Stage 15
GERALDINE - LAKE TEKAPO
92,57 Kilometer, o4:34:23

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Tagebuch während der Tour geführt von: Bernt Pölling-Vocke ( bernty@gmx.com

„Ich will nur noch unter eine heiße Dusche“
 „Hoffentlich bleibt es so, dann können wir uns schön an den See hocken und auf die Alpen glotzen“
Zwei Aussagen von Frank, ungefähr fünf Kilometer, zehn Minuten und zehn Grad voneinander entfernt formuliert.

Wechselhafter als heute kann ein Tag kaum mehr sein – vielleicht noch genauso plus „nass“, denn einmal 

Typischer Gegenverkehr...

wieder blieben wir bis auf den eigenen Schweiß komplett trocken. Der Scheiß hingegen floss ausgiebig, denn vom Streckenprofil hatte es der heutige Tag, für mich die viertlängste Etappe er Tour und für Frank das Anspruchsvollste seit seiner Tour durch die Alpen, wahrlich in sich.

Besonders schwer sollte sich auch die Frage nach der richtigen Bekleidung darstellen, denn ganz egal was man gerade trug, war man fünf Minuten später vollkommen falsch gekleidet. Zog eine Wolke vor die Sonne, waren es kaum mehr als zehn Grad, knallte sie ungebremst herab, wurde jedes Kleidungsstück zur Sauna. Schmeisst man dann noch die ständigen Auf- und Abfahrten mit in den Topf, ergibt sich das totale Bedingungschaos.

Die McKenzie Region, welche wir momentan durchqueren, wurde übrigens nach einem hinterlistigen Schafsdieb benannt, wie man mir beim Plausch im Main Street Cafe von Fairlie beibrachte. Fairlie hat auch eine Statue vom Dieb und seinem Hund als „Attraktion“ vorzuweisen, Lake Tekapo, unser Etappenziel, nur eine Statue vom Hund und das „obwol McKenzie nie in Fairlie geklaut hat“. Würden die Maoris alle Regionen nach denen benennen, die das Land ursprünglich von ihnen geklaut haben, fänden die Zugezogenen dieses bestimmt nicht mehr ganz so witzig...

Aber auch abgesehen von Schafsdieben und idyllisch gelegenen Fließbandhochzeitskirchen (Church of the 

Die sportliche Herausforderung des Tages: der Burke's Pass

Good Shepard, Lake Tekapo) hat die McKenzie Region eine Menge zu bieten.  Endlose, steppenartige Graslandschaften vor grandios anmutenden Bergformationen erfreuen das Auge ebenso wie azurblaue Seen 

und statistisch jede Menge Sonnenschein, da die Region im Regenschatten der Alpen liegt und somit jeder Bauer das Leben schwer hat, irgendetwas vernünftig anzubauen (außer Schafe, Schafe kann man immer anbauen, wenn die Steppe nur groß genug ist).

Faszinierend schien heute auch das Verkehrsaufkommen, da die Straße eigentlich vollkommen ausgestorben sein müsste, gäbe es nicht jenen konstanten Schwall an Reisebussen und Wohnmobilen, die andauernd die Fotomotive verschandeln. „So etwas muss man sich erarbeiten“, bilanzierte Frank beim Blick auf die Landschaft schon ganz richtig und ich denke, dass die meisten Busreisenden gar kein echtes Gefühl für die Weite der Landschaft entwicklen können, wenn sie mit einhundert Kilometern pro Stunde über die Piste chauffiert werden.