| Stage 7 |
| Streitberg - Bamberg |
| 124,33 Kilometer; 06:02:54 Stunden |
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Tagebuch während der Tour geführt von: Bernt Pölling-Vocke ( bernty@gmx.com ) Da hocke ich nun bei www.bei-toni.com im schönen Bamberg, warte auf meine Pizza (groß) und meinen Salat (klein) und mir scheint als würde meine Flosse leicht zittern. Ganz ruhig, denke ich mir, ist ja alles geschafft, vollbracht. Die Tour ist vorbei. Bleibt nur noch ein Spiel der EWE Baskets Oldenburg. Nebensache. Hoffentlich nette
Nebensache. Das Hattrick-Double ist auch geschafft – sportlicher Quasi-Wahnsinn. Hoffentlich legen sich die Baskets genauso ins Zeug! Wahnsinn deshalb, weil ich vor meiner Knie-OP vor kaum viereinhalb Monaten keinen Kilometer schmerzfrei fahren konnte. Wahnsinn, da ich eigentlich kaum vor der Tour trainiert hatte. Wahnsinn, da auch das Pensum, vor allem der letzten drei Tage, keinen historischen Vergleich scheuen muss, die Wahnsinnstour von Prag nach Istanbul vielleicht ausgenommen. Wahnsinn, die Pizza kann gar nicht groß genug werden… 35 Kilometer nächtigte ich letzte Nacht von Bamberg entfernt – deutlich weniger als eigentlich gedacht. Trotzdem radelte ich dann heute noch einmal 120 Kilometer bis ans Ziel meiner Tour. Zum einen gönnte ich mir die südliche fränkische Schweiz recht ausgiebig, zum anderen lag ich zwar nach neunzig Kilometern nur noch acht Kilometer vor Bamberg, wollte aber nicht so gerne über die Hauptbundesstraße und obendrein auch noch auf der „falschen“ (JH-Perspektive) Regnitzseite einradeln. Also ging es kurz drei Kilometer zurück von Strullendorf nach Hirschaid, wo ich dann die Regnitz überquerte und so richtig in den Mist hineinfuhr, der den Tag dann noch gehörig in die Länge ziehen sollte. Genauso wie auf der „falschen“ Seite musste nämlich auf der „richtigen“ Seite ein kurzes, aber zweifelsohne notwendiges, Stück Bundesstraße gefahren werden, welches jedoch nur als Autostraße deklariert war und eigentlich gar keinen Randstreifen für verzweifelte Radler bot. Folglich blieb nichts als ein weiterer Umweg – die Marke von einhundert Kilometern, noch fehlender Bestandteil des zweiten Hattricks, war somit kein Problem mehr, auch wenn ich gerne auf den Hattrick verzichtet hätte. Selbst im Nachhinein sehe ich das noch so. Erneut mussten zehn dann auch langsam zermürbende Extrakilometer gestrampelt werden, wobei ich im südlichen Stadtteil „Bug“ einrollte und dieser nicht über ein vernünftiges Ortsschild verfügte. Eine Woche Radfahren ganz ohne „Siegerfoto“ an den Toren Bambergs? Das ging natürlich gar nicht, so dass ich erneut eine Viertelstunde herumkurven musste um endlich fündig zu werden. Das Schild stand dann natürlich auf einer einmal wieder für Fahrräder nicht zugelassenen Bundesstraße, was mir dann aber ganz ehrlich auch egal war.
Im
Gegensatz zum gestrigen Tag war es heute jedoch relativ unangenehm. Nicht
etwa weil es geregnet hätte, was einmal wieder nicht der Fall war,
sondern weil es ordentlich windete – quasi wie daheim in Oldenburg. Bei
nicht mehr als fünfzehn Grad kann die Kombination einer ordentlichen
Brise und verschwitzter Klamotten selbstredend schnell zu gefühlten
Temperaturen deutlich unter der tatsächlichen Temperatur führen – und
auch die letzten …und
mehr von Beinen, Händen und Köpfen. Wäre ich auf einer meiner längeren
Radtouren, würden letztere mir langsam anraten, einmal einen Tag kürzer
zu treten. Das Neuseeland-Ich würde nach einem Golfplatz Ausschau halten
und sich ordentlich blamieren, dabei aber jede Menge Spaß haben und Bälle
verlieren. Das Tour-mit-Frank-ich würde hoffen, dass es ihm genauso gehen
würde oder es sonst zum Kleineklat kommen lassen. Das aktuelle ich
hingegen weiß, dass alles gepackt ist. Ein zufriedenes Ich, keine Frage.
Weniger zufrieden ist meine linke Wade, die nämlich gestern gegen
Tagesende schon zwickte und mir heute eigentlich durchgehend etwas
Sorgen machte, da ich mich immer einen Tritt vor dem fiesen Krampf fühlte.
Sicherlich wäre es dann schnell mit den extravaganten Schleifen durch die
fränkische Schweiz vorbeigewesen. Zwar hätte ich mich auch im Notfall
auf einem Bein nach Bamberg geschleift, meinetwegen auch direkt über die
Autobahn, aber optimal war die Gräte auf keinen Fall. Mit links etwas
kraftlos tretend schonte ich das Bein jedoch geschickt bis ans Ziel. Die Hände?
Sind jeden Abend etwas taub – Fahrradhandschuhen zum Trotz. Die
sportliche Sitzhaltung hat doch ihren Preis und stundenlang mit dem
Gewicht des Oberkörpers auf den Händen zu sitzen kann nicht Richtig Schiss machte mir heute noch kurz meine Jugendherberge, da bei meiner Ankunft angeblich alle Betten bereits vergeben waren. Ein Scherz, dachte ich. Ein Kongress hier, zwei große Reisegruppen da, zimmersuchende Studenten obendrein, denn das Semester beginne ja bald und der Wohnungsmarkt sei leer gefegt: seit gestern gäbe es in der ganzen Stadt keine freien Betten mehr. Super: wo die Baskets nächtigten wusste ich natürlich auch nicht, aber unbedingt eine Nacht unter Hubirds Decke zu krabbeln hätte auch nicht unbedingt sein müssen. Glücklicherweise gab s aber noch den „rustikalen“ Speicher unter dem Dach der Herberge. Viel Staub, ein paar durchgelegene Pritschen, ein angenehmer preislicher Abschlag: ob das auch okay wäre? Mal ehrlich: nach sechs Stunden im Sattel und einer Woche auf der Strecke endlich am Ziel angekommen hätte mir weniger egal sein können. Selbst ein Bett neben einem schnarchenden Elefanten wäre vollkommen okay gewesen, vorausgesetzt, das Bett stände einigermaßen windgeschützt. So, mehr zu Bamberg und den Baskets, die ja daran Schuld sind, dass ich hier bei Toni gelandet bin und das Leben überhaupt gibt es dann morgen. Für heute habe ich genug geradelt, gedacht und auch gemacht. Nächster Eintrag: Zweieinhalb Stunden noch bis zum Saisonbeginn der Baskets. Hoffentlich hatten die Spieler bessere Betten als meine Pritschen, aber mit 2 Matratzen übereinander ging es zumindest einigermaßen. Bessere Zimmergenossen dürften die langen Lulatsche sicherlich gehabt haben – etwas überraschend kam nämlich gestern um halb elf noch ein Engländer in mein rustikales Schlafgemach, was mir anfangs egal, ja sogar ganz sehr recht war. Eine Gelegenheit, etwas mit meinem Englisch zu üben, genauso wie man es als Deutscher in der BBL kann. Eigentlich prima. Suspekt wurde mir der in einem leicht verdreckt und verschwitzten T-Shirt reinschlurfende Typ jedoch als er anfing davon zu erzählen, dass er verfolgt würde. In Deutschland wäre es zum Glück relativ sicher, aber daheim in England würde man ihn nicht mal mehr ein U-Bahn-Ticket kaufen lassen. „They“ würden auch alles tun, damit er
seine Familienangehörigen nicht mehr besuchen könne. Vor kurzem hätten sie ihn sogar in einer Unibibliothek in der Schweiz angegriffen. Dort traut er sich noch in Bibliotheken, im Mutterland geht das selbstredend schon lange nicht mehr, wie auch immer „they“ das anstellen würden. Aber egal, selbst in der Schweiz hätte man ihm in der Bibliothek etwas gespritzt, ihm einfach eine Nadel reingehauen. Am helllichten Tage! Natürlich habe er gleich die Polizei alarmiert, die jedoch weder jemanden vernahm noch festnahm, womit das Problem ungelöst blieb. In England wäre es vor allem der MI5, der es aus politischen Gründen auf ihn abgesehen hätte, wobei ihm nie jemand sagen würde, weshalb sie ihn konkret verfolgten. Er käme sich vor wie in einem jener spannenden TV-Thriller, der eben nur halt leider sein reales Leben geworden sei. In der Bibliothek wollte er übrigens im Selbststudium Economics lernen, quasi als Teil seiner beruflichen Neuausrichtung, da ihn als Lehrer niemand mehr einstellen würde, so gerne er auch wieder als Pauker arbeiten wolle. Möchte ich immer noch Lehrer werden, fragte ich mich, seinen wirren Gedanken folgend? War bis dato noch alles relativ witzig und erheiternd, wurde es definitiv unlustiger, als mein neuer Freund um kurz nach vier aus dem Schlaf hervorschrak, schnell Hose und Schuhe anzog und stürmisch den Raum verließ. Verdattert stand ich auf, schloss die Tür und machte das Licht wieder aus. Ich wäre müde. Ein Fehler, denn wenige Augenblicke später war er wieder zurück, strahlte mir vom Nachbarbett aus mit der Taschenlampe mitten ins Gesicht und verlangte zu wissen, was in meinen Taschen drin sei. Begreifend das wir a) alleine im Dachgeschoss waren und er b) definitiv nicht mehr ganz dicht war, erlaubte ich ihm, meinen Kulturbeutel und die Fronttasche meines Rades zu durchzusuchen, schob aber gleichzeitig meine Kamera von ihm unbemerkt mitten unter das Bett in Sicherheit. Als er dann jedoch auch noch anfing, meine großen Fahrradtaschen auszupacken, fuhr ich ihn dann doch etwas forscher an, woraufhin er mich gleich beschuldigte, ihn angegriffen zu haben, ja sogar Drogen hätte ich ihm gespritzt! Sein Puls würde tierisch rasen und ganz nebenbei: wie sähe es denn mit meinem Puls aus? Auch auf Drogen? Definitiv hätte ihm jemand soeben etwas gespritzt und nun wolle er die Spritzen von mir sehen oder sich zumindest vergewissern, dass ich ihn nicht angegriffen hätte. Er könnte auch die Polizei rufen was mir, ganz ehrlich, zu diesem Zeitpunkt langsam lieb gewesen wäre. Die hätten dann gleich mit einer Zwangsjacke anrücken können. Mit viel gutem Zureden gelang es mir zum Glück innerhalb von zwanzig Minuten, den armen Kerl wieder in sein eigenes Bett und das Licht aus zu bekommen. Dort saß er dann allerdings noch relativ lange auf der Bettkante und strahlte mit seiner Taschenlampe ins Nichts der Raumecke. Zum Glück begann er mehr und mehr zu gähnen, so dass ich ihn binnen weniger Minuten davon überzeugen konnte, dass er doch auch nur müde sei und schlafen solle. Außerdem hätte ihm niemand irgendetwas gespritzt und er hätte allerhöchstens einen bösen Traum gehabt. Problematisch war natürlich, dass er mich immer noch für einen Verdächtigen hielt und er für mich immer mehr ein traumatisierter Psychopath wurde, so dass ich erst wieder nach ihm einschlafen wollte und es ihm wahrscheinlich genauso ging. Zum Glück ratzte er dann alsbald weg und auch ich bekam noch etwas Schlaf, wenngleich ich auch nie wieder tief einschlafen konnte. Beim Frühstück hatten wir schließlich eine etwas längere Diskussion über verschiedene Weltbilder und
–ansichten, wobei er sein nächtliches Verhalten als durchaus rational für jemanden verkaufte, der ja auch schließlich überall verfolgt würde und ständig von nicht dingfest zu machenden „theys“ attackiert würde. Thematisch passte das Ganze ganz gut in die Gegenüberstellung vom Leben unter „normalen“ und „geistig Kranken“, so wie auch vorzüglich in Haruki Murakamis „Norwegian Wood“ beschreiben, welches ganz nebenbei meine Reiselektüre darstellt und einen auch zum Grübeln anregen lassen könnte, ob jetzt das Leben eines „normalen“ Teenagers auf Tokyos Straßen weniger „krank“ als das seiner großen Liebe, ihrerseits in der behüteten Welt des Sanatoriums lebend, ist – oder eben nicht. Da ich meinen rettenden Zimmerwechsel bereits vollzogen und das JH-Personal auf seine Aussetzer aufmerksam gemacht hatte, redete ich wesentlich offener als im Angesicht seiner Taschenlampe um kurz nach vier. Ganz ehrlich riet ich ihm sich Hilfe zu suchen und vielleicht auch mal das jetzige Leben zu überdenken, da sein momentaner Lebenswandel ja zu ständigen Attacken zu führen schien. Prompt verglich er das natürlich in bester englischer Manier mit der Situation der Juden im NS-Deutschland, deren Kultur und Lebensstil sie ja auch in die Gaskammern gebracht hätte, ohne dass man ihnen hätte rational vorwerfen können, dieses selbst verursacht zu haben. Genauso ein unschuldiges Opfer auf der Flucht wäre er auch – und in einer Jugendherberge, wo wir schon mal beim Thema der Juden wären, hätten sie auch schon Gas in sein Zimmer einströmen lassen um ihn zu überwältigen und anzugreifen. Außerdem wären die Attacken real: würde ich dies leugnen, wäre an meinem Weltbild etwas falsch und ich solle doch gefälligst die Augen mal richtig aufmache. Arme Sau, aber am Ende wollte er sogar mit mir in die Stadt losziehen, auch wenn die Netten und Freundlichen (also ich) oft jene notorischen Lügner und Leugner wären, die einem am Ende dann doch wieder nur angreifen würden. Dankend lehnte ich ab… Zeit für das eigentlich geplante Game-Preview bleibt mir jetzt allerdings nach dem Niederschreiben dieser Zeilen kaum mehr. Noch zwei Stunden bis zum Saisonbeginn. Ich mach mich mal auf den Weg zur Jako Arena… Nächster Eintrag: Hier
hocke ich nun im Sonnenschein eines eigentlich wunderschönen Radeltages.
Es ist wirklich kein Tag an dem man freiwillig (oder gar für 27 Euro!) in
einen fensterlosen Betonkasten gehen sollte um zusammen mit fast 7000
Leidensgenossen die körperlichen Ertüchtigungen jener Spieler, die sich
Brose & Co. leisten können, gegen jene, die EWE & Business Club
Oldenburg bezahlen können, anzugucken. Sich allerdings darüber zu
ereifern, dass relativ wenig „echte“ Bamberger auf ebenso wenig
„echte“ Oldenburger treffen wäre unrational und kaum Unsympathisch werde sie eigentlich nur dann, wenn es zu offensichtlich wird, dass die praktische Umsetzung der Leidenschaft der Fans/Kundschaft nur reiner Broterwerb ist. Wie sonst soll man wenig geschickte Aussagen weniger talentierter Hinterhofbasketballer wie Carl Krauser gegen Ende der letzten Saison verstehen, als er beim Fantalk nach Spielende eine Frage nach seinen Aussichten auf den Rest der Saison etwa à la „five more games, five more games to represent Oldenburg“ beantwortete, eine Antwort, die irgendwie außen vor ließ, dass ja zumindest theoretisch die Playoffs noch gut zu erreichen gewesen wären. Genauso wie Aussagen von Desmond-im-März-„jetzt-ist-so-langsam-die-Zeit-zu-der-wir-Spieler-auch-nach-Hause-möchten“-Penigar? Natürlich
ist es ein verständlicher Wunsch, nach Monaten im nasskalten Oldenburg
wieder nach Hause zu fahren, aber wenn Fans sich lange Playoffs und
vielleicht sogar eine Meisterschaft wünschen während die dafür
elementar wichtigen Spieler sich nach baldigen Abenden bei Mami sehnen,
passt irgendetwas nicht zusammen. Und ganz ehrlich – auch wenn ich von
Konstrukten wie Nationen und Nationalität prinzipiell wenig halte ist mir
eine Mannschaft wie die der Brose Baskets mit vielen Nationalspielern und
dem Bundestrainer hinter der Bande immer noch wesentlich sympathischer als
„unsere“ Truppe, wenngleich es wohl weniger eine Bambergerische
Errungenschaft ist, solch einen Kader zu stellen, als eine Frage der
finanziellen Zuwendungen durch Großsponsoren wie Brose & Co.
Wahrscheinlich könnte jetzt jeder Vertreter unseres Business Clubs in
Oldenburg noch ein paar Kühe pro Jahr in den gemeinsamen Topf schmeißen
und „wir“ könnten uns immer noch keinen Aber
was erwarte ich vom Spiel? Eigentlich ist es mir egal. Verlängerung wäre
nett. Mehr fürs Geld. Allerdings in der schattigen Halle. Vielleicht doch
besser keine Verlängeurng und stattdessen wenig Auszeiten. Normalerweise
müsste Broses Geldsack prall gefüllter als Oldenburgs Geldsack sein,
womit erstere als Favoriten Nun gut, ich schreite dann mal in die Bamberger „Hölle“ und die Heimat jener Fans, die ihrer Stadt auch schon den Beinamen „Freak City“ gegeben haben. Doch Obacht, würde man uns in Oldenburg so einen Mannschaft vor die Nase kaufen und auch noch über den Sommer hinaus im Kern erhalten wäre die EWE Arena bestimmt auch schnell zu klein. Ob sie für die Heimpremiere der neuen Mannschaft am nächsten Freitag groß genug ist, bleibt abzuwarten. Echte Fans dürfte unser neuzusammengewürfelter Haufen noch keine haben, aber mit deren Gewinnung kann man ja in rund einer Stunde vortrefflich beginnen. Leider tippe ich auf einen Heimsieg Bambergs mit mehr als zehn Punkten, aber man tippt ja sowieso immer falsch. Nächster Eintrag: Aus. Vorbei. Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Bamberg gewann – vor allem dank eines überragenden Steffen Hamanns. Oldenburg verlor – vor allem da Wochen der intensiven Vorbereitung binnen Sekunden vergeudet schienen, als es bereits nach wenigen grausamen Minuten 18:4 für die Hausherren stand, die Halle bebte und den Donnervögeln aus dem Norden ordentlich die Flügel gestutzt worden waren. Fünfeinhalb, vielleicht laut Stadionheft bald sogar sechs Millionen Euro Jahresetat hatten zum Tanz gebeten und gaben die Führung auch nicht mehr aus der Hand. Wohl
wahr – der Endstand von 57:55 klingt knapp. Ebenso wahr: Jason Gardner
hatte 1.6 Sekunden vor Schluss „Wir hätten hier heute echt gewinnen können“, überhörte ich einen Mitoldenburger im allgemeinen Gedrängel gen Ausgang nach Spielende. Vor allem das „wir“ fand ich gut, aber vielleicht reagiere ich da zur Zeit auch noch zu kritisch und kann mich noch nicht ganz mit meinen Donnervögeln identifizieren. „Man muss die Spieler halt kennen“ hatte auch schon vor dem Spiel ein Bamberger Fan zu mir gesagt. Weiser Mann. „Kennen?“ „Naja“, antwortete er lächelnd, „halt wissen, was sie machen, wie sie so spielen“. Ach, genau. Weiß ich aber bei den meisten noch nicht. Gardner machte auf jeden Fall zu viel alleine, zog manchmal energisch in die Zone hinein ohne dann wirklich werfen zu wollen oder zu wissen, wie es weitergehen sollte und auch der Rest der Mannschaft zeigte kaum eine klare Linie. „Den hatten wir auch schon gegen Bonn (in den Playoffs) gut kalt gestellt“, meinte ein hinter mir sitzender Fan Bambergs zu Gardners Taten – zu Recht. Aber gegen Jena wird das alles schon besser aussehen… Emotional berührt hat mich das Ganze übrigens eher wenig. Gegenüber manchem Bamberger fühlte ich mich auch etwas dämlich, extra für ein Bundesligaspiel bis nach Nordbayern gereist zu sein. Jedoch konnte ich den Aufwand gleich mit dem „Radeln-und-der-Weg-ist-ja-das-Ziel“ relativieren, was aber auch für mich wirklich wichtig war. Ganz ehrlich: stundenlang für teuer Geld über die Autobahnen Deutschlands zu brettern nur um dann zwei Stunden in einer zunehmend bullenheißen Halle Männersport zu glotzen müsste ich mir nicht antun und genoss anschließend richtig den Rückweg zur Jugendherberge entlang der Regnitz. Die frische Luft, die letzten Sonnenstrahlen des Abends, die Spiegelungen auf dem still liegenden Fluss, die Enten im Wasser, die relative Einsamkeit im Park: ein Hochgenuss der Sinne, ganz im Gegensatz zum Basketball. Vielleicht sollte ich meine Dauerkarte wegschmeissen. Nicht etwa, weil ich das Team nicht mag oder es noch nicht kenne, sondern ganz einfach weil man die Zeit auch besser verbringen kann als als Passivkonsument bezahlter Athleten. Allerdings – kommen erst einmal wieder die gammelig hässlichen November oder gar Dezembertage, dürfte etwas geistige Zerstreuung außerhalb der eigenen vier Wände auch nicht schaden und der Gang zur EWE Arena dürfte wieder richtig Spaß machen. Draußen, so wie an einem grandiosen Herbsttag wie heute, hat man dann eh nichts mehr verloren. Bis zum April oder Mai. Dann sollen die Spieler auch gerne wieder nach Hause fliegen während ich mein Rennrad entstaube. Langsam, ganz langsam, werde ich das Tagebuch nun beenden. Heute eingeschlossen verbleiben auch nur fünf Ruhetage, bis es wieder mit dem Rad losgeht. Dann aber nur von Osnabrück nach Cuxhaven, wo ein Freund von mir dem Geburtstag seiner Mutter beiwohnen möchte. Es wird einfacher werden. Rennräder. Kaum Gepäck. Flaches Terrain. Zwischenstation ist selbstverständlich Oldenburg. Freitagabend steht schließlich die Heimpremiere der Baskets gegen Frankfurt an. Baskets-Baskets-BummBummBumm Nachtrag: Mein englischer Kumpel wurde übrigens am Spieltag gleich drei Mal in Bamberg angegriffen. Mittlerweile fühle er sich auch in Deutschland ständig verfolgt, quasi wie ein Jude unter dem NS-Regime auf der Flucht. Drei mal wären ihm in der Stadt Drogen gespritzt worden, was jeweils zu zwei Stunden intensivem Schmerz geführt hätte. Wahrscheinlich waren es neonazistischen Gruppierungen, die es auf ihn als Engländer abgesehen hätten. Er hätte die Vorfälle auch der Polizei gemeldet, aber erneut hätten diese niemanden festnehmen können, so dass er weiterhin auf der Flucht verbleiben wird.
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