Stage 26  
INANGAHUA - GLENHOPE
95,21 Kilometer, 04:56:37

WB01343_.gif (599 Byte)     WB01344_.gif (644 Byte)    WB01345_.gif (616 Byte)    

Tagebuch während der Tour geführt von: Bernt Pölling-Vocke ( bernty@gmx.com

Glenhope - nicht nur unser heutiger Zielort, sondern auch ein passendes Motto für die kommenden Tage, denn wir "hopen" wirklich, dass alles prima und trocken zu Ende geht. Heute kamen wir einmal wieder gut davon, auch wenn von den gestrigen, fantastischen Radelbedingungen kaum mehr geschrieben werden kann.

Aber das Wichtigste vorweg: trotz des grausigen Wetteberichts kamen wir einmal wieder trocken durch. Bis zur Mittagspause in Murchison nach etwas mehr als fünfzig Kilometern hatten wir sogar Sonnenschein und bekamen die sintflutartigen Niederschläge des Nachmittags nur dadurch zu spüren, dass ein recht böischer Nordostwind langsam aber sich eine dichte Wolkendecke über unseren Köpfen bugsierte, die sich jedoch erst dann recht eindrucksvoll entlud, als wir schon längst angekommen waren. 

Dummerweise ging es für uns jedoch nach unserer Pause nur noch nach Nordosten, was dann nach der recht anspruchsvollen Buller’s Gorge mit 500 Höhenmetern auf rund 40 Kilometern bis Murchison weitere Probleme in Form von direkten Gegenwinden mit sich brachte. Auch die Höhenmeter pro Kilometer wurden kaum signifikant weniger, ganze egal wie oft Frank auch ins Pedaller’s Paradise glotzte und behauptete, dass „jetzt nichts mehr kommt / kommen kann / kommen wird / da sein darf“.

Recht respektabel strampelten wir aber trotzdem einen 19er Schnitt auf die Straße, aber vielleicht trieb uns auch nur das Vorwissen von dem was noch folgen sollte, als wir uns von der warmen Dusche berieseln ließen: noch stärkere Winde und erst ein lockerer Nieselschauer, bevor es dann etwas heftiger zu prasseln begann.

Das erste Highlight des Tages ist nebenbei das einmal wieder bis auf uns leere, gemütliche Farmhostel am Straßenrand, in dem wir es uns wie in einer eigenen Wohnung gemütlich gemacht haben, das zweite Highlight jedoch die WM-Auslosung für die kommende Fußball-WM, die ich in Murchison in einer Sonntagszeitung erspähen durfte. Ausnahmsweise war einmal nicht der Wetterbericht – ganz nebenbei von nun an fünf Tage Regenwetter in Serie – sondern der Sportteil mitsamt seinen erlösenden Antworten darauf, was ich bei der WM denn nun wirklich sehen darf. Eine Teamserie von Togo war ja schon klar, aber gegen wen würden die großen Außenseiter aus Afrika antreten? Deutschland? England? Brasilien?

Leider kam es nicht so – und meine Wunschstädte München, Hamburg und Berlin bekam ich auch nicht. Andererseits hätte es auch „schlimmer“ kommen können (kein gutes Wort in diesem Kontext, da ich 200 Euro für die Teamserie berappt habe), denn immerhin muss ich nicht bis nach Kaiserslautern oder Stuttgart fahren, um die Togolesen bei ihrer ersten WM zu bewundern. Nein, zuerst wird man gegen die Kampfschweine aus Südkorea antreten (Frankfurt), bevor es dann in Dortmund gegen die Schweiz weitergeht (die ihr Entscheidungsspiel in der Türkei gewinnen konnte und dabei schon am Flughafen mit offenen Armen und wenig orthographisch korrekten „fickt euch ihr Huresöhne“-Plakaten empfangen wurden) und in Köln immerhin gegen Frankreich ein Ende nehmen wird – es sei denn, Togo qualifiziert sich sogar für das Achtelfinale, was in dieser Gruppe durchaus nicht unmöglich sein sollte. Außerdem habe ich noch Karten für das Topspiel Schweden gegen Trinidad und Togabo in Dortmund. Etwas enttäuschend ist die Gesamtausbeute

Neue Urlaubsbekanntschaften: Frank mit der Töle vom Hostel

 natürlich schon, aber hoffentlich werden es trotzdem einer WM würdige Erlebnisse .

Viel mehr gibt es heute auch nicht wirklich zu berichten. Serge, der französische Fishing-Guide der letzten Nacht, begann seinen 655 Dollar-Tag gemütlich mit einem Frühstück um neun (soviel dazu, dass er den ganzen Tag seinen Kunden hinterherdackelt), Frank spielte heute Abend ausgiebig mit den herumlaufenden Töhlen vom Hostel Stöckchen-fangen und ich war einfach nur ordentlich platt und heilfroh, als die windige Etappe trocken zu Ende ging.

Schön war es eigentlich auch wieder, landschaftlich betrachtet. Einsam, grün und im Detail betrachtet unspektakulär war es heute, aber nach unserer wenig berauschenden Westküstentortour findet man wahrscheinlich alles wieder schön, was man ohne Pfützen in den Schuhen zu sehen bekommt. Nach all den einsamen Farmhostels der vergangenen Tage wird auch die 50,000 Einwohner zählende „Metropole“ Nelson, vielleicht sogar mit den ersten Ampeln seit Christchurch, morgen so eine Art Minikulturschock sein. Es ist schon faszinierend zu realisieren, dass mancher Farmer dieser irgendwie neuseelandtypisch einsamen Regionen bis zum nächsten Supermarkt locker vierzig Kilometer fahren muss, und dann auch erst im Minimarkt von Reefton ist. Wahrscheinlich fährt jeder alle zwei Wochen mit seinem Pickup und einem dicken Anhänger nach Nelson, aber trotzdem ist die weite Entfernung zum nächsten Kauftempel ein witziger Gedanke, vor allem für uns als Deutsche, die wir es ja gar nicht mehr gewohnt sind, keinen Plus, Lidl UND Aldi (kein „oder“ an dieser Stelle) in nächster Nähe zu haben (einige Nordseeinseln ausgenommen). Ich glaube auch nicht, dass man in Deutschland mehr als 27 Kilometer vom nächsten McDonalds oder 45 vom nächsten Burger King wohnen kann. Wie weit war es noch einmal bis Queenstown?

Macht keine Lust auf mehr: Wetterbericht für die kommenden Tage, laut dem neuseelandweit außer Regen nicht viel zu erwarten ist. Es gab berechtigten Anlass um den Spaßfaktor an den letzten Tagen zu fürchten, aber ob die Meteorologen ausnahmsweise richtig lagen, werden die nächsten Seiten verraten...