Stage 17  
OMARAMA / BUSCOT ST. - CROMWELL
123,90 Kilometer, 05:48:40

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Tagebuch während der Tour geführt von: Bernt Pölling-Vocke ( bernty@gmx.com

„Do you eat?“ fragte Claire als ich nach 115 Kilometern keine 25 km/h mehr fahren konnte – dumme Frage, vielleicht eine Ahnung, was man Rad wiegt?

Eigentlich sollte es heute rund neunzig Kilometer bis nach Tarras gehen und dann morgen ungefähr noch einmal genauso weit bis in die selbsternannten Fun-Hauptstadt (wohl eine Frage der subjektiven Definition 

Ein Foto und ein Foto von von vor dem Foto

von „Fun“ und nur zutreffend, falls „Fun“ aus der flotten Verabschiedung größerer Geldsummen besteht) Neuseelands oder gar der Welt – Queenstown. Natürlich gab es dann auch noch die Option, in Tarras angekommen weitere dreißig Kilometer bis nach Cromwell anzuhängen. Auch wenn wir es vorher lediglich als „Option“ betrachteten, oder uns einredeten, dass es nur so eine ist, ging es dann natürlich doch ohne größere Diskussionen bis nach Cromwell weiter, auch wenn wir beide recht platt waren. Anfangs äußerte Frank Konditionsbedenken und musste gegen den Einwand von mir ankämpfen, dass es doch geschickter wäre, morgen nur eine kurze Etappe zu haben – später diskutierten wir kurz mit ausgetauschten Argumenten, da es Frank mehr Richtung Straße, mich mehr Richtung Bett zog. Unterm Strich zogen wir beide nach Cromwell.

Das Gebot der Stunde von Tarras an lautete allerdings „abkotzen“, da Claire, ein ebenfalls radelnder Brasilianer und Extremsportler (500 Kilometer-Wildniss-Rennen beispielsweise) am Four Square Supermarkt von Tarras zu uns stiße und anschließend auf seinem Montainbike ordentlich Pace machte, was zwar ansteckte und bei ihm spielerisch leicht aussah, mich aber auch vollstreckte. Ordentliche Übersetzungen schienen ihm zu fehlen und er radelte stets mit mindestens 196 Umdrehungen pro Minuten neben oder vor uns her, lachte und schnackte dabei jedoch vollkommen unbekümmert, so als wäre 30 km/h oder mehr überhaupt kein Thema.

Richtig wohl gefühlt habe ich mich eh den ganzen Tag nicht, auch wenn plötzlich doch wieder sehr sommerliche Temperaturen mit direkten Sonnenhöchstwerten von 35 bis 40 Grad (44 Grad an Franks Rad) natürlich eine willkommene Abwechslung zum kalten, aber stets trockenen, Wetter der letzten Tage darstellen. Bei mir kratzt es jedoch immer noch im Hals und die Wunderheilung über Nacht blieb aus. Eine Verbesserung seit gestern Abend ist auch nicht auszumachen, aber immerhin habe ich es bis ins verlängerte Ziel geschafft, den recht hohen Lindis Pass, wenn auch deutlich abgeschlagen zu Frank, radelnd erklommen und am Ende einen 21er Schnitt gefahren.

Blick in Richtung Lindis Pass (links; Blick zurück von "etwas weiter" rechts). Kaum zu übersehen sind die Folgen der Alpen im Westen, die eine massive Wetterbarriere bilden und die "Hochebene" vor dem Lindis Pass von jeglicher Regengefahr schützen.

Der Lindis Pass, gefürchtetes Zwischenziel nach 43 Kilometern, wurd eauch weit weniger dramatisch als von mir erwartet. Bis zwei Kilometer vor dem Gipfel stieg die Straße aus dem Norden kommend kaum mit mehr als ein bis drei Prozent an, was sich zwar am Ende etwas änderte und auch kurz recht heftig wurde, die Auffahrt jedoch insgesamt als recht einfach einstufen lässt. Von Süden aus kommend wäre der Anstieg allerdings wesentlich haariger und steiler gewesen, da die Buscot Station auf rund 450 Metern Höhe ein recht gnädiger Ausgangspunkt für den darauffolgenden Anstieg zum 965 Meter hohen Pass war.

32 Kilometer absolviert, das Schlimmste überstanden: Willkommen am Pass!

Leider konnte uns in Cromwell unser geniales BBH-Hostelheft keinen Weg zu einer gemütliche Herberge weisen, so dass wir uns blind auf die Aussage eines Lonely Planets verließen, dass die Cabins vom „The Chalet“ „good value“ wären. Was laut Reiseführer 30 Dollar pro Nacht kostet, gab es dann sogar schon für zwanzig, dafür aber auch mit einem wenig angenehmen „Back-to Romania“-Flair. Auch die Küche war alles andere als einladend und lediglich für professionelle Desinfizierer, falls es solche Menschen gibt, einen Zwischenstopp wert. Gekocht wurde trotzdem – und gehofft, dass das kochende Wasser im Nudeltopf auch alles andere abtötet, was man nicht unbedingt lebendig mitverspeisen wollte.

...etwas Doping stets griffbereit am Lenker... ...was man auf der Abfahrt vom Pass zwar kaum benötigte... ...was allerdings auf den letzten vierzig recht flachen Kilometern nach Cromwell nicht schaden konnte.

Aber egal. Für eine Nacht taugen auch die „Chalets“, morgen steht nur noch eine kurze Etappe nach Queenstown ins Haus und mir schwant ,dass der Abend mit einer fetten Portion ganz und gar nicht nahrhafter Nachos im einzigen Hard Rock Cafe Neuseelands gefeiert wird. Die einzigartige, kulinarische Qualität werde ich dann auch hoffentlich wieder mit einem weniger kratzenden Hals genießen können, hoffe ich einmal. Schlaf tut ja angeblich immer gut, drum penne ich jetzt. Gute Nacht...