Stage 3  
Kaikoura - Mt. Lyford Village
61,60 Kilometer, 03:10:31

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Tagebuch während der Tour geführt von: Bernt Pölling-Vocke ( bernty@gmx.com )

Hatte ich beim ersten Tagebucheintrag der Tour das Pärchen aus Kingston, Ontario, erwähnt? Ich glaube schon 

Sonnenaufgang am Strand von Kaikoura.

– und eben waren sie wieder hier und überholten mich an meinem heutigen Zielort, da es für sie noch etwa zwanzig Kilometer weiter bis nach Waiau geht, wo sie dann ihr Zelt aufschlagen werden. Im recht verlassenen Restaurant meiner Herberge schlürften wir zusammen einen warmen Kakao und tauschten einige 

Reiseerfahrungen aus, da wir bislang genau dieselbe Route gefahren sind.

Hier in der Lodge herrscht seit dem kurzen Besuch der beiden total tote Hose, wunderschön und geschmackvoll gestaltet wie das Gebäude auch sein mag. Allein drei Spa Pools (Aufpreis drei Dollar, heuer nicht für mich) warten auf nichtexistierende Gäste. Vielleicht ist „tote Hose“ auch etwas übertrieben, denn drei lokale Farmer hängen noch mit einem Bier in der Hand an der Theke, aber ansonsten scheint es kaum Einnahmensquellen außer den sporadischen Kakao für Radfahrer zu geben, zumindest so lange das angrenzende Skigebiet niemanden in die Gegend lockt.

Ob im Winter mehr los ist? Keine Ahnung, Skigebiet hin oder her, denn richtig hammermäßig sieht die Szenerie auch fürs Skifahren nicht aus. Fürs Radfahren hingegen schon, und die radunerfahrenen Kanadier waren hellauf begeistert und ernannten die letzten Kilometer vor der Lodge gleich zum schönsten Stück ihrer bisherigen Tour. Die beiden werden bis Mai 2007 in Wellington wohnen, wo er als Ingenieur und sie als Lehrerin eine durchaus beneidenswerte Existenz vor Augen haben.

Außer Schafen trag man heute auf der einsam durch die Berglandschaft führenden Straße fast niemanden – Verkehr wie am East Cape. Die gesamte Verbindungsstraße von Kaikoura gen Hamner Springs ist auch erst kürzlich asphaltiert worden und scheint noch abseits typischer Touristenrouten – zumindest außerhalb der Hauptsaison von Neuseelands selbsternanntem, sonnigsten Skifeld – zu liegen.

Einen Ort gibt es auch nicht echt – also baute man schlicht und einfach einen, mit meiner Lodge als lokalem „Zentrum“. Mt. Lyford Village scheint ein recht ehrzeigiges Regionalentwicklungs- und Investmentvorhaben zu sein, da man einfach eine Gegend in 70 Parzellen aufgeteilte und nun als exclusive Grundstücke des neuen Dorfs verhökert. Bei Grundstücksgrößen zwischen 4.000 und 10.000 Quadratmetern sicherlich ein gefundenes Fressen, um aus ehemaligen Schafsweiden kräftig Kapital zu scheffeln, aber ob sich alles gut verkaufen lässt, mag zumindest bezweifelt werden. Ganz uneigennützig ist die Straße zum neuen Dorf bestimmt auch nicht asphaltiert worden...

Auch über meine Zukunft ist mir diese Tage einiges klarer geworden. Wer jetzt ausschweifende

 Lebensplanungen sucht, wird leider enttäuscht werden, denn viel mehr geht es um die verbleibende Restzeit bis zu Franks Ankunft. Nach anfänglich „dummen“ Ideen wie von Christchurch aus noch weiter gen Süden auf dem State Highway 1 nach Dunedin zu fahren, ausnahmslos eine extrem stark befahrene Straße ohne sinnige Alternativen, die ich nicht auch noch mit Frank radeln werde. Stattdessen geht es jetzt zum Arthurs Pass hoch. Macht Sinn, denn wenn ich dort zwei oder drei nette

Blick zurück und Blick nach vorne: auf in die Berge!

 Tageswanderungen einstreue, habe ich meine bleischweren Wanderschuhe nicht nur für den unter Umständen sowieso turnschuhtauglich ausgetretenen Milford Sound Trek durch halb Neuseeland gefahren. Zwar fahre ich den Pass auch noch mit Frank, aber dann aus der anderen Richtung (von der Westküste aus), so dass ich außer der Abfahrt nach Christchurch vom Pass aus wenig vorwegnehme (Anmerkung beim Abtippen des Tagebuchs: ich nahm gar nichts vorweg, da der spätere Tourverlauf nicht der ursprünglichen Planung entsprach und ich es mit Frank nie zum Pass schaffen sollte).