Stage 27  
GLENHOPE - NELSON
84,65 Kilometer, 03:36:01

WB01343_.gif (599 Byte)     WB01344_.gif (644 Byte)    WB01345_.gif (616 Byte)    

Tagebuch während der Tour geführt von: Bernt Pölling-Vocke ( bernty@gmx.com

„You Germans have discovered New Zealand many years ago, just shows what
kind of a bloody good taste you guys have“

Hostelbetreiber, als ich fragte, ob die Deutschen schon immer in Scharen Neuseeland bereisten.

Kichernd stehen nebenan zwei Asiationnen unter dem heute geschmückten Weihnachtsbaum, unser Hostelhost fotografiert die beiden, die eine hat einen Cheerleader-Büschel auf dem Kopf, die andere ein billigen Hirschgeweih. Draußen kann man bei angenehmen 23 Grad im T-Shirt herumspazieren und merkt, es weihnachtet sehr (gar nicht)...

Wir sind in Nelson, der ersten Stadt mit neumodischen Erfindungen wie beispielsweise „Ampeln“ seit Christchurch vor weiß-Gott-wie-vielen-Tagen. Es gibt auch wieder all jene Annehmlichkeiten größerer, menschlicher Behausungen wie große Supermärkte, Kentucky Fried Chicken oder McDonalds, dafür aber keinen Pizza Hut mit Buffet. Nichtsdestotrotz wurde mir auf einem kleinen Stadtspaziergang nach zehn Minuten unerträglich langweilig, so dass ich zügig ins Hostel zurückkehrte. Da mögen noch so viele Blumenkästen vor den Franchiseläden stehen, begeistern kann mich nur wenig davon. Kaufen, kaufen, kaufen...

Eben jenes „kaufen, kaufen“, nur noch vielfach potenziert, trieb auch unseren Hostelbetreiber vor Ewigkeiten nach Neuseeland. Er selbst ist Schotte, liebt die Südinsel und hasst mittlerweile Europa. Vor vielen Jahren, berichtet er, hätte er eine Freundin in Düsseldorf gehabt. Als er mit ihr über die Königsallee stolzierte, schockierte ihn, dass jeder Klamotten für 2000 Dollar anhatte, ausnahmslos. Wieder in Neuseeland angekommen, schon am Flughafen von Christchurch, trug jeder Klamotten für 50 Dollar und „didn’t give a damn“. „I felt right at home again“, meinte er schmunzelnd, ganz nebenbei in „gammeligen“ (Königsallee-Standard) Shorts und Flip Flops.

Traumhaftes Wetter - zumindest gemessen am Wetterbericht, 
der den bevorstehenden Weltuntergang prognostizierte...

Natürlich sind wir heute auch wieder beinahe trocken geblieben, Horrorwettebericht hin oder her. Es nieselte zwar anfangs etwas mehr und danach sporadisch, aber bei 23 Grad schwitzt man sowieso so, dass etwas Wasser von oben kaum spürbaren Schaden anrichtet. Recht sollte der Wetterbericht nur bezüglich des nichtexistierenden Sonnenscheins (meine Beine danken) und der Nordwestwinde behalten, die sich jedoch bis Mittag zumindest zügelten und die Bäume erst richtig rauschen ließen, als wir bereits den Gewürzegarten des Hostels („feel free“) gezeigt bekamen und man uns stolz die selbstangebauten Avokados vorführte.

Nelson vom Mittelpunkt Neuseelands aus betrachtet (zumindest wird ein Hügel neben der Stadt als geographischer Mittelpunkt Neuseelands vermarktet) und rechts ein Blick über die Bucht hinüber zum Abel Tasman National Park. 

„Das könnte auch ein Märztag im bergischen Land sein, nur wärmer“, bemerkte Frank heute unterwegs, da die Vegetation heute fast aunahmslos aus recht eintönigen Nadelwäldern bestand, die wirklich jeden Hauch des Exotischen vermissen ließen. Sonst gab es auch wenig zu sehen – kein See oder eine großartige Aussicht weit und breit. Allerdings steht uns ja mit den Marlborough Sounds zumindest noch ein optischer Leckerbissen ins Haus, bevor die Tour zu Ende geht.