Stage 23  
FOX GLACIER - ROSS
116,98 Kilometer, 05:28:39

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Tagebuch während der Tour geführt von: Bernt Pölling-Vocke ( bernty@gmx.com

Gruß aus der Kirche – der „Old Church“ von Ross, die unser findiger Hostelbesitzer 2001 erwarb, auf einen Lastwagen ludt („Just the building was for sale, not the land“), 16 Kilometer südlich von Ross mehr oder 

Auszüge aus der Hostelgeschichte: Transport der Kirche

weniger am Straßenrand abstellte und zum feinen Backpackerhostel ausbaute. Wo früher der Altar stand, steht heute eine Gitarre neben flauschigen Sitzkissen und einer beeindruckenden LP-Sammlung (was in Deutschland undenkbar wäre, da die Sammlung nach zwei Wochen bei Ebay zu finden wäre), außer uns gibt es keine weiteren Gäste und es stört somit auch niemanden, dass der Gestank trocken gefönter Radschuhe, Trikots und Sochen durchs Haus dingt. Es war, wie zu erwarten gewesen, einmal wieder ein feuchtes Vergnüngen...

„It is just water“, meinte der Betreiber unserers Hostels am Fox Glacier heute früh. Glücklicherweise erlaubte uns der Regen zumindest die ersten 23 Kilometer und 550 Höhenmeter bis zum Fox Glacier recht trocken hinter uns zu bringen, denn nichts ist grausamer als in schweineteuren, „atmungsaktiven“ Regenklamotten eingeschweißt den Tag mit diversen Anstiegen zu beginnen.

Zehn Kilometer nach Franz Josef war es aber mit der Trockenzeit endgültig passé, und ebenso mit unserer geselligen Zweisamkeit, da Frank etwas vorauseilte und Unterschlupf suchte, während ich am Straßenrand in meine Regenklamotten stieg. Von der Straße aus konnte ich dann nicht erkennen, wo (oder ob) Frank eingekehrt war, wähnte ihn stets vor mir durch den peitschenden Regen radelnd und suchte wenige Minuten später unter einigen Bäumen Unterschlupf, wo ich dann zwei Tschechen traf, die zu Fuß auf dem Weg zum Fox Glacier waren. Leider wollte sie heute niemand per Anhalter mitnehmen, aber selbst im sonst sehr Anhalterfreundlichen Neuseeland dürfte man schlechte Karten haben, wenn man potenziellen Autofahrern nur eine klitschnasse Last anbieten kann.

Im Regenschatten der Bäume quaselten wir ein wenig, Frank kam nicht aus seinem Unterschlupf hervorgekrochen und als mir schließlich kalt wurde, brach ich in den etwas leichter werdenden Regen auf – Frank stets vor mir wähnend, da ich nicht wissen konnte, dass er etwas hinter mir einen warmen Tee schlürft.

...nicht zu vergessen: es weihnachtet...

Das Frank nicht vo rmir war, wurde mir eigentlich erst 45 Kilometer später am Mt. Hercules, dem einzigen signifikanten Anstieg nach Franz Josef, klar, da ich pausenlos und zügig geradelt war und ihn eigentlich trotz meiner etwa zehnminütigen Pause bei den Tschechen schon längst hätte einholen müssen – von den normalen Durchschnittsgeschwindigkeiten dieser Tour ausgehend. Es regnete zwar seit rund fünfzehn Kilometern kaum noch, aber warten konnte ich natürlich auch nicht. In den Schuhen schwappte es, Neoprenüberschuhe hin oder her, das Trikot unter der Regenjacke war nichts außer einem nassen Lappen und nach einer Minute aus den Pedalen fror man – trotz eigentlich angenehmer 15-16 Grad.

Auf Frank, also nicht vor mir, sondern x-Minuten hinter mir, warten: umöglich. Anhalten: sowieso dumm,

Endlich da: viel Regen, viel Strecke, wenig Pause - ein Tag, wie man ihn nicht immer haben muss.

 wenn ich morgen nicht wieder röcheln möchte: was blieb? Nichts außer der Attacke auf die Restkilometer, die ich dann auch ohne wirklich anzuhalten abspulte. Sowieso pausierte ich ab Kilometer 33 höchstens noch zehn Minuten bis zum Ziel nach 117 Kilometern, was einem recht beachtlichen Ritt gleichkommt, der einen zum Glück vergessen ließ, wie wenig trocken man unter den Regenklamotten wirklich war. Am Ziel angekommen schien es fast irreal, stundenlang in einem auswringbaren Trikot geradelt zu sein!

Rund eine Dreiviertelstunde nach meiner Ankunft, also Dusche, Tee und das obligatorische Marmeladenbrot später, kam dann auch Frank angerollt und erzählte, dass er mich, viele Stunden zuvor, von seinem Unterschlupf aus „vorbeirasen“ sah, mir aber wohl auch nichts zurufen konnte. Erhatte bei einem Haus mit Hubschrauberhangar Regenschutz gefunden, dort leckeren Tee angeboten bekommen und etwas mit dem leicht gelangweilten Hubschrauberpiloten geschnackt, der in der letzten zehn Tagen nur einmal Touristen durch die Gegend fliegen konnte, nämlich am subtropischen, gestrigen Tage. Ansonsten? Regen, aber man könne ja auch keinen Regenwald erwarten, wenn es nicht auch regnen würde...

Nachdem ich nach achtzig Kilometern realisiert hatte, dass Frank hinter mir war, bat ich noch ein entgegenkommendes Auto dem nächsten Radler bitte mitzuteilen, dass ich bis zum Hostel durchbraken würde. Die Nachricht kam netterweise sogar bei Frank an, der sich selbiges eh schon gedacht hatte und genauso wie ich nach Verlassen seines Unterstandes recht zügig durchfuhr, einmal vom Umziehen nach 55 Kilometern in Whataroa abgesehen.

Etwas enttäuschend ist sicherlich, dass wir vom spektakulärsten Teil der Westküste eigentlich nicht viel gesehen haben. Und was wir sehen durften, war überwiegend grau. Das wir ständig nahe an den grandiosen Alpen radelten, war schon seit dem Tag von Haast zum Fox kaum zu spüren, da das, zumindest theoretisch, extrem fotogene Panorama stets von Wolken verdorben wurde. Zig 3000er im Hintergrund? Nichts gesehen. Schneebedeckte Gipfel? Wo? Witzigerweise hat Frank jetzt nie den Mt. Cook sehen können – weder vom Lake Pukaki im Osten der Alpen aus, noch von der Westküste. Eigentlich schade für ihn, aber aus Spaß hier auf der Homepage noch ein paar meiner best-of-Mt.Cook-Fotos.

 

Best of Mt. Cook 

Der imposante Mt. Cook, seit 1998 auch wieder Aoraki ("Cloud Piercer" auf maorisch) / Mt. Cook genannt , misst 3.754 Meter wurde 1894 erstmals bestiegen. Weitere Infos: http://en.wikipedia.org/wiki/Mt._Cook