Stage 4  
Mt. Lyford Village - Waipara
88,34 Kilometer, 03:31:34

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Tagebuch während der Tour geführt von: Bernt Pölling-Vocke ( bernty@gmx.com )

„And I do not even know what is here to see“
Passant in Waiai, mit dem ich darüber schnackte, wieso die deutschen
Touristen im Stile einer Heuschreckenplage über Neuseeland herzufallen scheinen.

Hostel einmal anders: Wohnen im Zugwagon

Wenn man denkt, man hat schon alles gesehen, kommt ein Hostel daher, dass einmal wieder komplett „anders“ ist: Willkommen im Wairapa Sleepers, wo in ausrangierten Zugwagons logiert wird, die als letzte 

Ruhestädte ein kleines Fleckchen Grün nahe den Bahnschienen gefunden haben: Allerhöchste Kreativitätsnoten, zweifelsohne!

Wenig überrascht haben mich heute Abend meine schweren Beine, was nicht nur am Radfahren liegt, sondern hauptsächlich an meiner recht eigenwilligen „Pausengestaltung“ in Culverdeen: Green Fees 10 Dollar, Golfplatz direkt an der Straße, um 10:30 nach rund 45 Kilometern dort gewesen und Schläger zum Ausleihen im Bed and Breakfast um die Ecke: ab aufs Green!

Zwar war ich nach meiner blamablen Rekordrunde in Kaikoura felsenfest davon überzeugt, a) etwas besser geworden zu sein und b) beim nächsten Mal garantiert wieder einen Rekord zu spielen, geklappt hat dannaber rein gar nichts. Kaum ein ordentlicher Drive, kaum vernünftige Eisen und dafür aber zumindest exzellente Puts – oder eben Puts, die zumindest ich als exzellent einstufe. Unterm Strich konnte so natürlich kein neuer Rekord herausspringen, sondern nur 18 Löcher Frust und am Ende 165 Schläge – wie schon in Kaikoura aufgeteilt auf grausamste Front-9 und geht-so-Back-9 (91 und 74).

Nach etwas mehr als drei Stunden in der prallen, sommerlichen Sonne ging es dann zurück in den Sattel, denn noch lagen weitere vierzig Kilometer und der wenig angsteinflößende weka Pass vor mir. Golf rächte sich aber recht schnell, denn die 6-7 Kilometer Fußmarsch über den Platz raubten mir ein wenig jene Spritzigkeit, mit der ich zuvor einen 25.6er Schnitt gefahren war – wohlgemerkt dank Hilfe ausnahmsweise schweigender Winde und der Tatsache, dass es meistens nur in eine Richtung geht (vom Streckenprofil her), wenn eine Etappe nahe eines Skigebiets beginnt.

Am Ende rettete ich die 25 als Schnitt jedoch immer noch ins Ziel, war dafür aber recht alle. Die Erschöpfung lies sich zwar angenehm mit zwei Eis aus dem winzigen Dorfkiosk lindern, nichtsdestotrotz briet die Sonne den ganzen Tag erbahrmungslos auf mich herab – wie schon am ersten Tag der Tour kletterete das

Radler unter sich: Ich und meine kanadischen Neufreunde im Hostel.

 Thermometer am Rad bis auf 36 Grad, auch wenn das lediglich die absolute Tageshöchsttemperatur war und ich bei angenehmen 27 Grad ins Ziel einrollte.

Am Abend – obligatorsicherweise – tauchten auch wieder meine beiden Kanadier auf, die jetzt auch gerade neben mir am Küchentisch sitzen und ebenfalls die Tagesstatistiken aufschreiben. Auch sie erfassen ihre Tour online, was mir etwas Webpräsenz in ihrem Blog verschaffen wird (http://www.charlafish.blogspot.com/).

Interessant war auch, dass Sheryl drei Jahre in Tanzania unterrichtete, bevor sie ihr Lehramtsstudium in Kanada antrat und dort den Kulturschock ihres Lebens ertragen musste, da drei Jahre in den Weiten Afrikas sie mental so weit von westlichen Konsumgesellschaften distanzierten, dass der „Wohlstand“ Kanadas für sie einfach nur noch falsch wirkte. Zum Teil konnte ich ihre Erfahrungen gut nachvollziehen, da ich vor einigen Jahren selbst einige Wochen in Tanzania war und das Land seitdem immer wieder in meinem Hinterkopf umherschwirrt, auch wenn ich es mir zumindest für eine Radtour nicht unbedingt vorstellen kann. Aber wer weiß, was noch kommt...

Schwer bepackt und flott unterwegs: mein Vehikel. Kein Woods, kein Langer, lediglich ein Depp...
...typische Einschlagspunkte.