Stage 24  
ROSS - GREYMOUTH
80,61 Kilometer, 04:03:13

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Tagebuch während der Tour geführt von: Bernt Pölling-Vocke ( bernty@gmx.com

„To venture it to risk death, not to venture is to have died already“ (Waldo Emerson)
“Free spirits have always encountered violent opposition from mediocre minds” (Albert Einstein)

Miese Stimmung im Fahrerlager  - Sonnenschein draußen. Miese Stimmung? Ausgehend davon, dass nicht 

Keine fünf Minuten gefahren und schon begann es zu regnen...

den ganzen Tag über die Sonne schien und es ab Kilometer drei den ganzen Tag auf uns herabprasselte, nahm ein nicht wirklich angenehmer Tag seinen feuchten Lauf.

Nach einer Stunde schwappte es einmal wieder in den Schuhen, der Wind torpedierte uns nicht zu knapp, wir hatten fast ausnahmslos heftige Gegenwinde und nach vierzig Kilometern war es mit der Zweisamkeit auf dem Velo vorbei, da Frank gerne etwas pausieren, ich, klitschnass wie ich nun einmal war, allerdings durchballern wollte. Mir war nicht danach, abends röchelnd mit Schal um den Hals diese Zeilen zu schreiben, womit eigentlich nur die Flucht nach vorne blieb. 

Die verschiedenen Fahrradphilosophien prallten allerdings am Ziel schroff aufeinander, da Frank die Meinung vertrat, bei 18 Grad auch einmal klitschnass im warmen Cafe am Straßenrand pausieren zu können. Ich hingegen beharrte darauf, dass ich mich dann höchstens genauso wie schon zu Tourbeginn erkälten würde, da auch damals ein tierisch kalter Tag in Kombination mit zwei Besuchen beheizter Etablissements schlecht für (zumindest meine) die Physis war. Meine ersten Worte am Hostel waren auch folglicherweise „show me everything later. Where are the showers?“ – denn ich wollte einfach nur noch aus meinem Feuchtbiotop raus und warm sowie trocken werden.

Gute Miene zum bösen Spiel: nur selten gab es heute überhaupt etwas von den Alpen zu sehen, auch wenn der Ausblick rechts nicht wirklich berauschend ist...

Recht haben wir natürlich, subjektiv betrachtet, beide. Zusammen zu reisen ist natürlich schwer, wenn zwei Individuen Recht haben und das jeweilige Recht konträr zum anderen Recht ist. Vom tag angepisst reiben wir uns momentan auch lustig an jeder Kleinigkeit, aber wenn man schon vom Radfahren latent angekotzt ist, bricht der Vulkan halt sehr schnell aus, auch wenn man gleichzeitig ganz genau versteht, dass das nicht unbedingt rational ist. Ein Ventil muss her, denn der Tag war zum Kotzen.

Enttäuschend war auch unsere Suche nach einer Ersatzkamera (für Franks verstorbene Videokamera), da unter siebenhundert Dollar in Greymouth nichts zu machen war. Siebenhundert Dollar sind natürlich eindeutig zu viel, wenn es nur darum geht, dass letzte Drittel der Radtour noch auf Video zu bannen. Sehenswert wird das Tourvideo jedoch hoffentlich erneut, auch ohne bewegte Bilder seit den Gletschern, aber extrapoliert man den Wetterbericht für die kommenden Tage aus dem Wetter seitdem, ist es auch recht egal. Der Sonnenuntergang macht allerdings Hoffnung.

Erfreulicherweise konnte ich jedoch, zeitig wie ich im Ziel war (Fahrtzeit etwas mehr als vier Stunden bei einer Reisezeit von gerade viereinhalb Stunden), mein Fahrrad auch noch vor Ort reparieren lassen, da meine Bremsen absolut „durch“ waren. Selbst Frank konnte nichts mehr richten, was selten geschieht (zum Glück 

...natürlich hätte ich mich (nachdem ich das Foto geschossen hatte) fast auf die Klappe gelegt. 

hält auch sein Hinterrad noch, in das er selber neue Speichen reingefriemelt hatte), da die Sprungfedern einfach nicht mehr federten. Ersatz musste her, aber ein freundlicher Schrauber aus der Main Street war willens, das Rad noch heute zu reparieren. Seine Auftragsbücher waren zwar schon rappelvoll und das Rad erst eine Dreiviertelstunde nach offiziellem Ladenschluss abfahrbereit, aber in Deutschland hätte man mich bestimmt stumpf abblitzen lassen und wesentlich mehr als 15 Euro für neue Bremsblöcke vorne und hinten, neue Sprungfedern und die Montage genommen.

Zur Strecke kann ich heute natürlich gar nichts schreiben, da ich sie nicht gesehen habe. Netter Asphalt. Die Wolkendecke hing praktisch den ganzen Tag auf 150 Metern und gab die Sicht auf gar nichts frei, außer dem Asphalt vor dem Vorderreifen. Frank mault mittlerweile schon, dass er nicht wieder im Regen zu fahren und das nächste Mal entweder einen Ruhetag einzuschieben oder mit dem Bus zu fahren. Zweifelsohne, Frank wird älter und jeder sportliche Ehrgeiz scheint zu Zeiten dahin. Ab und an konnte man zwar auch heute vom Rad aus etwas von der Küste erspähen, aber auf einen Abstecher zum Strand hatten wir natürlich auch keine Lust, denn das Meer ruhte schon den ganzen Tag über unseren Köpfen. 

Gnädiges Abschiedsgeschenk der verregneten Westküste: Sonnenuntergang in Greymouth