Stage 13
Bukarest - Calarasi
 119,13 Kilometer;  5:16:53 Stunden

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Tagebuch während der Tour geführt von: Bernt Pölling-Vocke ( bernty@gmx.com

"To be quite honest, I didn't expect you to leave
Bucharest on that torrential rain and I thought I'd find you with my brother
watching some film or playing cards. I couldn't leave the hospital because
the rain was so thick I couldn't see a thing."

Dominics Schwester Ruxi in einer E-Mail nach unserem Urlaub

Wieder einmal gut erholt vom eminent wichtigen Ruhetag in Bukarest machten wir uns auf den Weg an die bulgarische Grenze, nach Calarasi. Leider hat sich vor uns schon das gute Wetter aus Bukarest verabschiedet, welches uns unseren Ruhetag versüßt hatte.

„Versüßt“ ist vielleicht auch etwas übertrieben wenn man bedenkt, dass wir am Nachmittag vor Hitze stöhnend in Dominics Appartement ausharrten und außer Erholung nicht viel auf dem Programm stand. Während Frank pennte überlegte ich mir noch kurz mit meinem Buch zu McDonalds zu verschwinden und mich mit einem Eis ein paar Stunden in den klimatisierten Räumen aufzuhalten, entschied mich dann aber doch dagegen.

Am Vormittag hatte Dominic mit uns Ceauşescus Protzpalast besichtigt, uns mittags noch ein mäßig spannendes Museumsdorf vorgeführt und uns dann bei seiner Großmutter abgeliefert, die mit einem 4-5 Gänge-Menü auf uns wartete. Dem guten Herrn Ceauşescus muss man schon einen gewissen Größenwahn unterstellen. Lediglich das Pentagon in Washington ist noch größer als sein Prunkbau, für den 150 Zugladungen Marmor nach Bukarest geschafft wurden. Flure von einer Länge von 150 Metern, beinahe autobahnbreite Marmortreppen, zwanzig Meter lange, tonnenschwere Samtvorhänge vor großen Glasflächen: wie kann man in einem vor Armut beinahe zu Grunde gehenden Land fast alle verfügbaren Ressourcen in einen einzigen Prunkbau fließen lassen? Zugegebenermaßen stellt die Geschichtsforschung Onkel Ceauşescus auch kein allzu gutes Zeugnis aus, aber wenn man den Palast nicht selbst einmal gesehen hat, kann man sich den Irrsinn gar nicht vorstellen.  

Typisches Stadtbild: grau, grauer, grausig... ...aber auch moderne Bauten lassen sich vereinzelt erspähen. Frank beim Hauptgang als Dominics Oma uns mit einem 4-5 Gänge-Mahl verwöhnte.
Dominics Wohnung, Kühlschrank voll, PC online, alles kostenlos; was will man mehr? Blick aus dem Fenster: beste Aussichten auf das zweitgrößte Gebäude der Welt. Unterwegs mit Dominic: Saftpause an einer Tankstelle.

Dominic hatte leider nicht allzu viel Spaß als unser Touriguide gehabt, da es ihm sichtlich nicht gut ging und er sich auch zwei Mal übergeben musste; urplötzlich im Museumsdorf und dann als wir mit dem Auto unterwegs waren. Glücklicherweise konnte er schnell genug anhalten und hinter ein paar Bäumen verschwinden, bevor er sich nach erledigter „Arbeit“ höflich bei uns entschuldigte, beteuerte, dass es ihm so schlecht schon nicht gehen würde und es wieder weiterging.

Für uns alle war es dann aber besser nach dem nachmittäglichen Mittagsmahle den Tag vorzeitig zu beenden. Mein Bein konnte jede Sekunde Extraruhe gebrauchen, Dominic ging es zum Kotzen und Frank hatte auch nichts dagegen, Nichts zu machen, was dann zum Gebot der Stunde(n) wurde. Abends ging es dann nicht noch einmal auf Tour, da Dominic auch einige Stunden später noch nicht wieder fit war und wir beide auch nicht darauf aus waren, am Vorabend der Tourfortsetzung halb Bukarest auf den Kopf zu stellen.

Auf den Kopf stellte sich jedoch über Nacht das Wetter. Der Himmel, gestern noch ein blaues Meer über unseren Köpfen, transformierte den Boden unter unsere Füßen zu einem Meer. Noch relativ trocken begleitete Dominic uns mit seinem Wagen bis an die Stadtgrenze Bukarests, aber keine fünf Minuten nachdem sich unsere Wege getrennt hatten, starrten wir desillusioniert vom Schutz einer Tankstelle aus in die herabklatschenden Massen.  

Relativ schnell entschieden wir, dass es keinen Sinn hatte, auf gutes Wetter zu warten. Im Grunde genommen die beste Entscheidung des Tages, denn der Regen sollte uns bis in die Abendstunden und unser Ziel Calarasi nicht verlassen. Dominics Schwester schrieb in einer E-Mail noch, dass sie zutiefst überrascht war, uns am 

Noch kein Regen: Abschied von Dominic.

Abend nicht mit Dominic zusammen vor dem Fernseher anzutreffen. Sie hatte bei den sinnflutartigen Regenfällen sogar freiwillig länger gearbeitet, da sie bei dem Wetter einfach nicht nach Hause kommen konnte…

Lustigerweise konnte mich das Wetter heute gar nicht wirklich aufregen, da ich einfach nur heilfroh war, von meinen zuvor arg schmerzenden Wadenproblemen fast nichts mehr zu verspüren. Vorsichtig und ruhig nahm ich die Etappe in Angriff und schwitze deshalb bei moderaten Geschwindigkeiten auch nicht zu sehr unter meinen unheimlich strapazierten Regenklamotten. Frank hatte mit dem heutigen Wetter ein wenig die Arschkarte gezogen, da er auf das Einpacken einer Regenhose verzichtet hatte und auch sein Rad über keine Schutzbleche verfügte. Total zugesaut, anders konnte man ihn nicht beschreiben…

Kurz vor Calarasi durchradelten wir (passend bei strömendem Regen) noch ein riesiges, verlassenes Industriearsenal, dass mich spontan an Szenarien aus gespenstischen 3d-Shootern erinnerte (oder Preview-Bilder von „Stalker“, was in Tschernobyl spielen wird). Laut Reiseführer war Calarasi früher einmal ein wichtiger Industriestandort einer augenscheinlich florierenden Industrielandschaft, heutzutage kann man vor den Toren der Stadt bestenfalls noch in den Ruinen gruselige Horrorfilme drehen oder nach mutierten Tieren forschen. Beängstigend war auch, dass der Regen die Farbe von Franks Fahrradhelm löste, was zuvor noch nie geschehen war. Es hätte mich nicht gewundert, wenn uns ein wiehernder Hund mit sieben Beinen angesprungen hätte…  

Warten auf Wetter, das nicht kommt... ...auch nicht komfortabel bei Dauerregen... ...feuchte Verschnaufpause unter einem Baum.

Nachdem wir schließlich, sogar der Regen hatte mittlerweile aufgehört, von unserem Betonklotzhotel in die Stadt zogen, plagte mich tierischer Hunger. Dachte ich zumindest. Schon den ganzen Tag über hatte ich nicht viel gegessen, höchstens unbeabsichtigt literweise Regenwasser geschluckt und mich mit einigen Schokoriegeln von einer Tankstelle begnügt. Die Betreiber der Tankstelle waren auch unheimlich nett, denn als wir total durchnässt hereinkamen, bot man uns erst einmal einen Kaffee an und legte zwei Stühle mit Regenjacken aus, damit wir uns auch hinsetzten konnten, ohne den ganzen Laden zuzusauen. Zum Dank erstanden wir noch ein paar Extrariegel für die Fahrt, aber viel zu futtern gab es insgesamt nicht. 

Schutzbleche sind keine überflüssige Anschaffung. Kuh auf Reisen: Irgendwo in Rumänien, kein Mensch weit und breit, eine einsame Kuh unterwegs. Nein, ich kriege leider kein Geld für dieses Foto. 

Was ich jedoch zum Zeitpunkt meines abendlichen Hungergefühls noch nicht wissen konnte, war, dass ich eigentlich gar keinen Hunger hatte. Da ich dieses jedoch noch nicht wusste, orderte ich mir gleich eine Familienpizza, vertilgte das Monster und wunderte mich ein bisschen, als ich während des Essens plötzlich todmüde wurde. Ich wollte nur noch ins Hotel zurück, konnte kaum auf die Rechnung warten und war heilfroh, als ich mich endlich ins Bett legen konnte. Mittlerweile ging es mir schon ziemlich beschissen, mir war schwindelig und mir schwante langsam, dass mein Hungergefühl vielleicht auch das erste Anzeichen einer üblen Magenverstimmung gewesen sein könnte, die Familienpizza also genau die falsche Medizin war. Der Abend wurde dann der absolute Horror; Bauchschmerzen, der Verlust der Pizza über den Weg, in den sie auch in mich hineingekommen war und unglaublicher Schwindel, sobald ich mich vom Bett erhob. Hatte nicht gestern noch Dominic gekotzt, als er uns Bukarest gezeigt hatte? Ein Zufall? Wohl kaum…

Calarasi...
...immer keine Reise wert!

 

Schachbilanz (Sieg, Niederlage, Unentschieden;
Bernts Perspektive)

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