| Stage 4 |
| Hameln - Eisenach |
| 94,77 Kilometer; 04:25:06 Stunden |
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Tagebuch während der Tour geführt von: Bernt Pölling-Vocke ( bernty@gmx.com ) „Noch
lachst Du, aber noch kannst`ja umdrehen“ –
…was
ich dann aber gar nicht mehr konnte, als ich um etwas vor sechs wieder in
meiner Jugendherberge ankam, mich platt aufs glücklicherweise schon
vorher gemachte Bett fallen ließ und richtig spürte, wie meine Beine
unkontrollierbar zu zittern begannen. 95 Kilometer auf dem Rad, dabei jede
Menge Höhenmeter und auch noch Hungrig bin ich mittlerweile auch geworden. Vorhin, auf dem doch etwas längeren Rückweg durch die Stadt, war es mir noch zu früh gewesen um etwas essen zu gehen. Jetzt scheint die Stadt jedoch zu weit weg. Vier Corny-Riegel und einen Apfel habe ich noch am Start, vielleicht muss das genügen. Es ist übrigens höchst übel, dass der Thailänder, bei dem ich gestern Abend eine lecker Ente verspeiste, für heute ein nett klingendes Buffet im Angebot gehabt hätte und ich hier in der Fußgängerzone einen Thailänder fand, der immer ein Buffet im Angebot hat. Ausgenommen sind natürlich Sonn- und Feiertage. Bingo. Es ist der dritte Oktober.
73% aller Ostdeutschen fühlen sich als Deutsche zweiter Klasse und 74% aller Wessis verstehen nicht warum – so oder so ähnlich, vielleicht waren die Werte auch genau andersherum, stand es in einer Tageszeitung, die mir kürzlich zwischen die Finger gekommen war. Als Grund wurde vorrangig die nur mangelhafte Bereitschaft Gesamtdeutschlands genannt, sich auch mit der Vergangenheit und Geschichte des kurzfristig abgeschiedenen Ostens zu beschäftigen – ein Vorwurf, an dem sicherlich eine Menge dran sein dürfte. Siebzehn Jahre ist es nun her das auch der Osten lernen durfte, dass im Westen nicht alles Gold ist was
propagandistisch aufgehellt über die Mauer hinwegglänzte. Gleichzeitig mussten wir Wessis spüren, dass die reibungslose Integration des Ostens in unser hegemonistisches Deutschland keinesfalls binnen fünf Jahren zu bewerkstelligen sein dürfte, auch wenn es Politiker im Freudentaumel der Ereignisse so prophezeiten. Aber was hätten sie auch sonst machen sollen? Zur Vereinigung Glückwünsche aussprechen und gleich darauf hinweisen, dass binnen siebzehn Jahren Teile des Ostens einfach vergreisen würden? Quasi zu Rehabilitationszonen der natürlichen Vegetation würden? Vor
allem die Identität des Ostens hat uns Wessis nie wirklich interessiert
und auch ich habe mein Wissen vorrangig über Filme à la „Good Bye
Lenin“ erlangt. Ein guter Film, so wie andere auch, keine Frage, aber
wollte ich über Amerika lernen und mich als diesbezüglich gebildet
betrachten, würde ich mich besti Die
Nation vereinigte sich vielleicht am dritten Oktober, aber kulturell wurde
dem Neuen fast ausschließlich das Kleid des Alten übergestülpt. Und
heute? Nicht ohne Grund stellt Ostdeutschland nur einen von achtzehn
Erstligavereinen in der aktuellen Fußballbundesliga, zweifelsohne ein
recht zutreffendes Barometer für die Noch
habe ich mein gemütliches 4er Zimmer in der äußerst schnieken
Jugendherberge Eisenachs übrigens für mich (siehe
Foto des durchaus repräsentativen Aufenthaltsraums rechts).
Klausis und Sigfrieds sind erst einmal nicht in Sicht, wobei mir im Moment
auch nur nach einem „einsamen“, erholsamen Abend und meinen
Cornyriegeln ist. Bewegung muss nicht sein, Bewegung der Sprechorgane
eingeschlossen. „Reich die Muschi ´rum“-Spacken im Nebenzimmer wie
gestern brauche ich nicht noch einmal. Sigi h
Trocken war es heute glücklicherweise auch einmal wieder (bin ich denn schon einmal durch den Monsun geradelt?), wenngleich auch die Sonnenscheinstatistik der Tour nach wie vor bei null Minuten verharrt. Morgen könnte es laut NDR Info einmal mehr ungemütlich werden. Warum? Man höre und staune: das Zwischenhoch, welches wir momentan angeblich genießen dürfen, wird weiterreisen, uns verlassen! Nun gut. Siebzehn Grad war es heute schon warm, aber nach vier Tagen ganz ohne Scheibe am Himmel wäre mir erst einmal etwas mehr nach dem nächsten Hoch als nach der Abreise des letzten, wo auch immer es genau war.
Einziger „Fehler“ des Tages war übrigens das Verlassen des schön flachen Werraradwegs bei Eschwege, wodurch sich in Richtung Eisenach zwar ordentlich Kilometer sparen ließen, dies jedoch mit dem Preis diverser Höhenmeter vor allem zwischen Wichmannshausen und Creuzberg bezahlt werden musste. Der erste Cornyriegel ist übrigens mittlerweile verspeist, der Hunger ist auch schon fast weg.
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