Stage 5  
Waipara - Springfield
106,10 Kilometer, 05:08:05

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Tagebuch während der Tour geführt von: Bernt Pölling-Vocke ( bernty@gmx.com )

„A little bit better? For the body?“
Achso – ob ich nach dem Duschen wieder fit bin…, aber nein, bin ich nicht…
(Hostelbetreiberin, Japanerin)

Prinzipiell wäre die heutige Etappe einfach gewesen. Moderate 700 Höhenmeter sorgsam aufgeteilt auf etwas mehr als 100 Kilometer, kaum richtig garte Anstiege und jede Menge Sonnenschein. Was in der „pinzipiell..“-Auflistung feht ist das, was sich schon beim ersten Blick aus meinem Zugwagon um acht Uhr offenbahrte: der Wind war wieder da!

Anfangs offenbarte er sich als emsiger Freund und Helfer, der uns drei, mich und die Kanadier, mit einem unglaublichen Durchschnitt von 30.7 km/h bis ins zehn Kilometer von Waipara entfernte Amberley bließ, später dann allerdings als das genaue Gegenteil, denn nachdem ich mich von den beiden (vorerst?) trennte, bog ich nicht nur westwärts ins Inland ab, sondern auch in den Wind, der vom Helfer zum erbitterten Feind wurde, gegen den nur noch Selbsthilfe half.

Der anfängliche 30er Schnitt musste schwer leiden – so wie ich. Nicht nur, dass die Straße ständig sanft anstieg, nien, ich bekam auch noch laut Wetterbericht Winde mit 45 bis 60 km/h entweder von direkt oder schräg vorne ab. Kann man kaum vernünftig geradeaus fahren oder pfeifft der Wind lauthals durch die Speichen, macht das Radfahren immer erst richtig Spaß, aber zum Glück war Oxford, mein Etappenziel, ja

44 Grad in der  Sonne: von einem Extrem (siehe vor einigen Tagen auf dem Weg nach Kaioura) zum nächsten...

 nicht allzu weit.

Recht erschöpft erreichte ich den Namensverwandten der altenglischen Universitätsstadt (kein Vergleich

 zwischen den beiden Städten!), nahe Sheffield gelegen und trotzdem 20.000 Kilometer von Großbritannien entfernt. Leider wiederholte sich ein bislang liebgewonnenes Spiel dort nicht, nämlich a) nach freien Zimmer zu fragen und b) alleine, oder zu zweit, im Dorm zu pennen, denn c) das Hostel war winzig und d) vom Rentnerverein bereits unter Beschlag genommen. In das einzig freie Restbett wollte mich die in einem heruntergekommenem Wohnwagen hinter dem Hostel lebende Betreiberin auch nicht einquartieren, da im Zimmer schon zwei ergreiste Damen hausierten, so dass es für mich – wenig zur Begeisterung meiner vom Wind zermürbten Beine – weitergehen musste.

Aus 19-20 km/h als Reisegeschwindigkeit in den Wind hinein wurden schließlich 12-14, der anfängliche 30er Schnitt wurde zum 20er, ein Eis in Sheffield gab mir etwas Kraft für die pausenübersäumten elf Restkilometer nach Sprnigfield und dort, in einem Meer der freien Betten im YHA-Hostel, fiel ich erst einmal platt ins Bett – übrigens als einziger im Dorm.

Rein von den Temperaturen her war heute auch einiges unnormal, da ich recht neuseelanduntypische 44 Grad in der Sonne messen konnte. Ich kann mich nicht erinnern, seit Bulgarien oder in der Türkei so eine Hitze erlebt zu haben – kein Wunder, dass mir nach einem rund 2-2500 Kalorien umfassenden Abendmahl immer noch nach Nachtisch ist. Jegliches Sättigungsgefühl habe ich längst überradelt und alles aus mir herausgetreten, was momentan machbar ist. Vor morgen graust es mir auch schon. Da es keinen lokalen Golfclub gibt, werde ich nicht wie geplant pausiseren, sondern mich – wahrscheinlich – bis zum Arthur’s Pass Village hochkämpfen.

Allerdings ist das Vorhaben nur „wahrscheinlich“, da die gen Nordwesten führende Passstraße genau auf böige Winde aus Nordwesten zuführt, wenn der Wetterbericht denn seine Richtigkeit behält. Vor allem am bevorstehenden Porter’s Pass, wo es 400 Höhenmetern auf 4 Kilometern zu abslvieren gilt, kann es bei

Besorgt um seine Alten: Straßenschild in Oxford

  abartigen Winden ganz einfach unmöglich werden, den Berg zu erklimmen. Irgendwie werde ich es zweifelsohne schaffen, da man immer alles auf dem Rad schafft, was man sich vornimmt (nur wie?), aber selten habe ich so gehofft, dass der Wetterkiwi mit seinen Prognosen kräftig daneben liegt.

Egal, 82 Kilometer bei Hitze und noch einem böigem Gegenwind stehen an. Was uns nicht tötet, macht uns stark – oder so, besagt ein recht dummer Sprich. Mal sehen, ob ich ins Gras beißen muss, aber was als nette Vorbereitungstour bis zu Franks Ankunft geplant war, mutiert schnell zum Schleifstein, so dass ich mich nicht nur in Form zu treten scheine, sondern auch schon einige Tourakkus verbrate. Würde ich gegen Frank ein Rennen fahren, wäre ein Strategiewechsel dringen von Nöten, aber das ist ja sowieso nicht der Fall.