Stage 14
METHVEN - GERALDINE
80,98 Kilometer, 03:19:24

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Tagebuch während der Tour geführt von: Bernt Pölling-Vocke ( bernty@gmx.com

Wie definiert man eigentlich Wetterglück?

Vielleicht damit, dass wir wie sonnige Etappen an zwei ganz und gar nicht sonnigen Tagen hinter uns gebracht haben? Draußen gießt es gerade wieder wie aus Kübeln, der Himmel ist seit Stunden bedeckt und wir wurden lediglich etwas nass beim zweiten Happen vom Doppel-Whopper Sportprogramm des Tages, nämlich den „Geraldine Open“.

Während gewöhnliche Touristen achtzig Kilometer auf dem Rad, auch wenn der Streckenverlauf gut mit „einfach“ skizziert werden kann, sicherlich schon als „normales“ Tagespensum abzeptieren, komplettierten wir den Tag noch mit 18 Löchern auf dem Golfplatz und somit weiteren vier Stunden auf den Beinen. Ich habe dasselbe schon in Culverdeen oder Christchurch gemacht, aber irgendwie erscheint es schon fast bekloppt, erst stundenlang zu treten und dann noch einmal genauso lang von einem Loch zum nächsten zu stratzen.

„Stratzen“ erscheint mir jedoch als ein eher zu unspannendes Verb für unser Spiel, da Frank zum ersten Mal spielte und ich mich alsbald so fühlte, als ob ich es auch machen würde. Trotzdem egalisierte ich auf der etwas kurzen, aber hügeligen, geratenen Bahn meinen Allzeitrekord. Was mir allerdings schwer zu denken gab, war mit anzusehen, wie abgrundtief schlecht Frank spielte. Das Kartenhaus meiner subjektiv wahrgenommenen Fortschritte, klein wie sie auch sein mögen, brach dadurch vollends zusammen, dass ich am Ende die Geraldine Open nur mit drei Schlägen Vorsprung gewann. Ich glaube, dass ich ganz einfach überhaupt kein Talent oder sogar Antitalent habe, aber irgendwie macht es halt doch Spaß. Frank genoss es weniger, so dass er auf der anschließenden Pressekonferenz vorschlug, bei der nächsten Golfgelegenheit doch lieber vierzig Kilometer weiterzuradeln. Schade eigentlich.

Die Etappe, einfach wie so war, erinnerte fatal ans Radfahren in Ostfriesland, wenngleich auch der optische Hintergrund mit den Alpen zur Rechten etwas wohlwollend war. Nichtsdestotrotz strampelten wir eigentlich nur recht stupide kurvenlose Straßen entlang, deren Highlights gelegentlicher Flussbette mit Ausblicken auf die Berge waren. Von „hässlich“ mag zwar im direkten Sinne keine Rede sein, vor allem im Vergleich zu Prag-Istanbul (mehr oder weniger komplett), aber Frank hatte schon ganz Recht, als er sich für morgen auch wieder etwas Abwechslung herbeisehnte. Aufmerksame Leser werden feststellen, dass sich mein Eintrag gestern noch ganz anders las, aber was am einen Tag gefällt, mag am anderen langsam nerven.

Ein Blick auf das Höhenprofil im Pedaller’s Paradise, der Bibel neuseeländischer Fahrradtouristen, verspricht eine Menge Abwechslung und so manche, nette Abfahrt. Der Berg beginnt zu rufen, ganz leise, aber werden die Beine ihn erhören? 

Bestechend in Form präsentiert sich momentan auch das Ozonloch. Frank, den ich sonst eigentlich nur als oberkörperfrei radelnden Sonnencremeabstinenzler kenne, ist trotz heutiger Anwendung vom Lichtschutzfaktor 30 knallrot in der Visage, ich bin es trotz beinahe eines Jahres Gewöhnung an die hiesigen UV-Verhältnisse ebenfalls und richtig sonnig war es im Grunde genommen gar nicht. Knackig braun ist in Neuseeland wenig überraschend geringfügig weniger „in“ als in Deutschland, da eine „gesunde“ Bräune oder gar Röte eigentlich nur signalisiert, dass man für seine Krankenkasse ein immenses Risiko darstellt. So ganz stimmt die Aussage zwar auch nicht, da laut Untersuchungen eher sporadische Sonnen“nutzer“ von Sonnenbränden und Hautkrebs heimgesucht werden als Menschen, die, beispielsweise berufsbedingt, viel Zeit in der Sonne verbringen, aber trotz allem ist und bleibt die Sonne in Neuseeland eine nicht zu unterschätzende Gefahr.

The Geraldine Open 2006

Profis unter sich: die Scorecards habe ich leider nicht mehr griffbereit, weiß aber, dass ich mit drei Schlägen Vorsprung knapp gewann, nachdem ich nach den ersten neun Löchern noch im zweistelligen Bereich vorne lag. Insgesamt dürften das Ergebnis jedoch im wenig berauschenden Bereich von 160+ Schlägen gewesen sein...