Stage 2  
Blenheim - Kaikoura
133,11 Kilometer, 7:36:37

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Tagebuch während der Tour geführt von: Bernt Pölling-Vocke ( bernty@gmx.com )

„Du bist schon“
Japanerin, gestern Abend; ich blickte wohl etwas verdutzt, bis ich verstand, dass das "o"
ein "ö" sein sollte, woraufhin sie „Now I made you happy“ nachschob und grinsend im Schlafsack verschwand. 

Kein Traumwetter für 133 Kilometer: zehn Grad, Gegenwind, ab und zu etwas Regen - der Tourauftakt hätte kaum ungemütlicher sein können. 

Tot, platt, im Eimer, aus’n Puschen – mir fallen viele Metaphern dafür ein, wie ich mich heute ab Kilometer 

50-60 fühlte, und nur wenige davon wecken positive Asoziationen.

Von jeglicher Art an Geschwindigkeitsrausch war heute von Anfang an wenig zu spüren, denn meine ziemlich hundsmiserable Durchschnittsgeschwindigkeit liegt nicht etwa an Durchhängern gegen Ende hin, 

sondern gibt einfach nur relativ zutreffend das fortlaufende Leiden wieder, welches zwischenzeitlich niemals zu enden schien.

Neben meiner nicht gerade vorzüglichen Basisform lag es heute jedoch hauptsächlich am brutalen Wind und vielen Erhebungen auf den ersten fünfzig bis sechzig Kilometern, bevor es gegen Ende der Etappe hin merklich flacher wurde. Allerdings half am Ende auch das kaum, denn während ich mich die weitestgehend ungeschütze Küstenstraße in südlicher Richtung herabkämpfte, tunnelte die Felswand zur Rechten den Wind so, dass ich ihn eiskalt ins Gesicht geblasen bekam. Fortlaufend. Laut Metservice.co.nz. zumindest heute Nachmittag sogar mit mehr als dreißig Kilometern pro Stunde und ich glaube, dass der Wind auch vorher kaum schwächer war. Fortlaufend, nein, fortblasend.

One Way Bridge

Was sagt die Etappe über meine Form? Viel – denn ich bin angekommen. Und wenig – die Bedingungen

 waren nämlich dermaßen widrig, dass kaum sinnvolle Vergleiche möglich sind. Zumindest habe ich nach dem Formtief um Kilometer sechzig herum nicht mehr signifikant abgebaut, am Ende kostete aber trotzdem jede Pedalumdrehnung unangenehm viel Kraft und ich war heilfroh, nach beinahe zehn teils zermürbenden Stunden Reisezeit in Kaikoura angekommen zu sein. Der Hot-Spa-Pool meines Hostels sollte sich auch als ein wirklicher Glücksgriff erweisen, denn die geschundenen Beine freuten sich tierisch über das warme und

 revitalisierende Blubberwasser. Morgen steht auch schon der erste Ruhetag der noch jungen Tour ins Haus, andem ich den Golfkurs Kaikouras mit meinen Golfkünsten beglücken werde. Typische Touristenattraktiven der Stadt, namentlich Whale-Watching oder Highlights wie Delphinschwimmen, werde ich links liegen lassen, da fast durchweg dreistellige Dollarbeträge mir äußerst wenig entgegenkommend erscheinen.

Kurzer Einschub: Statistik des Tages: 1 / 7 (Quote von Zimmergenossen/innen, die bislang nicht deutsch waren). Eine Plage, aber ich bin wohl Teil davon...

Landschaftliche Erlebnisse gab es heute wenig. Bei Regen und einem tief hängendem Wolkenteppich auch 

Grau-blaues Wasser und grauen Wolken... ...dafür aber Leckeres aus dem Wasser.

kein Wunder. Nett war noch eine recht große Seelöwenkolonie etwa zwanzig Kilometer nördlich von

Steinküstenbewohner, kurz vor Kaikoura. 

  Kaikoura, die sich bereits auf der Straße durch den widerlichen Gestank der Viecher bemerkbar machte. Ich weiß nicht wie Tiere, die andauernd in recht saubere Gewässer hüpfen, trotzdem so bestialisch stinken können, aber so lange sie sich

 noch gegenseitig mögen, wird es wohl kein Problem darstellen.

Bemerkenswert scheint auch, dass Metservice seit vier Tagen Wind aus Südosten, 13 Grad und Regen prognostiziert hatte. Wer meine Tourtagebücher regelmäßig (jaja, ich weiß, niemand) konsumiert und somit

 kein eigenes Leben hat, weiß, dass die Wettervorhersagen Neuseelands bestenfalls zweifelhafter Natur sind – oder wie es im Pedaller’s Paradise steht der Wetterbericht zwar oft Recht hat, allerdings mit den Tagen durcheinander kommt. Nach 37 Grad am gestrigen Tag waren die heutigen 12-16 Grad mit frostigem Gegenwind schon etwas knackig, aber bei 37 Grad und konstanten, warmen Gegenwind wäre ich heute bestimmt vor die Köter gegangen.