Stage 20  
QUeenstown - WANAKA / ALBERT TOWN
82,96 Kilometer, 04:18:07

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Tagebuch während der Tour geführt von: Bernt Pölling-Vocke ( bernty@gmx.com

Ganz entspannt belagern wir heute Abend die Albert Town Lodge, da es hier, in Albert Town, erst dann etwas betriebsamer wird, wenn Wanaka, rund sechs Kilometer entfernt, voll wird. Rein geschäftsmäßig hat man somit als Hostelbetreiber in Alber Town ein bisschen die Arschkarte gezogen, für uns bedeutet die Existenz des Hostels allerdings eine entspannt ruhige Nacht allein im ganz akzeptablen 77% (BBH-Wertung) Hostel.

Wirklich erholt fühlte ich mich am Morgen zwar nicht, überraschte mich dann aber selbst auf dem Weg zum Pass hinauf - und wurde anschließend vom Wind übelst überrascht, denn statt einer langen Abfahrt folgte nur strammes Gestrampel in den Gegenwind, wodurch jedes Gefälle seinen Reiz einbüßte.

Ganz entspannt war auch die erste Etappe nach einer Woche „Ruhe“ auf keinen Fall, denn der wohl schwierigste und längste Anstieg der Tour hinauf zum Crown Saddle erwartete uns mit rund 700 Höhenmetern und extrem steilen Segmenten im zweistelligen Prozentbereich. Auch die anschließende Abfahrt nach Wanaka, die eigentlich die zweite Hälfte des Tages recht einfach gestalten sollte, hatte es anschließend verteufelt in sich.

Obwohl wir bis zum Pass hinauf noch sanfte Rückenwinde hatten und ich einem Asiaten, der mich mitsamt Rad auch gleich filmen musste, versicherte, dass von nun an alles einfach wäre, kam alles ganz anders. Wieder einmal überraschte uns der plötzlich um 180 Grad gedrehte Wind mit mörderischer Kraft, die selbst aus der langgezogenen Abfahrt ein hartes Stück Radkunst werden ließ.

Hinauf zum Crown Saddle

Krampfhaft strampelnd und abwechselnd im Windschatten des anderen durchschnaufend schlugen wir uns schließlich bis ins sonnige Wanaka durch, wo genauso wie in Queenstown und jetzt in Albert Town die Sonne 

40 Kilometer Abfahrt? Ein Traum, der zum kräftezehrenden Albtraum werden sollte.

wie nichts Gutes vom Himmel briet. Der Wetterbericht, abgesehen von den unangenehmen Winden, ist somit einmal wieder vollkommen über den Haufen geworfen worden, aber unser Wetterglück wird langsam mehr als einfach nur unverschämt. Als wir gestern mit dem Bus von Te Anau nach Queenstown zurückfuhren, regnete es natürlich jede Menge, bevor in Queenstown wieder die Sonne schien. Normal.

Etwas unerfreulicherweise hatte mein Vorderreifen in den letzten Tagen seinen Geist aufgegeben und war so

 platt wie ich am Crown Saddle. Natürlich – Glück muss sein – passierte der Platte genau vorm geplanten Ruhetag, so dass ich nicht wild fluchend am Straßengraben herumflicken musste, sondern stattdessen

 angenehm (falls Radreparieren überhaupt angenehm sein kann) vorm Hostel in Queenstown herumbasteln konnte. Frank verbrachte die Zeit im Spa Pool (hier im Hostel „Bekleidung optional“) und erholte sich fürs abendliche Pizza Hut Festmahl. Auf touristische Highlights im „Fun Capital of the World“, namentlich Freizeitaktivitäten wie Bungyspringen oder Speedboatfahrten (für jeweils dreistellige Dollarbeträge) hatte er denn auch keinen Bock mehr, nachdem er ursprünglich fest vorhatte, den Nachmittag in Queenstown noch zu „nutzen“.

Spektakulär war die heutige Etappe, im Moment geht es im Tagebuch etwas drunter und drüber, auf jeden Fall, auch wenn ich gestehen muss, dass ich langsam etwas überdrüssig von den Bergen werde und mich schon wieder richtig auf das rauschende Meer und die Küste freue. Leider verläuft die Straße an der Westküste meistens eher nicht in Spuckreichweite zum Wasser, aber etwas Meer "hier und da" wird es schon zu sehen geben. Jetzt ein Hostel wie in der Coromandel oder in den Northlands, direkt am Strand, gutes Wetter, abends barfuss in der Brandung latschen, Sonnenauf- oder Untergänge genießen, ach, nein: nicht ziel darüber schwärmen, denn wahrscheinlich kriegen wir erst einmal weder Strand noch Sonne. Aber was weiß man schon? Zumindest bezüglich des Wetters gar nichts, 

Erster am "Bra-Fence": während ich schon die zahlreichen Textilobjekte am Straßenrand bestaunte, rackerte Frank noch munter gegen den Wind.

neuseeländische Meteorologen eingeschlossen.

Auf unserer Etappe von Queenstown nach Te Anau (jetzt werden die Zeitensprünge dieses Eintrags perfektioniert) stellte Frank etwas ernüchtert, dass er älter wird (man erinnere sich an die Aussage, dass „unterhalb des Bauchnabels (mit einigen Ausnahmen) alles schmerzen würde“ und die Zeiten, in denen er einfach noch schmerzfrei wochenlang radeln konnte wohl der Vergangenheit angehören würden. Heute hat es dann vielleicht mich erwischt, da die Innenseite des rechten Knies tierische Probleme bereitet. Vielleicht saß die prophylaktische Bandage nicht richtig und hat die Bänder etwas gereizt, aber im Moment kann ich das Bein keine fünf Mal in Folge schmerzfrei anwinkeln. Mit etwas Glück ist morgen früh sowieso wieder alles weg, aber da der Schmerz nur beim Anheben des Beines zu spüren ist, müsste das reine Hinabstampfen auch funktionieren – mit einem Bein treten, wie im letzten Jahr an den Tagen vor Bukarest, scheint im Moment nicht zu drohen. Das heutige Wehwehchen hatte ich so allerdings noch nie zuvor, wobei man eigentlich nach einer Woche Ruhe vom Rad nicht zuerst gleich wieder Verschleißprobleme erwarten sollte.

Der "Bra-Fence" von Cardrona, ein etwas anderes Fotomotiv...

Wanaka selbst haben wir außer New World (Supermarkt) auch nicht gesehen, oder sehen wollen. Ich war im Winter schon einmal dort, da ich auf einer Autotour dort nächtigte, bevor es über 50 Kilometer Schotterpiste bis zum Mt. Aspiring National Park ging. Viele sagen, dass Wanaka selbst wesentlich schöner als Queenstown sei, was irgendwie implizieren würde, dass das Kaff durchaus eine Stunde Aufmerksamkeit verdient hätte, aber genauso wie Frank war ich heute mit einer kurzen „Ist ja eigentlich ganz nett hier“-Feststellung bedient und wollte weiter nach Albert Town.