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Stage 18 | ![]() |
| Malko Taranvo - Saray | ||
| 125,69 Kilometer; 6:11:05 Stunden | ||
Tagebuch während der Tour geführt von: Bernt Pölling-Vocke ( bernty@gmx.com )

Fucken
Hello, what is your name my ass, dude…
…oder so könnte das Motto des Tages lauten. Am Fernseher laufen gerade alle Nationen der Welt im
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| Das letzte Frühstück vor der Türkei. | |
scheinbar rechtzeitig fertig
gebauten Athener Olympiastadion ein, die Decke im Bad ist fest in der Hand von
Familie Schimmel und unsere erste Übernachtung im Türkenland ist angenehm
preiswert, ca. 16-17 Euro. Was übrigens absolut lächerlichen 28.000.000 Dinar
entspricht.
Erinnerungen an längst vergessene Zeiten
in Deutschland werden wach, Zeiten, aus denen wir noch ein paar Geldscheine mit
fast genauso vielen Nullen zu Hause haben. Hier sollten auch mal Scheine mit
noch mehr Nullen durch die Druckerpressen gejagt werden, denn der größte verfügbare
Schein (20 Millionen) ist gerade einmal 11-12 Euro wert. Heute. Morgen
vielleicht nur noch die Hälfte…
Zweifelsohne muss ich zugeben, heute absolut platt zu sein. Ausreden wie Zerrungen, Magenverstimmungen
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| Letzte Entspannung mit "Vernon God Little" in Bulgarien am frühen Morgen. |
oder ähnliche Beschwerden gibt es nicht,
es war ganz einfach das sportliche Pensum, dass mich heute geplättet hat.
Gleich 400 Höhenmeter auf den ersten 10 Kilometern zur türkischen Grenzen hinauf legten den Grundstein
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| Guten Morgen: 38 Grad, 7 % Steigung, 8,5 km/h... |
für die sportlich vielleicht größte
Herausforderung der Tour. Keine Wolke sollte uns von morgens bis abends etwas
Schatten spenden und schütze in Bulgarien noch etwas der Wald, war es um die
Vegetation in der teilweise wüstenähnlichen Türkei schnell geschehen. Und die
Sonne briet herab, bis zu 40 Grad zeigte mir mein von den Toten
widerauferstandenes Thermometer an. Auch der Höhenmesser tat wieder, wofür ich
ihn gekauft hatte. Wie ich ihn repariert hatte? Mehrfach resetten, zwei Mal auf
den Boden werfen, geht wieder… (vor allem letzteres half!)
Die Hitze hatte es heute auch auf den türkischen
Asphalt abgesehen, der mehr als in jedem anderen Land zuvor Probleme mit der
direkten Sonneneinstrahlung hatte und geradezu aufzuweichen begann.
Abschnittsweise quälte man sich über einen geradezu stinkenden Teerteppich,
der einen Großteil der Kraft auffraß, das Tacho unter 20 rutschen ließ und
dem wackeren Radler das Gefühl gab, als hätte jemand die
Straße
mit einem riesigen Pritt Stift vollgeschmiert. Ein Schnitt von 24 ist so kaum
machbar.
Auch nicht wirklich vorteilhaft sollte uns heute der Wind gesonnen sein, der uns auf den ersten fünfzig Kilometern bis nach Kurklareli direkt ins Gesicht blies. Auch danach kam er meistens von schräg vorne („Bei einer
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| Verfolgerfeld abgeschüttelt: In der Türkei verfolgten / folgten uns unzählige Kinder... |
Abfahrt dachte ich, es kommt ´nen
LKW von hinten, so laut war der Wind“ – Frank), was zusammen mit den
stinkenden Klebestraßen keine Kombination für komfortables Reisen war.
Die Türken selbst erwiesen sich jedoch, ganz anders als ihr Land oder die Natur, als überaus freundliche
Gastgeber. Noch nie wurden wir
dermaßen oft angehupt oder angebrüllt wie heute, wobei die äußeren Umstände
sicherlich dazu animierten, Idioten wie uns zur Kenntnis zu nehmen. Wer an
einem
Tag, an dem sich kein Köter auch nur einen Zentimeter aus dem Schatten bewegen
würde, 130 Kilometer durch eine Teersuppe radelt, muss schon bekloppt sein.
Etwas aufdringlich sollten jedoch einmal
wieder die kleineren Jungen sein, die einen nicht nur ständig dorfein, dorfaus
mit dem einzig englischen Satz nervten, den sie alle kannten („Hello, what’s
your name?“), sondern oft auch unsere Räder angrabbeln oder von unserem
Proviant schnorren wollten. Kleine Mädels sah man hingegen gar nicht auf der
Straße, was jetzt wieder Vorurteile über gewisse Gesellschaften und ihre Werte
und Normen unterstreichen könnte. Positiv scheint jedoch, dass die weibliche
Kopftuchfraktion zumindest in den Städten beinahe in der Minderheit schien.
Auch gewöhnungsbedürftig ist der laut
über die Dächer schallende Krach, der mehrmals am Tag von den Moscheen aus
losträllert. Eine Formulierung wie diese mag sicherlich vorurteilsbelastet
sein, meiner Meinung nach jedoch hat
einer Religion immer etwas persönliches zu sein und nicht ein Medium, dem man
als
Bewohner einer Region, persönliches Verhältnis zur Religion hin oder her,
zwangsausgesetzt wird. Wer mir jetzt mangelnde Toleranz in der Fremde vorwirft,
bitte, aber mein Recht auf Meinungsfreiheit lasse ich mir auch nicht nehmen.
Meinetwegen kann auch ein Kopftuch tragen wer will, ob jetzt
als
Lehrerin in Deutschland oder hier, aber die Entscheidung dafür sollte auf
eigenen, rationalen Überlegungen beruhen und nicht durch eine restriktive
Gesellschaft vorweg genommen werden. Wer das im Zweifelsfall als Außenstehender
entscheiden kann ist sicherlich fraglich, aber fraglich ist auch, warum die
Vereinigten Arabischen Emirate gerade ohne eine einzige Athletin in Athen
einliefen.
Ganz spurlos ging die heutige Etappe übrigens
auch an Frank nicht vorbei, der jedoch gegen Ende hin noch etwas Aspirin und
einen Kohlehydrateriegel einschmiss und leicht gedopt ein mehr als respektables
Finish hinlegte.
2180 Kilometer liegen am heutigen Abend,
am Vorabend der letzten Etappe, hinter uns. Mehr als 2300 werden
es, allerletzte Zwischenfälle ausgeschlossen, morgen sein. Sicherlich wird man
sich freuen, morgen in Istanbul einzufallen, das unmöglich erscheinende Ziel
erreicht zu haben (hätten wir bei Flugbuchung schon gewusst, wie weit es tatsächlich
ist, wären wir gleich ab Wien geradelt), aber ein wenig spielt auch die Trauer
(ein etwas
zu
scharfes Wort) mit, dass unsere großartige Tour ihr Ende finden wird. Natürlich
freue ich mich schon wieder auf die Heimat, auf Freunde und Freundin,
schimmelfreie Decken, Regenwetter und ordentlichen Asphalt, aber
nichtsdestotrotz ist das Ende einer Radtour, oder wie in diesem Jahr einer
Expedition in den Osten, kein absolut freudiges Ereignis.
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| Bissel Schimmel an´ne Decke, woll? |
wir heute Abend einkehrten, sprach niemand Englisch, so dass der Chef prompt seine Tochter zu Hause anrief, die uns telefonisch die Karte übersetzte. Wo ein Wille ist, ist ein Weg (und wenn er weit ist, kommt man auch mit dem Rad immer an!)…
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Schachbilanz
(Sieg, Niederlage, Unentschieden; |
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