Stage 18
CROMWELL - QUEENSTOWN
62,98 Kilometer, 03:18:38

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Tagebuch während der Tour geführt von: Bernt Pölling-Vocke ( bernty@gmx.com

Schon verwunderlich, wie nett Abende sein können, wenn der vorausgehende Tag eigentlich nur Dreck war.

Dreck? Die Fotos zeigen nicht davon, aber meine Radeform war heute, vorsichtig ausgedrückt, unter aller Sau. Ob nun aufgrund meiner Mini-oder-auch-nicht-erkältung, des schweren Rades oder des ständigen Aufs- und Abs, weiß ich nicht. Auch das ständige Auf- und Ab funktioniert nicht echt als Erklärung, da es eigentlich nur der gesamten Nordinsel entspricht, die ich schon zu Genüge beradelt habe, ohne tausend Tode zu sterben. Frank zog genüsslich davon und scheint langsam besser in Form zu kommen, ich rackerte mich auf ausgebrannten Beinen ab und brach nach etwa fünfzig Kilometern vollkommen ein, saß Marmeladenbrot hineinstopfend im Straßengraben und wünschte mir Queenstown herbei. Frank versuchte mich zwar noch anzutreiben („Sind doch nur noch zehn Kilometer“), aber selbst nach meiner Futterpause sollte ich für diese Distanz noch, Pausen eingeschlossen, mehr als eine Stunde benötigen. Ich hätte ungelogen auf der Stelle einpennen können, überall, jederzeit...

Angst bereitet mir auch schon die morgendliche 114 km-Etappe nach Te Anau – alles andere als flach und über mehr als achzig Kilometer davon sogar auf Schotterpisten, die das Radfahren sicherlich kaum einfacher gestalten werden. Dazu frohlockt auch noch ein Tag in der prallen Sonne – jawohl, der Wetterbericht ist exzellent und verspricht lediglich besser zu werden! Haben sich die Mongos vom Metservice nicht verraten, könnten wir sogar überwiegend Sonne für den viertägigen Milford Sound Trek erwischen, was bei 250 statistischen Regentagen im Jahr (Tage mit mehr als einem gewissen Mindestmaß an Niederschlag, es regnet also durchaus häufiger) in der Region eigentlich so gut wie unmöglich ist.

Einmal wieder, wie schon an der Buscot Station, genoss Frank den Tag während ich im Bett die Etappe „verdaute“. Eineinhalb Stunden Tiefschlaf genügten jedoch, um mich wieder einigermaßen aufzupäppeln, so dass ich zumindest das Abendbuffet von Pizza Hut in vollen Zügen genießen konnte. Ursprünglich sollte die Ankunft in Queenstown standesgemäß vor einem großen Teller Nachos im Hard Rock Cafe gefeiert werden, aber angeblich hat das Management des einzigen Cafes Neuseelands fortlaufend Mist gebaut, so dass der Schuppen geschlossen wurde. Der T-Shirt und Memorablienverkauf läuft jedoch ungebremst weiter, aber T-Shirts ohne Nachos sind auch wie Fahrräder ohne Reifen.

Heute Nachmittag hatte ich in einer E-Mail auch schon geschrieben, dass ich bei jeder anderen Etappe morgen über den Bus nachdenken würde, zumindest basierend auf meiner heutigen Form. Geht aber nicht (auch wenn ich mich jetzt, hier im Sonnenuntergang sitzend während NRW und Niedersachsen im Schneechaos versinken und mein Vater, eines Stromausfalls sei Dank, mit der Taschenlampe durch den Supermarkt huschen muss, wieder ganz gut fühle), da ich mich auf die morgendliche Etappe beinahe das ganze Jahr über gefreut habe. Die Schotterpiste von der Walter Peak Station bis zum Highway nach Te Anau, rund 80-85 Kilometer, wurde mir fortlaufend von Radlern wärmstens empfohlen und sogar mit Bergetappen in den Anden verglichen. Vorfreude ist einem dummen Sprichwort nach zwar die schönste Freude, und bin ich morgen so fit wie heute vielleicht auch die einzige Freude, aber ich freue mich trotzdem. Wie schon in den letzten Tagen hoffe ich einmal mehr, wieder über Nacht etwas mehr Boing-Boing in die Beine zu bekommen, aber auch Frank wird diverse Kreuzzeichen machen, wenn wir morgen am Ziel angekommen sind. Seit drei Tagen zwickt angeblich die Achillissehne jeden Tag ein bisschen mehr, was ein gutes Zeichen ist, dass etwas Abwechslung vom Radfahren nicht gerade schaden kann. Zum Glück sind wir auch in einer Woche hier in Queenstown wieder im selben Hostel, so dass wir überflüssigen Ballast erst gar nicht bis nach Te Anau radeln müssen. Bei achzig Kilometern auf Schotter zählt jedes verfluchte Gramm doppelt, aber wenn ich das wirklich so meinen würde wie ich es schreibe, hätte ich mir bei Pizza Hut keine zehn Stücke Pizza reingepfiffen, woll?

Queenstown: für mich ging es erst einmal ab ins Bett, für Frank hingegen stand das Standardtouristenprogramm (was nicht abwertend gemeint sein soll, ich selbst absolvierte Selbiges im Winter) auf dem Programm: Mit der Skyline Gondola ab auf den Berg!