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Stage 16 | ![]() |
| Bjala - Sozopol | ||
| 115,46 Kilometer; 5:26:30 Stunden | ||
Tagebuch während der Tour geführt von: Bernt Pölling-Vocke ( bernty@gmx.com )

Der Plan war gut. Fast zu gut, möchte
man sagen: Heute vierzig Kilometer bis Nesebar und ab an den sonnigen Strand, ab
in den wohlverdienten Urlaub! Unterwegs würde der fieseste Hügel der
bulgarischen Schwarzmeerküste zwischen Obzor und Vlas auf uns warten, wäre
aber bei der moderaten Gesamtdistanz
kein
großes Hindernis. Morgen, so der Plan, würden wir dann bis nach Sozopol erneut
nur rund 75 Kilometer radeln und uns ab Mittags nochmals an den Strand pflanzen,
bevor der Ziellauf nach Istanbul beginnen würde. Fragt sich in angesichts
dieses recht entspannten Planes letztlich nur, weshalb
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| Ja
wo kommen denn die meisten Touristen her? Straßenschilder auf deutsch gab es bislang auch noch nicht. |
wir heute schon in Sozopol sind.
Fragt sich auch, wieso es in Deutschland
nach wie vor wesentlich wärmer und auch trockener als hier, im südöstlichsten
Europa, ist.
Den baldigen Strand vor Augen ließ sich
der heftige Anstieg zu Tagesbeginn relativ gut bewerkstelligen, obgleich mir
auch Franks Konstanz etwas fehlte und ich die 741 Höhenmeter auf den ersten 32
Kilometern für etwas mehr Pausen nutzte. Dabei traf ich, vollkommen überraschend
in diesen Breitengeraden, auch die beiden Radtouristen seit Tagen (die gerade
ihre lange Abfahrt vom Gipfel genossen). Zwei Mädels aus Serbien-Montenegro
hatten sich ihre Räder geschnappt, eine 2000+ Kilometer lange
Albanien-Mazedonien-Griechenland-Bulgarien-Bukarest-Tour in Angriff genommen und
wünschten mir zum Abschied noch viel Spaß mit dem weiteren Anstieg. Selbst
Albanien scheint also radtauglich zu sein. Und ich machte mir Sorgen wegen Rumänien…
Spaß mit dem Anstieg hatte ich allerdings weniger. Vielleicht setzt nach fast 2000 Kilometern eines Tages so etwas wie eine grundlegende Erschöpfung ein, vielleicht auch nicht. Wie dem auch sei, hatte ich auch trotz vollkommen überstandener Kotzeritis (selbst die Stimme ist wieder fast ganz da) ganz einfach keine greifbaren Kraftreserven zu Beginn des Tages, quälte mich den Berg hinauf und wusste, dass Etappen wie am ersten Tag (zur Erinnerung: 1400 Höhenmeter und einen Durchschnitt von über 24) nach zwei Wochen einem Ding der Unmöglichkeit gleichkommen. Normalerweise würde man denken, dass man sich im Verlauf einer
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| Blick auf Nesebar vor der Abfahrt nach 741 Höhenmetern auf den ersten 32 Kilometern. |
solchen Tour steigern müsste, mir
scheint es aber, als wären die ersten Tage der Tour so etwas wie mein Formzenit
gewesen, von dem aus es eigentlich seitdem nur noch bestenfalls seitwärts
vorangeht. Es mag aber auch an der überstandenen Krankheit, den Tonnen Sand und
Mist aus Rumänien an Kette und Schaltung oder sonst was liegen, wer weiß…
Strand, Sonne, Erholung: nichts wünschte
ich mir mehr als wir nach vierzig Kilometern zur beliebten Tätigkeit
„Hotelsuche“ übergingen. Bei Sonnenschein, sei an dieser Stelle angemerkt.
Und unheimliches Glück im Unglück haben sollten…
…in Hotel 1 hieß es, dass ein Zimmer frei wäre, dann aber immer nur „one second“, „one minute“, bis ich entnervt ging…
…Hotel 2 hatte 4 Sterne und kostete 80 Euro. Tschüss…
…3 war voll…
…bei 4 wusste
man erst in dreißig Minuten, ob eventuell ein Zimmer frei wäre. Das würde
dann dreißig Euro kosten, wäre wahrscheinlich auch verfügbar, aber so genau wüsste
es nur die gerade abwesenden Chefin…
…Hotel 5 war voll…
…Hotel 6 würde
15 Minuten brauchen, um es zu wissen. Wir warteten, das Zimmer wurde frei,
bezugsfertig wäre es allerdings erst in drei Stunden.
„Ob das alles eine gute Idee ist“?,
murmelte ich noch, bevor uns der Himmel die Entscheidung abnahm und der
Strandtag aus unseren Gedanken kräftig weggespült wurde. „Die letzten beiden
Tage war es hier immer trocken“, meinten ein paar Touris, die zusammen mit uns
Unterschlupf unter dem Empfang des Hotels
suchten.
Und fassungslos dreinstarrten, als es erst regnete, dann schüttete und dann
goss. Zwei Stunden sollte das Fegefeuer der Wettergötter andauern, die halbe
Stadt unter Wasser setzten (Kinder schwammen mit Luftmatratzen auf der Straße,
verzweifelte Ladenbesitzer retteten ihr Hab und Gut in dem sie mit Besen die
Wassermassen in Gullys manövrierten und wir entschieden uns, in unsere
Regenklamotten zu steigen). Ein Strandtag mit kaltem Matschstrand ist immer noch
schlechter als ein Regentag auf dem Rad, bilanzierten wir und radelten zum
eigentlichen Ziel der morgigen Etappe, Sozopol. Sofort beschlossen wir jedoch,
dass in Sozopol der Strandtag als ganzer Ruhetag nachgeholt werden würde,
Wetter hin oder her.
Ein Ruhetag, den wir uns
verdienen sollten.
Nur überschwemmte Hauptstraßen lagen
auf unserer Route nach Sozopol, der Großraum Burgas war auch mit
dabei und weder schön noch schwach befahren und die letzten dreißig Kilometer
wurden zu einem letzten Endes verlorenen Rennen gegen den Regen, der sich ab
Burgas in Form tiefdunkler Wolken hinter uns abzeichnete. Witzig war auch eine
geschlossene Tankstelle kurz vor Burgas, die ungeschickterweise etwas unterhalb
der Straße angelegt worden war und schließen musste, als die Zapfsäulen tief
im Wasser versanken.
Zwei Mal Regen, anfangs der fieseste Anstieg der bisherigen Tour, das emotionale Loch als der Strandtag ins Wasser fiel und zu einer Regenetappe wurde: wieder einmal eher eine Arbeitsetappe als ein
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| Sommer 2004: Straßen unter Wasser. |
Streckenabschnitt, von dem ich noch in
Jahren schwärmen werde. Aber scheint morgen die Sonne, ist mir und auch Frank
alles egal. Und gießt es ohne Ende, bunkern wir uns mit unseren Büchern in
einem Hotel ein, freuen uns, dass wir nicht radeln müssen und sind dann fit für
die letzten drei Etappen nach Istanbul, welches, einst so schier unerreichbar,
nur noch 330 Kilometer entfernt sein würde.
Tragischerweise gab es gestern wieder
Terroranschläge in Istanbul, bei denen zwei Touristen ums Leben kamen.
Sicherlich sollte man nicht erst über rumänische Europastraßen radeln und
dann Angst davor haben, in einer Millionenmetropole bei einem Terroranschlag
Schaden zu nehmen, aber ein mulmiges Gefühl beschleicht mich schon. Istanbul
wurde dieses Jahr nicht gerade zum ersten Mal aufs Korn genommen. Sowieso ist es
schrecklich, dass solcherlei Gedanken überhaupt aufkommen, sobald es darum
geht, wohin man in den Urlaub reisen möchte (oder eben nicht) oder sollte, aber
dem Zusammenspiel der Wohlstandsverhältnisse auf der Welt, der US-Politik und
den Religionen zum Dank fühlt man sich in der globalisierten Welt außerhalb
des eigenen Vorgartens seltsam bedroht. Das mag sicherlich irrational sein, aber
wenn im Stadtbus von Istanbul ein Typ seinen Rucksack vergisst, hätte ich
bestimmt ungeheure Angst, gleich vor Allah, Gott oder Zeus treten zu müssen.
Vor fünf Jahren hätte ich den Busfahrer gebeten, kurz anzuhalten, um dem Typen
seinen Rucksack zurückzubringen. Zwischenmenschliche Fortschritte sehen anders
aus und zweifelsohne treibt der globale Terror (im Sinne von Chomsky sowohl der
„terror or the emperor“ als auch der „terror of the pirate“) einen
Angstkeil zwischen die Kulturen, was noch viel schlimmer als der Terror selbst
ist. Prinzipiell ist es eh schon schlimm, dass das Trendwort „Terror“ auf
einer Homepage wie dieser
auftaucht.
Frage zum Schluss:
Wieso steht in Reiseführern immer, dass man Geld nicht außerhalb von Banken
oder Wechselstuben wechseln sollte?
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Schachbilanz
(Sieg, Niederlage, Unentschieden; |
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