Stage 16
LAKE TEKAPO - OMARAMA / BUSCOT ST.
83,65 Kilometer, 03:41:56

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Tagebuch während der Tour geführt von: Bernt Pölling-Vocke ( bernty@gmx.com

Es ist erschreckend, wie schnell so Einfaches so schwer werden kann. Frank nutzte die doch recht kurze Etappe noch für eine einstündige Wanderung auf einen der Hügel hinter Tony’s „Buscot Station“, einer recht großen 

Sommerurlaub...

Scharffarm nahe Omarama, während ich ermattet darnieder lag und versuchte, mich zumindest soweit wieder aufzupäppeln, dass mit die Zerlegung und Verspeisung von Salmy II Freude bereiten würde.

Der gestrige Tag scheint es mir ein bisschen „gegeben“ zu haben. Zwar bin ich nicht richtig erkältet, aber auch nicht richtig nicht. Der Hals kratzt ein bischen, wesentlich störender ist jedoch die fehlende Spritzigkeit und mangelnde Kraft. Wo ist sie hin?

...und passende, weise Sprüche.

Ich hoffe, in den kommenden Tagen, warum nicht auch gleich morgen, wieder voll in den Tritt zu kommen. Leider erinnert mich die Quasi-Erkältung fatal an eine vergleichbare Chose beim „Herrn des Drahtesels IV“, beginnend etwa eine Woche vor meiner Rückkehr nach Auckland (Zitat vom damaligen Tagebuch: „Mir persönlich bleibt jetzt nur zu hoffen, dass ich heute Nacht nicht mit total verstopftem Riechkolben aufwache und morgen wieder gut Boing-Boing in den heute Abend doch erkältungsmäßig erschlafften Gliedern habe. Auckland ist zwar um die Ecke, krank bringt mich die Restdistanz jedoch zur Strecke.“ http://www.hockeyarenas.com/cycling/neuseeland4nordinsel/stage14.htm). Damals sollte ich mich auf der Resttour nie wieder so richtig erholen und brauchte mehrere Wochen, um wieder richtig auskuriert vernünftig treten zu können, da ich wochenlang nie richtig erkältet war, aber auch nie wirklich gesund. Dasselbe könnte ich nun, noch relativ zu Beginn der Tour, kaum gebrauchen, aber etwas konstanteres und vielleicht sogar besseres Wetter, so wie es der Wetterbericht nun auch endlich verspricht, mag kaum schaden.

Anfangs konnte ich heute wirklich nichts richtig machen. Zu kalt, zu warm, zu kalt, zu warm: was auch immer ich gerade trug war bei Temperaturen, die bis zum Mittag kaum über 12 Grad hinausgingen, falsch. Morgen steht auch nach dem gestrigen Burke’s Pass mit dem beinahe 1000 Meter hohem Lindis Pass der zweite echte Pass der Tour an und im Moment stehen die Vorzeichen schlecht, dass ich oben erneut als erster einrolle – oder überhaupt einigermaßen fit den Gipfel erklimmen kann. Glücklicherweise sollen nur die letzten des rund 25 Kilometer langen Aufstiegs wirklich „steep“ sein. Kein Einwand meinerseits.

Wunderschön ist es hier auf der Buscot Station aber „auf jeden“ (End-Clipping für Coole: statt „auf jeden Fall“ wird heutzutage gerne nur „auf jeden“ gemurmelt). Das vielleicht einsamste Hostel Neuseelands, ein weiteres Haus kann man vom leciht erhöht liegenden Haupthaus der Farm in keiner Richtung erkennen (acht Kilometer bis nach Omarama), ist der Hit. Schon im Winter hatte ich das Hostel zufällig als passable Übernachtungsoption zwischen Queenstown und Christchurch (damals mit dem Auto) entdeckt und wollte „auf jeden“ noch einmal zurückkehren. Der Dorm ist zwar leicht putzbedürftig und Tony’s Anwesen auch sonst etwas chaotisch (Männerhaushalt), aber „wohnlich, chaotisch mit einer Prise edel“ wäre eine durchaus passende Charakterisierung. Es gibt einfach Hostels, in die man sich nur verlieben kann. Die Buscot Station, beginnend mit Tony selbst, seinem stets frischgebackenem Brot und vollendet mit grandiosen Blicken aufs Tal und die Alpen, ist zweifelsohne eines davon. Selbst die eigentliche Straße ist eineinhalb Kilometer Schotterpiste entfernt – wer es einsam 

"Look, no Mt. Cook..."

mag und nichts gegen Kuckucksuhren hat, muss einfach einchecken.

Die Fahrt selbst zwar heute teilweise nur moderat faszinierend, da das Nichts der extrem regenarmen Region nicht wie gewohnt vom Bergpanorama gekrönt, sondern bis Nachmittags von einer tiefen Wolkendecke verdeckt wurde. Genauso geschah es auch am Mt. Cook Lookout, den wir kurz vor Twizel passierten. Bei schönem Wetter ist der Blick sicherlich einer der besseren Neuseelands, aber heute ganz einfach weit weniger schön als antizipiert, da ganz einfach der verfluchte Berg am Ende des Sees heute fehlte. „Look, no Mt. Cook...“

Das absolute Highlight des Tages, auch wenn es etwas doof klingen mag, war dafür aber noch mein mühsam über 25 Kilometer transportiertes Abendmahl, Salmy II. Frank verzichtete zwar auf einen halben, erst kürzlich verstorbenen Lachs und verspeiste stattdessen Tütenspaghetti („Von Fisch muss ich kotzen“), aber nachdem ich auch schon im Winter hier in der Region eigenhändig einen frischen Lachs zersägt hatte (Einspruch: ausgenommen sind sie schon), folgerichtigerweise Salmy I, schmeckte es auch heute wieder „tierisch“ gut. Ebenso wie Frank stand auch der Hostelhund nicht unbedingt auf Lachssteaks, da er fast jeden Gast beim Essen anbettelte und nur um mich einen Bogen machte. Abbekommen hätte er sowieso nichts...

Diverse Fotos des Tages: Frank beim "dopen" am frostig kalten Vormittag, ich mit meinem frisch verstorbenen Fisch am Nachmittag (bzw. "Soloaufnahme" des Fisches vom Abend) und dazu als Nachtisch noch ein paar Fotos vom leckeren Sonnenuntergang...