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Stage 15 | ![]() |
| Dobric - Bjala | ||
| 123,55 Kilometer; 5:31:51 Stunden | ||
Tagebuch während der
Tour geführt von: Bernt Pölling-Vocke ( bernty@gmx.com
)
Drei Tage nachdem ich zuletzt am Abend
relativ zeitgerecht die Zeilen des Tagebuches füllte, ist es heute wieder
soweit, dass mir nicht danach ist, sofort in die Kiste zu fallen. Glücklicherweise
sind heute auch alle Nahrungsmittel, an die ich mich vorsichtig herantastete,
drin geblieben. Schlapp bin ich zwar immer noch, was nach zwei Tagen ohne
richtige Nahrung und mehr als 200 heiße Kilometer auch nicht weiter
verwunderlich
ist,
aber die Tendenz zeigt wieder klar nach oben, das gelbe Trikot scheint gerettet.
Statt Nahrung gab es auf den beiden vorherigen Etappen jeweils Tagesmaximaldosen
Aspirin und Antikotzmittel, was sicherlich die sportliche Leistungsfähigkeit
ins Unermessliche steigert. Man nennt es „Urlaub“…
Irgendwann fragte ich mich während der
glücklicherweise überstandenen Tortur, wann man an dem Punkt angelangt ist, an
dem gar nichts mehr geht. Oder was genau danach kommt. Fällt man um? Einfach?
Plumps? Tschüss und aus? Wie nah war ich dran? Reicht Schwindel, Kopfschmerz,
Kraftlosigkeit und sporadisches Kotzen aus oder nicht?
Wohl nicht. Man legt sich einfach fünf bis zehn Minuten auf die Straße, wird dabei höchstens von der Polizei angesprochen und dann geht es wieder weiter. Stets hofft man, dass es besser wird, aber meistens sind es dann nur die 12-14 Stunden, die ich in den letzten beiden Nächten geschlafen habe, die einen wieder einigermaßen zur Erholung kommen lassen. Heute ist zum Glück alles wieder in Ordnung, dass Omelett zum Frühstück schmeckte wieder, das Buffet wurde ein ums andere Mal ausgeraubt und einzig und allein die
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| Dobric am morgen... |
akuten
Kommunikationsschwierigkeiten begleiten mich noch. Meine Stimme wird wohl noch
ein paar Tage brauchen, um sich wieder von der Kotzorgie zu erholen.
Kratz-kratz-kröch, mehr geht nicht. Why do you do this? Man könnte sich die Frage andauernd stellen…
Vielleicht weil es einfach ganz schön
ist, so wie heute eine sportlich
ordentliche
Etappe in fremden Gefilden auf den Asphalt zu braten. Bulgarien ist zwar
wirklich nicht mehr so spannend wie Rumänien, den Bulgaren selbst wird es aber
Recht sein (da der Spannungsgrad hier analog zum Armutsgrad verläuft). Ärmlich
wirkt diese Region Bulgariens auf gar keinen Fall, auch wenn ich es anders
erwartet hatte. Sicherlich darf hier der Einwand geltend gemacht werden, dass
die von ausländischen Touristen überflutete Küstenregion kaum für die
wirtschaftlichen Verhältnisse Bulgariens repräsentativ ist. Beurteilen kann
ich es aber nicht, da wir uns vorzugsweise nur an eben jener Küste aufhalten
werden.
Hotelburgen wie an der Costa Brava als
Errungenschaft zu betrachten, ist zwar bestenfalls ein zweischneidiges
Schwert, andererseits gehe ich kaum davon aus, dass die ganze Region das plötzlich
gelöste Problem der Massenarbeitslosigkeit gerne gegen etwas mehr heile Küste
eintauschen würde. Der einzig touristisch nicht genutzte Bereich, der Großraum
Varna, war übrigens mit Abstand am hässlichsten und verschmutztesten, da Varna
nichts als ein riesiges Moloch von Hafenstadt ist. Das Ankh Morpork Bulgariens,
könnte man meinen…
Als nicht ganz so einfach wie erhofft sollte sich die Flucht aus Varna herausstellen, verfuhren wir uns doch zuerst und landeten dann etwas unglücklicherweise auf der Autobahn. Richtig bekümmerte uns der kleine Fahrfehler jedoch nicht,
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| Frank auf der Flucht vor dem Regen. |
schließlich gab es ja einen
Standstreifen, mäßig viel Verkehr, drei Spuren sowie eine Abfahrt auf eine
richtige Landstraße nach rund zehn Kilometern. Laut unserer Karte hätte die
Autobahn auch gar nicht da sein dürfen, wo sie war, so dass uns auf gar keinen
Fall die Schuld treffen konnte.
Traumhaftes Wetter wurde uns für unseren ersten Tag am Meer leider nicht gegönnt. Man sollte sich schon glücklich schätzen, dass wir zwanzig Kilometer nördlich von Varna noch eine sonnige Pause am Strand verbringen durften; der Rest des Tages wurde oftmals von bedrohlich dunklen Wolkenmassen bestimmt, die
sich jedoch gnädigerweise nie in unserer
Anwesenheit abregneten. Zum Radeln war es so jedoch zumindest einigermaßen
angenehm und angenehmer, als es daheim gewesen wäre. Laut den Nachrichten hatte
Köln heute 35 Grad, Osnabrück 33! Puh, die armen Deutschen, schwitzend und
dahinsichend! Bei uns, am Schwarzen Meer, ungleich südlicher als in
Deutschland, stieg das Thermometer selbst direkt in der Sonne stehend kaum über
dreißig Grad und verharrte ansonsten in angenehmem Mitt-20er-Bereich.
In Anbetracht der bisher durchradelten Länder und Regionen ist mir als theoretisches Diplomarbeitenthema so etwas wie „Das Zusammenspiel touristischer Entwicklung, regionaler Einkommensdifferenzen und Konzentration der Straßenprostitution“ eingefallen, denn als heute die Küste wieder näher und näher kam, glich das Bild an den Haltebuchten entlang der Straße wieder dem Bild im Umfeld von Budapest, während in Bukarest oder eigentlich ganz Rumänien selbst das horizontale Gewerbe tief in der Rezession zu stecken scheint. Auch streunende Hunde könnten als Wohlstandsindikator der etwas anderen Art herhalten, hat die
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| ...ein kleines bisschen Chaos am Abend... |
Anzahl der kläffenden Mistviecher doch stark abgenommen, seitdem
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| Der Strand von Bjala. |
wir bulgarischen Boden unter den Rädern haben (nachträgliche
Anmerkung ein paar Monate nach der Tour:
bin gestern Abend zum ersten Mal von einem Hund gebissen worden, als ich einem
jungen Wauwau einer Bekannten den Kauknochen klauen wollte…). Nichtsdestotrotz
wurde ich heute zumindest einmal von zwei wild bellenden Mistviechern durch eine
kleine Ortschaft gejagt, zur Erhöhung des Schwierigkeitsgerades sogar bergauf.
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Schachbilanz
(Sieg, Niederlage, Unentschieden; |
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