Stage 28  
NELSON - HOPEWELL
74,97 Kilometer, 03:40:59

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Tagebuch während der Tour geführt von: Bernt Pölling-Vocke ( bernty@gmx.com

Einmal wieder gehen mir, wie am Ende praktisch jeder Radtour, die Tagebucheinträge aus. Etwas verdutzt sitze ich darum nun etwas mehr als eineinhalb Monate nach "Nelson - Hopewell" vor dem Bildschirm und frage mich, wieso ich nicht damals einfach noch einen Abend etwas geschrieben habe. Zeit dafür hätte es mehr als genug gegeben, denn das Backpackerhostel von Hopewell wurde von uns drei Nächte frequentiert. Zum Ende der Tour brach plötzlich der Urlaub aus, die Räder wurden (zumindest im Geiste) verscharrt und "abhängen" wurde zum dominierenden Motto für die letzten Tage der Radtour.

Seltsamerweise habe ich die Strecke nach Hopewell noch recht gut vor Augen. Kurz geschrieben gab es nicht wirklich viel zu sehen, weshalb ich mich auch noch gut daran erinnerte, bei einer unserer Pausen mit Frank darüber zu reden, dass es ja wirklich nicht viel zum genießen gab. Zwei Anstiege nach Nelson, einer noch

Kiloweise Muscheln: Gratisabendmahl im Hostel

 recht harmlos mit rund 100 Metern und einer etwas haariger mit entweder 3- oder 400 Höhenmetern gaben dem Tag einen gewissen, sportlichen Reiz, aber abgesehen davon war alles recht bodenständig. Verkehr gab es rings um das "Ballungszentrum" Nelson natürlich auch jede "Menge", was auch ohne Abstriche für den

 State Highway nach Picton galt.

Da das BBH Hostel von Hopewell, im Moment das zu Recht bestbenotetste Hostel Neuseelands, etwas "ab vom Schuss" ist, setzten wir von Havelock aus mit dem Wassertaxi zum Hostel über. Alternativ hätte man die Herberge nur über einen Umweg von siebzig Kilometern, quasi einmal rings um den Fjord herum, erreichen können. Rund vierzig Kilometer davon sind selbstverständlich auch nicht asphaltiert. Zur Krönung geht es ständig rauf und runter...

Eigentlich müsste man vermuten, dass ein so schlecht erreichbares Hostel zum Ruin verdammt ist, aber die Bude war jede Nacht ausgebucht, da eine 96%-Wertung viele davon überzeugt, das Auto zum Hostel zu foltern oder noch einmal zwanzig Dollar pro Nase für das Wassertaxi auszugeben. Unserer Meinung nach eine absolut lohnenswerte Investition, auch wenn das Hostel nicht gerade zu den günstigsten Hostels Neuseelands gehört. 25 Dollar die Nacht durften wir für unsere Betten berappen und die Nutzung des Spa Pools und der Kayaks kostete noch einmal marginal extra, aber das wundervoll gelegene Hostel ist jeden Dollar wert. Keine Straße weit und breit, keine wirkliche Straße, kaum Nachbarn, ein genialer Blick auf die Marlborough Sounds, einige klasse Wanderwege in der Nähe, absolut freundliche Betreiber, optional sogar ein als Golfplatz verkleideter Acker (bekam vom Hostelpapa sogar die Schlüssel für den wuchtigen Pickup in die Hand gedrückt, um hinzufahren): was will man mehr?

Wassertaxi: Von Havelock bis zum Hostel schipperten wir mit dem Boot, einem nicht gerade 
ungewöhnlichem Verkehrsmittel in den Marlborough Sounds

Nichts - zumindest wir nicht. Nach Wochen auf der Straße vermissten wir beide das Radfahren überhaupt nicht, gammelten unzählige Stunden in den Hängematten oder dem Spa Pool ab, schnorrten uns ohne Ende 

Ankunft am Hostel

Wein von einem Pärchen aus Münster, die wir dafür aber auch abends mit unserer Geselligkeit belohnten, lasen ohne Ende und kamen zu dem Schluss, dass es ja auch nicht immer einhundert Kilometer am Tag sein müssen, damit der Tag wirklich schön ist.

Herrlicherweise gab es einen Abend auch Muscheln ohne Ende, da der Hostelbetreiber ein Auge auf die nahe 

Muschelfarm eines Bekannten wirft und dafür regelmäßig Muscheln abgrasen darf (der Bedarf eines Hostels macht bei einer recht großen Muschelfarm nicht so viel aus). Stundenlang Muscheln pulen und zu Dutzenden vom Erdboden verschwinden lassen würde zu Hause auch in die Kategorie "Feinschmeckerei" fallen und mehr Euros als die Übernachtung mitsamt Spa Pool und Kayak kosten, auch wenn man dann sicherlich einen Teller statt etwas Tageszeitung als Tischdecke hätte. Egal, die Muscheln eimerweise auf den Tisch zu knallen und in abartigen Massen zu verschlingen hat auch Stil, auch wenn es aus den Augen eines "Feinschmeckers" etwas asozial-dekadent wirken muss. Genial...

Wer etwas Zeit und einen gut gefederten Mietwagen hat sollte den Umweg nach Hopewell auf keinen Fall scheuen, für Radfahrer hingegen dürfte es zum Wassertaxi keine wirkliche Alternative geben. Eine Übernachtungsalternative darf es in Anbetracht eines so genialen Hostels allerdings in der Region auch für niemanden geben...

 

Fotos aus Hopewell

Von links oben: drei Fotos vom Kayaken (5 Dollar "flat rate" während des Aufenthalts), ein bisschen Fotomaterial vom Golf (ich spielte eine Runde auf einem als Golfplatz getarnten Acker und durfte den Pickup des Hostels benutzen, um hinzukommen), über Fotos vom abendlichen rudern (keine gute Erfahrung, zwei Ruder simultan zu bedienen ist einfach nicht jedermanns Sache) hin zu einigen Impressionen von einer kleinen, 4-5 stündigen Wanderung auf einen nahen Gipfel, die wir vom Hostel aus unternahmen.