Tag 1: CLINTON HUT (5 km)

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Tagebuch während der Tour geführt von: Bernt Pölling-Vocke ( bernty@gmx.com

Langsam umschließen noch einsame Wolken die Gipfel um uns herum, ein hungriger Kea umkreiste die Hütte und Hundertschaften an Sandflies, recht fiese, mückenähnliche Mistviecher, überzeugen schnell davon, dass es drinnen angenehmer als draußen ist. Fünf Kilometer liegen hinter uns, 47.5 an drei Tagen vor uns. Langsam überfällt die Nacht die Clinton Hut, eine exzellent ausgestattete Hütte, für die wir, als „independent walkers“ auf dem Milford Sound Trek, allerdings auch 60 Schacken die Nacht berappen müssen.

Angenehmer Auftakt: von Te Anau Downs aus tuckerten wir etwa eine Stunde lang zum Startpunkt des viertägigen Milford Sound Treks - Gott sein Dank bei fantastischem Wetter, denn mit rund 250 Regentagen pro Jahr ist die Region nicht gerade für beste Fotobedingungen bekannt.

Sämtliche „non-independent-walkers“ hausieren rund dreieinhalb Kilometer hinter uns in gemachten Doppelbetten, schlummern einem dicken Frühstück entgegen und berappen für den dann sechstägigen Spaß, kleine Milford-Sound-Kreuzfahrt am Ende mit eingeschlossen, gleich einen Komplettpreis von 1500 Dollar.

Nicht alleine unterwegs: jeden Tag starten rund 80 Wanderer auf den streng limitierten Trek. 

Teuer ist der Trek gemessen an Neuseeland-Maßstäben trotzdem, selbst für uns. Viele, die ihn nicht machen (oder machen können, da er ständig monatelang im Voraus ausgebucht und freies Campen abseits der limitierten Hütten verboten ist), verschmähen den Milford Sound Trek aufgrund des recht stringenten

 Ablaufs, der jegliche Flexibilität im Ansatz erstickt, aber tun sie dies zu Recht? Wir werden es sehen, aber der erste Tag war schon einmal fantastisch.

Vielleicht – oder bestimmt – liegt da auch am Wetter. Zwar regnet es hier im Jahr 6-8 Meter und statistisch zwischen 14 und 20 Tagen pro Monat in signifikanten Mengen, aber das neuseeländische Meterologenvolk verspricht uns momentan fast ausschließlich Sonnenschein, was einem Sechser im Wetterlotto gleichkommt. Ein schöner Hauptgewinn, auch wenn die Region laut Aussagen einiger Touristen aus England, die wir am Lake Tekapo bei uns im Hostel trafen, einen ganz speziellen Reiz hat, wenn es ordentlich regnet, urplötzlich Hunderte Wasserfälle entstehen und man das Gefühl hat, der Natur vollkommen ausgesetzt zu sein. Mir gefallen bis zu 32 Grad, die es eigentlich gar nicht sein kann, allerdings ausgesprochen gut...

Wirklich überraschend ist auch die fast komplette Abwesenheit von Deutschen, von denen es sonst überall in Neuseeland nur so wimmelt. Es mag am hohen Preis oder der notwendigen, langfristigen Planung liegen, die typischen Rucksacktouristen allein schon vom Prinzip her unsympathisch sein muss, aber es ist auch einmal nett, überwiegend englisch in Neuseeland reden und hören zu dürfen.

Wirklich nett war auch Allister, unser Hostelbetreiber in Te Anau, der uns heute Mittag mit dem Auto in die Stdt brachte, wo wir die x-fach umgepackten Rucksäcke mit allerlei Nahrung für die kommenden vier Tage vollstopften und anschließend zum DOC Center latschten, um unseren Shuttlebus zum Trek zu erwischen. Beängstigenderweise hat Frank kaum mehr als zwei Drittel meiner Last zu schleppen, wobei ich beim besten Willen nicht mehr weiß, wo ich noch Gewicht sparen könnte, ohne fahrlässig unterwegs zu sein (keine Regenklamotten, keine Jacke usw.). Einen Pfefferstreuer braucht man vielleicht auch nicht unbedingt, aber andererseits möchte man ja auch in den Hütten abends etwas Schmackhaftes kochen. Naja, egal. Ich bin ja auch größer, dann kann ich auch mehr tragen...

Am Abend wurde uns in der Hütte auch noch ein kleiner Natur-Walk angeboten, auf dem wir hauptsächlich über typische DOC-Methoden zum organisierten Possum- und Stoat-Genozid lernten, damit einheimische Blue Ducks und Kiwis wieder etwas sicherer in den Fjordlands gedeihen können. Stoats und Possums, beide, nichts Böses planend, von Farmern aus Australien eingeschleppt, futtern nämlich viel zu gerne Kiwis und blaue Enten, weshalb man in Neuseeland schon zum Held-für-einen-Abend wird, wenn man mit seinem Auto ein Possum erwischt. Natürlich würde ein Possum argumentieren, dass es auch ein Recht aufs Leben hätte, aber Neuseeländer sind offensichtlich nicht bereit, den angeblich bis zu 70 Millionen Possums dieses Recht uneingeschränkt einzuräumen. Pech für die Possums...

Wer viel wandert... ...muss viel essen: Frank beim Kochen in der Clinton Hut.