| Stage 3 |
| Hannoversch Münden - Hameln |
| 115,42 Kilometer; 05:16:16 Stunden |
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Tagebuch während der Tour geführt von: Bernt Pölling-Vocke ( bernty@gmx.com )
„Weißt
Du, was eine Pralinenhochzeit ist?“ Klaus,
Zimmernachbar für die Nacht, Einer
dämlicher als der nächste – anders kann man jene Halbstarken nicht
beschreiben, die zusammen mit mir die Jugendherberge von Hannoversch Münden
belagern und als Kollektivbeweis dafür herhalten könnten, dass
Deutschland im internationalen Pisa-Vergleich keinesfalls schlechter als
eigentlich verdient abschneidet. Klaus und Sigi sind hiermit natürlich
nicht gemeint, sondern viel mehr eine Schulklasse einer KGS aus Irgendwo,
die Zuerst jedoch die beste Nachricht des Tages: es regnete nicht! Null Prozent der Zeit gab es Niederschlag! Endlich einmal, wenngleich der Tag auch ständig nach Regen aussah und die laut Wetterbericht ebenfalls versprochenen dreißig Sonnenminuten weit und breit nicht zu sehen waren. Ist es denn schon Weihnachten? Die
Wolken hingen tief, es regte sich erneut kein Windhauch und warm wurde es
auch nicht, vor allem da alles feucht war. Das Thermometer stieg zwar
schon auf einige Gräder, nur zu fühlen gab es davon wenig, vor allem im
Fahrtwind. Die Wege, die Bäume, Sitzbänke. Einfach alles war und blieb
auch feucht: nichts konnte trocknen, dafür wurde aber auch nichts neu von
oben befeuchtet. Schnell wurde klar, das trotz ausbleibendem Niederschlags
Pausen einmal wieder ein Ding der Unmöglichkeit sein würden. Einmal
kurz, nach siebzig Weitere Halts knickte ich fortan und erreichte bereits um halb vier die Jugendherberge von Hannoversch Münden. Leider konnte man offiziell jedoch erst ab siebzehn Uhr einchecken, eher zufällig fand ich jedoch im Aufenthaltsraum ein Informationsbrett mit wichtigen Telefonnummern. Neben den obligatorischen Nummern von Polizei, Feuerwehr und dem nächsten Arzt fand ich auch noch die Durchwahl des Jugendherbergsleiters, den ich dann prompt vom Telefon an der Rezeption anklingelte. Dort war die Nummer natürlich nirgendwo angeschlagen, wohl auch nicht ohne Grund, denn die interessierte „Wo haben sie denn die Durchwahl aufgeschnappt“-Frage des Leiters deutete zumindest an, dass er bis siebzehn Uhr lieber nicht arbeiten würde. „Vielleicht hätte ich die Zividurchwahl nehmen sollen?“, versuchte ich ihn etwas zu beschwichtigen, da er nicht übertrieben glücklich dreinschaute. Aber auch das wäre keine gute Idee gewesen. Den gäbe es nicht mehr, meinte er nur, wohl seitdem eine Menge mehr schuftend. Landschaftlich
war es heute auch wirklich nett, das ständige Waschküchen-Panorama ohne
vernünftige Fernblicke Auch
wenn ich bislang noch keine Sekunde Sonnenschein hatte: die Tour gefällt
eigentlich prima. Witzige Etwas unentschlossen bin ich noch, einmal wieder, was das heutige Abendmahl angeht. Wahrscheinlich werde ich mich einmal wieder zu Fuß in Richtung Dorf begeben. Dumm nur, dass die Jugendherberge einmal wieder ziemlich weit außerhalb liegt und ich mich kategorisch weigere, abends noch einmal auf mein Fahrrad zu steigen. Zum Griechen wird es mich dabei jedoch garantiert nicht noch einmal verschlagen. Mein letzter Zimmernachbar in Hameln war übrigens auch beim Griechen gewesen, wenn auch bei einem anderen. Keine Ahnung was er anschließend damit meinte, dass es dort ja immer nur soooo viel Fleisch und so wenig Reis geben würde, völlig anders als beim Asiaten, wo die Verhältnisse irgendwie normaler scheinen. Alle ein oder zwei Jahre könnte man so etwas ja mal machen, aber richtig gut wäre es ja nicht wirklich. Hoffentlich war sein Tier wenigstens nur halb so fettig wie meines. Vorteilhaft wäre es heute Nacht auch, endlich einmal vernünftig schlafen zu können. Stundenlang lag ich in der letzten Nacht wach und schlief ich einmal ein, wachte ich alsbald vor Erschöpfung wieder auf. Die Beine kribbelten, mein Kopf fühlte sich wie aufgeblasen an und meine Wangen glühten beinahe fiebrig. Jetzt, einen weiteren 115-Kilometertag später, dürfte ich insgesamt wohl kaum fitter sein. Die Erschöpfung am Tage hielt sich jedoch in überschaubaren Grenzen. Die erste halbe Stunden trat es sich vielleicht noch etwas mau, aber nachdem ich die Rollgeschwindigkeit erst einmal über die Marke von zwanzig km/h angehoben hatte, fiel auch die Leistung bis zum Ende des Tages kaum ab. In Anbetracht meiner Vorbereitung ist das ganze geradezu beängstigend.
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