-Vocke ( bernty@gmx.com ) 

Tag zwei der diesjährigen Monstertour verlief eigentlich so wie Touren immer verlaufen. Der eine muss gelegentlich auf den anderen warten, der andere hat dafür eine höhere Höchstgeschwindigkeit für die Statistik und abends gewinnt derjenige, der zwischendurch immer warten musste, beim Schach. Der uneigentliche 

Vor der Abfahrt in Prag. Alles fit?

Unterschied im Vergleich zur Vergangenheit liegt lediglich darin, dass zwar Frank beim Schach gewann, dafür aber auf der Strecke den typischen Bernt machte; keinesfalls langsam oder unfit, dafür aber ganz einfach einen ordentlichen Tick langsamer. In Zahlen, etwas Eigenlob muss einmal erlaubt sein, hatte ich am Ende 26-27 Minuten Vorsprung aufs gelbe Trikot gesammelt, was ein absolutes Novum in der fünfjährigen Radelgeschichte ist (einmal abgesehen vom Mount Ventoux und ausgeglichenen Etappen, wo ich hier und da 3-5 Minuten weniger brauchte).

Gelbes Trikot? Aber ihr fahrt doch kein Rennen, oder?

Natürlich nicht, alles andere als das, aber es ist schon schön, wenn man merkt, dass sich rund 1.800 Kilometer Vorbereitung und mehr als 8.000 Höhenmeter dabei gelohnt haben. Ich weiß zwar nicht, ob ich zu Tourbeginn schon einmal fitter war, leichter war ich aber noch nie (auch wenn es nur 2-3 Kilo sind; dieses Jahr 82 zu Beginn) und mehr trainiert habe ich erst Recht nicht. Außerdem ist die Tour sowieso noch lang, ein tatsächliches gelbes Trikot gibt es am Ende

 auch nicht und Frank meinte schon, dass er ja auch immer erst im Laufe der Tour richtig auf Touren kommt. Das wiederum bringt uns in den Bereich der…

…Amateurpsychologie. Bekannterweise, auch wenn jeder dieses verneinen würde, sind die vom Gehirn ins Gedächtnis eingespeicherten Informationen Resultat eines subjektiven Filters, was auch dazu beiträgt, dass ich die Schachspielerei als angenehmer in Erinnerung hatte, als sie tatsächlich ist. Natürlich ist es kein Gedächtnisfehler, wenn Frank meint, dass er erst im Laufe der Tour in Form kommt, ein Fehler ist allerdings, dass er heute meinte, dass ich ja immer am Anfang der Tour besser (als er) drauf bin und er sich dann berappelt. Natürlich kann der subjektive Filterfehler auch bei mir liegen und ich war bislang zu Beginn doch stetig flotter als er, dies zweifele ich jedoch stark an…

Erste Impressionen aus Tschechenland.

 

Man lasse die Statistiken sprechen (Nachtrag beim Abtippen des Tagebuches): Köln – Barcelona 2001: Frank bessere Zeit auf den ersten acht Etappen, ich erst dann erstmals schneller, Italienrundfahrt 2002: Frank ersten sieben Etappen schneller. Mein subjektiver Filter gewinnt somit gegen seinen…

Wie auch immer, gelbe Trikots gibt es immer noch nicht, aber ich bin schon (kurz ein paar O-Töne von Frank: „ich glaube, es liegt auch am Rad, dass ich so langsam bin“; klingt wie bei der Wagenabstimmung in der Formel 1…) zufrieden, wenn ich nicht jeden zweiten Tag auf einen am Straßenrand buchlesenden Frank zuradeln muss (Frank hat gerade im Nachttisch ein japanisches, diskret eingehülltes Sexbuch entdeckt, witzige Herberge…).

 

Und der Tag?

Kaum Wind und wenn dann nur von hinten, nicht verfahren, keine echten Berge, Stopp, Moment, ein verfluchter Misthügel nach dem anderen, zumeist ordentliche Straßen, wohl auch Sonntagsbedingt kaum Verkehr, Unmengen an Radfahrern (Rennradausflüge von Einheimischen, keine Bekloppten auf dem Weg ans Ende des Kontinents wie wir), gutes Wetter, viel Sonne, quasi schon fast ein Radeltraum, auch wenn die letzten 4-500 Höhenmeter nicht wirklich nötig gewesen wären.

Positiv überrascht auch das Land selbst. Asiges Ostblockflair werden wir wohl frühestens in Ungarn erleben. Zwar knattert gelegentlich ein elendig jappsender Trabbi an uns vorbei, betrachtet man aber den Zustand der Straßen und Häuser, hat man auch in Italien oder Spanien schon wesentlich Schlimmeres gesehen, aber dann auch noch (aus touristischer Perspektive) in viel viel teurer. Tschechenland ist Primaland!

 

 

 

Schachbilanz (Sieg, Niederlage, Unentschieden;
Bernts Perspektive)

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