Stage 7  
Arthur's PASS Village - Springfield
84,65 Kilometer, 04:08:12

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Tagebuch während der Tour geführt von: Bernt Pölling-Vocke ( bernty@gmx.com

„In Alaska geht es immer auf und ab, in Wyoming auch, in Colorado erst....wir haben jetzt
8090 Kilometer und bestimmt 60.000 Höhenmeter“
 
Radelpärchen aus Österreich, welches auch gut über Neuseelands Straßenverkehr mosert („fast jeden Tag haarsträubende Verkehrssituationen“)

Erneut fest in der Hand der Wolken: die Täler rings um den Arthur's Pass National Park.

Immer wieder wundere ich mich über die verschiedenen Auffassungen vom Pedaller’s Paradise, Neuseeland nämlich, denn genauso oft wie man total begeisterte Radler trifft, trifft man jene, die ohne Ende am Paradies herumzumosern haben. Ohne Frage, auch den Österreichern gefällt es in Neuseeland gut, wenn auch nicht ausgesprochen gut, aber vom Radfahren wäre es kein Vergleich zu den hochgelobten USA, wenngleich sich das Lob auch lediglich auf die Radeloptionen beschränkt. Immer wieder muss ich bei solchen Diskussionen 

Sieben Grad am Rad: "brrrrrrrrrrh"

auch an einen Deutschen zurückdenken, den ich im Februar in Murchison traf und der sich ebenfalls in ständiger Lebensgefahr wähnte, ganz im Gegensatz zu seiner Begleiterin, was er dann damit kommentierte, dass sie ja schließlich keine Ahnung habe. Ganz nebenbei bezeichnete er das traumhafte East Cape der Nordinsel auch noch als Asozialenland, wo abends Blei in der Luft hängt, was ihn auch nicht unbedingt sympathischer werden lässt.

Sicherlich trägt zu meiner Abstumpfung gegenüber jeglichem Verkehrsaufkommen auch meine Reiseerfahrung durch Rumänien bei, denn wer auf den Europastraßen des ehemaligen Ostblocks nicht totgefahren wurde und es auch durch Bukarest schaffte, ist durch wenig zu schocken, aber manchmal glaube ich auch echt, dass so mancher Radler einfach etwas zimperlich ist. Natürlich ist es nicht direkt schön, wenn manche Lastwagen mit relativ wenig Abstand bei relativ hoher Geschwindigkeitsdifferenz zum Fahrrad überholen, aber dadurch wird die Radtour auch nicht gleich umwerfend lebensgefährlich. Sicherlich kann man auch hier im Pedaller’s Paradise totgefahren werden und das Verkehrsaufkommen war, generell betrachtet, in der Vergangenheit fahrradfreundlicher, aber wenn man ganz sicher radfahren will, darf man den Heimtrainer eigentlich nicht verlassen und muss dabei noch in einer erdbebensicheren Region wohnen, damit einem nicht das Dach auf den Kopf fällt.

Egal, zwei Tage Ruhe in den Beinen hin oder her, heute bin ich einmal wieder richtig platt wie eine Flunder, was aber auch am frostig kalten Wetter liegen mag. Es ist bestimmt eine Falschaussage, wenn ich behaupte, noch nie an einem so kalten Tag radgefahren zu sein, aber die Wetterextreme der vergangenen Woche sind einfach nicht mehr zu überbieten. Gegenwind und Kälte ohne Ende nach Kaikoura, bis 44 Grad auf meinem Trip nach Springfield, zwei Tage Dauerregen und eine Wanderung mit Schneefall am Arthur’s Pass und

Noch Spaß?

 heute ers tnach 45 Kilometern Temperaturen im zumindest etwas freundlicheren, zweistelligen Bereich – auch wenn es nur kurz warm war und ich in Springfield bei erneut recht unangenehmen 11 Grad ankam.

Etwas frustrierend war schon mein erster Blick aus dem Fenster um sieben Uhr am morgen. Es sollte angemerkt werden, dass der Wetterbereicht „rain clearing“ prophezeite, nicht jedoch, wann dieses passieren würde. Die Antwort? Bis zu meiner Ankunft in Springfield, unterbrochen vom gelegentlichen, trockenen Intervall, gar nicht.

Bei sieben Grad und Nieselregen verabschiedete ich mich von John, Sheryl und Mike (der Schotte und meine beiden Kanadier), der mir lachend gestand, dass er heilfroh wäre, heute nicht auf die Viehze zu müssen. John hatte es sich schon mit seinem Buch vorm Kamin gemütlich gemacht – der geplante Aufstieg auf den Mt. Aikens scheint heute unmöglich. Depimierend tief hing die Wolkendecke auch tiefer als an den vorangegangenen Tagen über dem Dorf, was mich dazu bewog, mich schulterzuckend dem Schicksal zu ergeben und in den Nieselregen zu starten – worauf hätte ich denn warten sollen?

„Das erinnert mich alles an Schottland“, meinte nicht der Schotte John, sondern ein belgischer Tourist, den ich unterwegs am Straßenrand beim Fotografieren ertappte und bat, auch mit meiner Kamera zwei Mal auf den Ablöser zu patschen. Recht hat er – prinzipiell vegetationsarme, grün-graue Täler, stets tiefhängende Wolken und mystisch anmutende Farbspiele lassen tatsächlich starke Erinnerungen an meine Schottlandtour vor einigen Jahren aufkommen.

Vernichtend sollte der Flock Hill nach etwas mehr als vierzig Kilometern werden. Mit rund 200 Höhenmetern und Steigungsgraden von bis zu 13 Prozent gehört der Hügel zwar kaum zu den größten Herausforderungen dieser Tour, ich „explodierte“ aber förmlich in meiner Regenjacke, die im heftigen Regen auch dringend von 

Blick hinab vom Porter's Pass, den ich mich vor einigen Tagen mühsam hinaufkämpfte. 

Nöten war. Oben angekommen lüftete ich meinen Schweißsarkophag und dampfte prompt wie eine alte Dampflokomotive, während meine nassgeschwitzten Haare aussahen, als hätte ich gleich ohne Regenschutz den Hill erstürmt. Spaß ist etwas anderes, aber glücklicherweise folgte alsbald das einzige Sonnenintervall des Tages, beglückte mich kaum mehr als zehn Minuten mit bis zu 18 Grad, einer kurzen Gelegenheit, einige Klamotten im Sonnenschein zu trocken und wurde recht flott wieder vom nächsten Regen abgelöst.

Ironischerweise hatte ich zum Abschluss des Tages, genauso wie vor einigen Tagen aus entgegengesetzter Richtung kommend, erneut heftigen Gegenwind am Porter’s Pass,  der jedoch zumindest trocken und angenehm „heiß“ (13 Grad) war. Vom Gipfel auf 939 Metern folgte dann nur noch eine rund zwanzig Kilometer andauerende, variabel steile, Abfahrt nach Springfield, die ich fast ausnahmslos mit dreißig oder mehr km/h abspulen durfte. Am Ziel angekommen traf ich noch kurz Dennis aus der Tschechei, ebenfalls mit dem Rad unterwegs und mit fast 10.000 neuseeländischen Kilometern auf dem Buckel (ohne totgefahren worden zu sein). Ob es oben am Pass regnete, wollte er wissen. Nicht, als ich da war, erwiderte ich zu seiner Genugtuung – eine berechtigte Genugtuung, denn über Regenklamotten verfügte er nicht. Grinsend zeigte er mir einen Müllbeutel, den er sich bei Regen immer überstreifen würde – ansonsten würden seine Klamotten, als Trikot trug er ein Footballtrikot, auch recht schnell trocknen. Na dann guten Hust!

Eine weitere krasse Geschichte lieferten drei Japanerinnen, die heute früh in meinem Hostel am Arthur’s Pass verweilten. Es handelte sich um eine Japanerin (Überraschung) und zwei ihrer guten Freundinnen, die sie im Moment in Neuseeland besuchten, da sie hier ein Jahr mit einem Arbeits- und Reisevisum verbringt. „Besuchen“ ist in der Tat das richtige Verb, denn ihre beiden Freundinnen waren nur für ein verlängertes Wochenende zum Arthur’s Pass gekommen – von Tokio aus, versteht sich. Flug von Tokio nach Christchurch, Zug zum Pass hinauf, zwei Tage (ausnahmslos Regen) zusammen verbringen, wieder Zug nach Christchurch und zurück nach Tokio. Und ich dachte, jener Koreaner, den ich Ende Januar am Tongario National Park traf und der mir von seiner sechstägigen Nord- und Südinselwohnmobiltour berichtete, wäre bescheuert...