Tag 2: CLINTON HUT - MINTARO HUT (16,5 km)

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Tagebuch während der Tour geführt von: Bernt Pölling-Vocke ( bernty@gmx.com

400 Gramm Nudeln mit Pesto, frischer Paprika und Cashew-Kernen allein verspeist und trotzdem noch hungrig. Die Schulter schmerzt, das Sprunggelenk pocht und der Schlafsack kann kaum noch nah genug sein: da mir die normale 16,5 Kilometer-Etappe zur Minatro Hut nicht genügte, schloss ich gleich noch den 500-Höhenmeter-Aufstieg zum Mackinnon Pass an, was das Tagesgesamtpensum auf ermüdende 24 Kilometer trieb. Frank zog es nach der Ankunft an der Hütte ohne große Umwege zu einem nahen See, ich schob mir hingegen hastig einige Scheiben Marmeladenbrot hinter die Kiemen und galoppierte dann im Windschatten des Air-Canada-Expresses zum Pass hinauf.

Erstes Päusschen nach etwa zwei Stunden - noch ließ sich die Sonne nicht blicken...

Air Canada Express? Schon heute früh um halb acht preschte eine junge Kanadierin aus Toronto mit zwei klackenden Wanderstöcken bewaffnet Nordic-Walking-mäßig an uns vorbei und absolvierte die 6-Stunden-Wanderung in vier Stunden – ohne dabei jedoch noch zeit für geruhsame Ausblicke zu haben. „Das bringt ja nichts“, resumierte Frank ganz richtig, aber als ich mit ihr zusammen zum Pass hochstratzte, konnten wir uns auf ein Tempo einigen, dass mich ganz gut antrieb und, naja, sie wahrscheinlich schon etwas nervte. Wir unterhielten usn dafür aber wirklich nett, da sie ebenfalls mit dem Fahrrad unterwegs ist. Das 

Die berühmten "Blue Ducks", fast vom Aussterben bedroht und gar nicht einmal so blau...

Radtrikot? Ein Jersey der Toronto Maple Leafs! Als wir nach einigen Stunden wieder vom wunderschönen Pass hinabkamen, kam uns allerdings auch Frank entgegen, da auch er das exzellente Wetter nach seinem Abstecher zum See noch für ein paar Extrameilen nutzen wollte. Sowieso sollte man stets versuchen, den Mackinnon Pass schon am Tag zur Mintaro Hut mitzunehmen, zumindest wenn

Wasserfälle soweit das Auge reicht...

 das Wetter stimmt, da einem niemand garantieren kann, dass es am nächsten Tag genauso schön ist – statistisch betrachtet regnet es sowieso. Oben am Pass meinte zur Kanadierin und mir auch jemand, dass er bereits zum vierten Mal oben wäre und noch nie so gutes Wetter gehabt hätte. Glück, absolutes Glück!

Weniger glücklich waren Wanderer im vergangenen Späsommer, da grausame Niederschläge im März Teile des Wanderwegs dermaßen überfluteten, dass Hüttengäste in ihren Hütten eingeschlossen waren. Damals mussten die Touristen per Hubschrauber ausgeflogen werden, denn sobald alle der unzählbaren Wasserfälle erst einmal richtig auf Touren kommen, steigt der Clinton River im Tal schnell mehrere Meter an, wodurch das Tal unpassierbar wird.

Landschaftlich bot Tag zwei der angeblich mit-schönsten Wanderung der Welt anfangs nur maue Hausmannskost. Die Gipfel waren wolkenverhangen, der Wanderweg ausgetreten wie im Stadtpark und stundenlang passierte auch nicht gerade furchtbar viel, bis nach etwas mehr als vier Stunden der Weg endlich steil anzusteigen behann, die Wolken verschwanden und die Wanderung endlich ihrem Ruf gerecht zu werden schien. Der morgige Tag über den Pass dürfte, gutes Wetter vorausgesetzt, extrem spektakulär weitergehen, aber wir werden es sehen und sollten pauschal erst einmal nichts erwarten. Zumindest gut, dass der Pass bei gutem Wetter schon einmal in feuchten Tüchern ist, wobei all jene, die es heute nicht mehr zum Pass hochschafften (oder hochschaffen wollten), ein grandioser Ausblick und lustige Keabegegnungen vorenthalten bleiben würden.

Wenig faszinierend war übrigens unser heutiges Zusammentreffen mit den DOC-gehegten und gepflegten blauen Enten, da sie gar nicht einmal so blau schienen. Die „Blue Ducks“ existieren neuseelandweit nur noch in sechs Tälern und sind prominenter Bestandteil des Milford-Sound-Trek-Wappens. Zwar möchte ich die oftmals fantastische Arbeit des DOC in keiner Weise schmälern, aber eigentlich waren es ja auch nur Enten, so wie es sie überall auf der Welt gibt (vielleicht etwas blauer) und deren Überleben einer Vielzahl an natürlichen Feinden tagtäglich den Tod bringt, da das DOC und seine freundlichen Helfer rabiat mit dem Morden von Fremdlingen beschäftigt sind. Gut für die Enten, Genickbruch fürs Stoat.

Faszinierende Bäume und Sträucher, grandiose Ausblicke vom Pass und Begegnungen mit einem Kea...
Kauen alles: selbst Steine sind vor Keas nicht sicher...